Zukunft der Kirche

Kirchenkreis feilt an seiner Zukunft

Der evangelisch-lutherische Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck steht vor einem langfristigen Strukturwandel, den er trotz knapper Kassen zu einem Erfolg gestalten will.
21.04.2021, 05:30
Lesedauer: 3 Min
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Kirchenkreis feilt an seiner Zukunft
Von Brigitte Lange
Kirchenkreis feilt an seiner Zukunft

Der Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck arbeitet an einem langfristigen Strukturwandel. Die Vorbereitung des Personal- und Stellplanes 2023 bis 2028, mit der sich die Kirchenkreissynode nun befasste, gehört dazu.

Christian Kosak

Landkreis Osterholz. Der künftige Kurs ist deutlich abgesteckt: Mit geschicktem Personaleinsatz, effizienterer Aufgabenverteilung und viel Expertise will der Ev.-luth. Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck den langfristigen Strukturwandel trotz knapperen Kassen zum Erfolgsmodell machen. Die Wegmarken dafür setzte die Kirchenkreissynode (KKS) am Freitag im Ritterhuder Veranstaltungszentrum mit Beschlüssen zur Vorbereitung des neuen Personal- und Stellenplans 2023 bis 2028. Klar ist: Treibende Kraft werden die Kirchenregionen sein. Sie werden ihre zentrale Rolle ausbauen und neue Freiräume für Planungen erhalten.

Die Leitlinien dieser mittelfristigen Planung skizzierte Dominik Schmengler (Meyenburg), Taktgeber im Perspektiv-Ausschuss, der als Gremium der Kirchenkreissynode den Prozess mitkoordiniert. „Bis Ende Mai geht es darum, in Gesprächen mit den Regionen herauszufinden, was die Stärken und Aufgaben sind und wo wir handeln müssen.“ Das Sparen versteht er „als positive und kreative Herausforderung.“

Wie groß dieser Schritt in Zahlen ist, berichtete Torben Wienbarg. Rund 3.678 Millionen Euro muss der Kirchenkreis im Etat bis 2028 nach den Vorgaben der Landeskirche einsparen. „Das sind jährlich etwa 590.000 Euro bei den Finanz- und Stellenplänen im gesamten Kirchenkreis“, sagte der Leiter der Abteilung Rechnungswesen im Kirchenamt Verden. „Die Kirchenregionen sind die Planungsebenen, sie können mit ihrem Budget das Personal frei planen“. Dort werde in ersten Planungsschritten überlegt, wie eine Umsetzung der Kürzungen umgesetzt werden könne.

Gleichzeitig wird auf Ebene des Kirchenkreises überlegt, welche Schwerpunkte trotz Kürzungen zukünftig das Profil schärfen sollen. Allerdings, schränkte Superintendentin Jutta Rühlemann auf Nachfrage ein, werde das Budget des Kirchenamtes nicht gekürzt. So werde sichergestellt, dass Verwaltung nicht in die Gemeinden zurückverlagert werde und der wachsende Aufgabenkatalog mit neuen Pflichtthemen wie Klimaschutz effizient und professionell bearbeitet würde.

„Wie kommt diese bahnbrechend neue Regelung, wieder Stellen frei planen zu können“, wollte Pastorin Birgit Spörl wissen. „Die Landeskirche will so neue, bessere Strukturen ermöglichen, passgenau für die Bedarfe vor Ort“, sagte Wienbarg. Und Rühlemann ergänzte: „So entsteht Freiraum, an vielen Punkten neu zu denken, die Energieflüsse in neue Bahnen zu lenken“. Die Aufgabe des Strukturwandels setze „vielleicht ungeahnte Kräfte und Ideen frei“. Die KKS-Vorsitzende Heike Schumacher appellierte, die Zeit in den Regionen für Gespräche und Abstimmungen für einen Neustart zu nutzen. „Wir müssen uns nach Corona ohnehin neu strukturieren und vieles neu denken, unsere Planungen passen ideal in diesen Prozess“. Der Kurs überzeugte die Parlamentarier: Sie stimmten dem Planungsinstrument samt Kriterien und Einsparungen bei vier Enthaltungen zu. Bis nach den Sommerferien soll die erste Planungsrunde abgeschlossen sein und in die Kirchenkreissynode eingespeist werden.

Auch Neues kann entstehen. In der Region Hambergen/Wallhöfen wird das Thema Verwaltung und Organisation durchleuchtet und neu aufgestellt. Es geht um Aufgaben, Stellenanteile, Finanzen und Arbeitsabläufe. Wie Pastorin Christina Riegert mitteilte, „braucht das Pfarramt dringend Entlastung von Aufgaben“. Man habe die Verwaltung auf die Region übertragen, das Pfarrbüro gestärkt und fünf Stunden länger geöffnet. „Wir werten aus, was gut und schlecht läuft und geben das gerne weiter“, sagte Riegert.

Dieser Neustart wird wie alle Projekte von Unternehmensberater Hans-Werner Hinnenthal und der AG Verwaltung der KKS fachlich betreut. Der BWL-Profi mit Kirchenerfahrung möchte zuerst die Gemeindebüros stärken: mit Personalentwicklung, Prozessoptimierung, Gemeindemanagement, und Kundenmarketing. Sein Fazit: Die Regionen brauchen Stellenbeschreibungen, Leitfäden für Bewerbungen, optimale Aufgabenverteilungen, Prioritätenkataloge. „Gemeindebüros sollten mit den Mitarbeitenden zu Regionalassistenzen entwickelt werden.“ Ziel sei die „Entlastung der Pastoren und Ehrenamtlichen“. Das Votum des KKS bestätigt seinen Kurs: Die Parlamentarier gaben einstimmig ihre „zustimmende Kenntnisnahme“.

Bei aller Kostenorientierung, betonen Schumacher und Rühlemann, werde die Finanz- und Personalplanung die Aufgaben der Kirche langfristig sichern. „Wir sind überzeugt, dass wir weiterhin eine lebendige Kirche vor Ort sein werden und Begegnungsräume schaffen. Und mit unseren Angeboten der Diakonie, der Kirchenmusik und der Jugendarbeit, der Seelsorge, unseren Kindertagesstätten und vor allem unseren Gottesdiensten auch zukünftig präsent sind“, sagte die Superintendentin.

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