Mystischer Ort in traurigem Zustand

Kratteichen und Hügelgräber vernachlässigt

Über 1000 Jahren sind die Kratteichen bei Buchholz alt, umgeben sind sie von mittlerweile überwucherten Hügelgräbern. Der Wilstedter Hans-Werner Behrens ist besorgt über den Zustand dieses einmaligen Orts, der nicht nur seiner Meinung nach dringend intensiver Landschaftspflege bedarf.
23.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von LINDA EGGERT
Kratteichen und Hügelgräber vernachlässigt

Hans–Werner Behrens setzt sich dafür ein, dass die geschützten Kratteichen bei Buchholz künftig besser gepflegt werden.

Hans-Henning Hasselberg

Die Kratteichen bei Buchholz sind ein beliebtes Ausflugsziel für all diejenigen, die verwunschene und mysteriöse Orte schätzen. Neben den Bäumen befinden sich auf dem Areal auch Hügelgräber, von denen zurzeit allerdings nicht mehr viel zu sehen ist: Wild gewachsene Sträucher und Kiefern verbergen sie. Dass sich das schnellstmöglich ändert, ist ein Anliegen von Hans-Werner Behrens aus Wilstedt.

Die alten Bäume mit den kurzen Stämmen, umringt von Hügelgräbern auf dem Holzberg, faszinieren den 82-jährigen Hans-Werner Behrens schon seit seiner Kindheit. Die mitunter tausend Jahre alten Bäume sind nicht nur wegen ihrer Größe eine Augenweide: Auch die merkwürdig verbogenen, ausschweifenden dicken Äste zeichnen die Kratteichen aus. „Mir ist es sehr wichtig, dass das Areal erhalten bleibt“, sagt er. „Schließlich besitzt dieser Ort eine Geschichte. Die Bäume und Gräber sind ein wunderbarer Teil des Landschaftsbildes.“

Im Moment kann er sich jedoch nicht mehr vollkommen an den Kratteichen und Hünengräbern erfreuen: Sträucher und wucherndes Unterholz hindern die Bäume daran, weiter zu wachsen. Doch nicht nur für die Eichen komme die Vernachlässigung einer Entwertung gleich. „Die Hügelgräber sind inzwischen auch schon gar nicht mehr zu sehen“, bemerkt Behrens frustriert. Inzwischen wüchsen sogar kleine Kiefern auf den Gräbern. Der frühere Rotenburger Kreisnaturschutzbeauftragte Werner Burkart ist derselben Meinung: „Die Vitalität der Eichen wird eingeschränkt, wenn das Unterholz sich weiter so unkontrolliert ausbreitet.“

Damit die Landschaft in ihrer einstigen Form erhalten bleibe, sei ein Zurückschneiden des Strauchbewuchses dringend notwendig, fordert Behrens. Außerdem sollten die Kiefern gefällt und Sand aufgeschüttet werde, um eine Verholzung des Areals zu verhindern.

Dadurch, dass die Kratteichen zwar im Privatbesitz stünden, vom Landkreis aber bereits seit 20 Jahren unter einen besonderen Schutz gestellt sind, liege die Fürsorge auch in der Verantwortung der Naturschutzbehörde und der Archäologen des Landkreises, sagt er. Dass der sich so wenig um die tausend Jahre alten Bäume kümmert, ärgert Behrens.

„Alles wieder zugewachsen“

„Die Gegend um die Kratteichen war schon einmal freigeschnitten, doch inzwischen ist alles wieder zugewachsen“, sagt er bekümmert. Im Jahr 2001 seien landschaftsfremde Fichten gefällt worden, seitdem sei jedoch nicht mehr wirklich viel passiert. Der Grundstückseigentümer zeige sich dabei auch sehr kooperativ, sagt Hans-Werner Behrens. Ziel sei es, wieder eine lichte Heidelandschaft herzustellen, in der sich die Kratteichen wohlfühlen und gedeihen können und die Hügelgräber ebenfalls zu sehen seien. „Schließlich gehört beides einfach auch zusammen“, betont er.

Jürgen Cassier vom Amt für Naturschutz und Landschaftspflege sieht sich zwar in der Verantwortung, zweifelt jedoch an der eingeschränkten Vitalität der Eichen durch den Bewuchs am Boden. Trotzdem würden im Frühjahr Schafe zum Beweiden auf das Grundstück gelassen. Hans-Werner Behrens reicht das jedoch nicht aus: „Erstens ist das viel zu spät, da im Frühjahr doch wieder alles blüht und wächst, und zweitens müssten die Kiefern eben auch dringend gefällt werden, um die Hügelgräber nicht noch länger zu belasten.“

Auch die Kreisarchäologie sieht Behrens in der Pflicht. Deren Leiter Stefan Hesse will sich in diesem Jahr zumindest um eine neue Beschilderung kümmern. „Wir planen, die Infotafel der Hügelgräber umzugestalten und zu aktualisieren“, sagt der Archäologe. Für das Zurückschneiden des Bewuchses sei seiner Meinung nach jedoch auch das Naturschutzamt zuständig.

Hans-Werner Behrens sorgt sich also weiter um die Bäume und um die Hügelgräber. „Es ist nicht genau definiert, wer für was zuständig ist, und die Landschaft leidet darunter“, bemerkt er betrübt. Das alles liege ihm sehr am Herzen, aber er selbst sei eben einfach zu alt, um sich noch zu kümmern. „Eventuell könnten sich auch Privatleute oder die Kommune bereit erklären, das Areal zu pflegen“, schlägt er vor. Vielleicht gelinge es ja auch, Mittel aus der Umwelt-Bingo-Lotterie für das Vorhaben zu bekommen.

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