Teilnehmer überfordern Ehrenamtliche Kreis Osterholz stoppt Ferienfreizeiten

Über Jahre hat das Jugendamt des Landkreises Osterholz Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche angeboten. In diesem Jahr gibt es keine Freizeiten. Teilnehmer haben zu viele Probleme gemacht.
24.04.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Lutz Rode

Mit dem Landkreis in den Urlaub fahren – unter diesem Motto hat das Osterholzer Jugendamt über Jahre Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche angeboten. In diesem Jahr wird es jedoch kein zweiwöchiges Zeltlager für 150 junge Leute auf Langeoog oder einen elftägigen Aufenthalt am Brahmsee bei Langwedel geben. Der Landkreis hat die Notbremse gezogen, weil Teilnehmer zuletzt zunehmend Probleme gemacht haben, mit denen die Gruppen und ehrenamtlichen jungen Begleiter überfordert waren.

2016 sollen die Freizeiten mit einem neuen Konzept fortgesetzt werden.

Dass der Landkreis die Fahrten für dieses Jahr gestrichen hat, kam aufgrund einer Nachfrage im Kreistagsausschuss für Bildung ans Licht. Die Grünen-Abgeordnete Kirstin Döding hatte nachgehakt, nachdem sie von der Absage gehört hatte. Eine offizielle Information durch die Kreisverwaltung hatte es bis dato für die Kreistagsmitglieder nicht gegeben. Sozialdezernentin Heike Schumacher wollte während der Sitzung nicht näher auf die Hintergründe eingehen, sicherte aber zu, eine schriftliche Erklärung nachzureichen.

Auch Fälle von Mobbing

Auf Nachfrage des OSTERHOLZER KREISBLATT hieß es: „Wir haben in den letzten Jahren festgestellt, dass die Teilnehmer der Ferienfahrten eine intensivere Betreuung und Unterstützung benötigen“, sagt Landkreis-Sprecher Marco Prietz. Probleme hätten sich gezeigt, etwa, weil sich Jugendliche weigerten, beim angebotenen Programm mitzumachen oder sie mit ihrer problematischen Lebensgeschichte alle anderen Teilnehmer und auch die Jugendleiter überforderten. Auch Fälle von Mobbing soll es gegeben haben.

Laut Prietz hat das Jugendamt die Fahrten organisiert und auch die Familien gezielt darauf aufmerksam gemacht, die von ihm betreut werden. Grundsätzlich hätten die Freizeiten aber allen Kindern und Jugendlichen aus dem Landkreis offen gestanden, was auch angenommen worden sei. Die Probleme, so betont der Landkreis, seien nicht allein von den Kindern und Jugendlichen ausgegangen, die vom Jugendamt betreut werden.

Aus Sicht der Kreisverwaltung hat sich bei den Fahrten die Palette an Schwierigkeiten widergespiegelt, wie sie heutzutage vielerorts im Schulalltag zu beobachten seien. „Das ist ein allgemeiner Trend. Der Landkreis steht mit seinen Erfahrungen nicht alleine da. Die Entwicklung zeigt sich bei allen Ferienfreizeiten landauf, landab“, sagt Prietz. Der Umgang damit bereite den ehrenamtlichen Jugendleitern Schwierigkeiten. „Wir haben eine Verantwortung für die Ehrenamtlichen. Sie müssen das Gefühl haben, dass sie mit der Situation gut umgehen können. Es geht um mögliche Überforderungen, die wir vermeiden wollen“, erklärt Prietz.

Neues Konzept geplant

Die Konsequenz aus alledem ist, dass der Landkreis die großen Ferienfreizeiten für die nächsten Sommerferien abgesagt hat. Das Jugendamt will die Auszeit nutzen, um an einem neuen Konzept zu feilen, das den veränderten Anforderungen gerecht wird. „Wir wollen uns die Zeit nehmen, das Ganze neu zu sortieren“, sagt Prietz.

Ganz in die Röhre gucken sollen die Kinder und Jugendlichen in den bevorstehenden Sommerferien aber nicht: In diesem Jahr wird der Landkreis mehrere Tagesaktionen in den Ferien anbieten, die von ehrenamtlichen Teams organisiert und begleitet werden; hauptamtliche pädagogische Fachkräfte des Jugendamtes werden sie dabei unterstützen. Die Teilnehmerzahlen sind jedoch stark begrenzt – zwischen sechs und zwölf Kinder können je nach Angebot maximal mitmachen.

Für den 11. August ist ein Tagesausflug zum Universum Bremen für Kinder im Alter von zwölf bis 14 Jahren geplant. Ferner soll es einen Ausflug zum Milchhof Kück in Gnarrenburg geben, wo sich ein Bauernhof-Klassenzimmer mit direktem Blick in die Molkerei befindet. Ein Termin steht noch nicht fest, mitmachen können sechs Kinder zwischen acht und zehn Jahren.

Auch einen Tagesausflug zum Klimahaus Bremerhaven soll es am 25. August für Kinder von zehn bis zwölf Jahren geben. Gruppengröße: Sechs bis acht Kinder. Mit zwei Bullis machen sich die Teilnehmer des Tagesausflugs am 27. August auf den Weg zum Tierpark Lauenbrück. Mitfahren können Kinder, die zwischen acht und zwölf Jahre alt sind. Die Teilnehmerzahl ist auf zwölf begrenzt.

Ein Mädelstag im Bürgerpark Bremen mit Picknick und Minigolf steht am 30. Juli auf dem Programm. Sechs bis acht Mädchen von zehn bis 13 Jahren können mitfahren. Schließlich ist für den 28. Juli ein Tagesauflug in den Wild- und Freizeitpark Ostrittum vorgesehen. Sechs Kinder können teilnehmen, das Angebot richtet sich an Kinder zwischen acht und zwölf Jahren.

Weitere Informationen zu den Tagestouren desJugendamtes gibt es im Internet unter www.landkreis-osterholz.de/ferienangebote.

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