Kostspielige Sperrmüllabfuhr im Landkreis Osterholz

Kreisabfallwirtschaft schreibt eine Million Miese

Landkreis Osterholz. Die Kreisabfallwirtschaft im Landkreis Osterholz ist im Jahr 2009 tiefer als erwartet in die roten Zahlen gerutscht: Auf etwas mehr als eine Million Euro beläuft sich der Verlust, den der Eigenbetrieb des Landkreises geschrieben hat.
12.06.2010, 06:00
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Von Lutz Rode
Kreisabfallwirtschaft schreibt eine Million Miese

Die Mitarbeiter der Abfall Service Osterholz GmbH waren auch gestern unterwegs, um Sperrmüll einzusammeln. Wichtig dabei

Lutz Rode

Landkreis Osterholz. Die Kreisabfallwirtschaft ist im Jahr 2009 tiefer als erwartet in die roten Zahlen gerutscht: Auf etwas mehr als eine Million Euro beläuft sich der Verlust, den der Eigenbetrieb des Landkreises geschrieben hat. Damit machte er etwa 180000 Euro mehr Miese als gedacht. Alle Hoffnungen richten sich nun auf das seit Jahresbeginn umgesetzte neue System der Müllentsorgung, mit dem die Kreisabfallwirtschaft aus der Verlustzone herauskommen soll.

Dass das Jahr 2009 nicht rosig ausfallen würde, war den Beteiligten auf Kreisebene von Anfang an klar: Mit einem Verlust von 854250 Euro war im Wirtschaftsplan gerechnet worden. Dass nun alles noch dicker kommt, hat unter anderem mit der sprunghaft gestiegenen Menge an Sperrmüll zu tun, die im zweiten Halbjahr 2009 entsorgt werden musste. Um das Zeug loszuwerden, mussten unterm Strich 110000 Euro mehr als im Vorjahr bezahlt werden.

Ausrutscher

Knapp 3500 Tonnen an Sperrmüll wurden im zweiten Halbjahr 2009 im Landkreis Osterholz eingesammelt - 600 Tonnen mehr als im langjährigen Durchschnitt. Beim Landkreis Osterholz gehen die Verantwortlichen davon aus, dass sich ein solcher 'Ausrutscher' nicht wiederholen wird. Während der Sitzung des Kreisabfallausschusses wies Kreisdezernent Werner Schauer darauf hin, dass maximal fünf Kubikmeter Sperrmüll bei der üblichen Sperrmüllabfuhr mitgenommen werden dürfen. Bei der Abfall Service Osterholz GmbH (ASO) achtet man darauf, dass diese Grenze nicht überschritten wird. 'Wir hatten schon mehrere Fälle, wo eine Hausentrümpelung anstand. Die Sperrmüllabfuhr hat fünf Kubikmeter mitgenommen, für den Rest haben wir dem Eigentümer auf seine eigenen Kosten einen Container gebracht', berichtete ASO-Geschäftsführer Frank Theilen.

Kreistagspolitiker Wilfried Pallasch nahm die Debatte zum Anlass für eine grundsätzliche Kritik an der Sperrmüllentsorgung, die von allen Kunden über die allgemeinen Gebühren mit bezahlt wird. Pallasch findet dieses System ungerecht, und regte an, über Alternativen nachzudenken. Frank Theilen warnte davor, die Sperrmüllabfuhr aus der allgemeinen Gebührenkalkulation herauszunehmen. Der Landkreis Wesermarsch habe damit eine bittere Erfahrung gemacht. Die Befürchtung: Wenn für die Sperrmüllabfuhr gesondert bezahlt werden muss, landen alte Möbel und Gerümpel verstärkt in der Landschaft und müssen ebenfalls teuer entsorgt werden.

Landrat Dr. Jörg Mielke fand es ebenfalls nicht sinnvoll, im sechsten Monat nach der Umstellung auf ein neues Müllsystem darüber nachzudenken, wo man punktuell etwas ändern könne.

Dass sich das neue System auszahlt, davon geht man im Kreishaus aus. Auch wenn die Zahlen für die ersten Monate wegen des langen Winters nicht repräsentativ sind, zeige sich, dass der Aufwand deutlich reduziert werde. Nach dem Wirtschaftsplan soll die Kreisabfallwirtschaft 2010 einen Überschuss von 440 600 Euro erzielen. Das Geld wird dringend gebraucht, um die Verluste abzubauen, die der Eigenbetrieb seit Jahren vor sich herschiebt. Insgesamt beläuft sich Verlustvortrag auf 2,93 Millionen Euro. Rechnet man das Eigenkapital dagegen, bleibt immer noch ein Fehlbetrag von 2,14 Millionen Euro. Um die Defizite der Vorjahre auszugleichen, macht der Landkreis in diesem Jahr 306000 Euro aus dem allgemeinen Haushalt locker, 2011 sollen es noch einmal 367000 Euro sein. Dieses Geld ist quasi nur ein Vorschuss: Vorgesehen ist, dass die Beträge ab 2013 aus den erwarteten Gewinnausschüttungen der Abfall Service GmbH zurückgezahlt werden.

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