Niedersächsische Landesregierung stellt 10 500 Euro für Schulentwicklungsprojekt zur Verfügung

Kreisrunde Kunst an den Wänden der IGS

Grasberg·Lilienthal. „Große bunte Kreise – mal formvollendet, mal angedeutet“, so präsentiert Malerin Edeltraut Rath gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Integrierten Gesamtschule (IGS) Lilienthal großflächige Wandmalereien in den Schulfluren in Grasberg. Bunt, aufregend, inspirierend sollten die tristen Flure der Schule gestaltet werden, so der Plan im vergangenen Schuljahr.
13.02.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Petra Scheller
Kreisrunde Kunst an den Wänden der IGS

Haben am Kunstworkshops im Rahmen des Projektes „Schule trifft Kultur – Kultur trifft Schule“ teilgenommen: Paloma, Mahsun, Anik, Jonas und Nils (von links) präsentieren Wandmalereien in den Fluren der IGS in Grasberg.

Petra Scheller

„Große bunte Kreise – mal formvollendet, mal angedeutet“, so präsentiert Malerin Edeltraut Rath gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Integrierten Gesamtschule (IGS) Lilienthal großflächige Wandmalereien in den Schulfluren in Grasberg. Bunt, aufregend, inspirierend sollten die tristen Flure der Schule gestaltet werden, so der Plan im vergangenen Schuljahr. „Es war ein spannender Prozess, die Ideen dafür mit den Schülerinnen und Schülern zu entwickeln“, resümiert Rath jetzt in ihrer Laudatio zur Vernissage im Schulforum.

Ein gutes halbes Jahr arbeitete die Bremer Künstlerin gemeinsam mit Lilienthaler, Grasberger und Worpsweder Kindern an dem von der Landesregierung Niedersachsen gesponserten Projekt „Schule trifft Kultur – Kultur trifft Schule“. Die Idee: Ausgewählte Schulen – bislang nur 40 aus ganz Niedersachsen – sollen mit Geldern der Landesregierung dauerhaft mit Kultureinrichtungen und Kulturschaffenden zusammenarbeiten. Darüber hinaus solle ein fächerübergreifendes kulturelles Bildungsangebot aufgebaut werden.

Ein Plan, der bei der engagierten Lehrerschaft der IGS sofort auf fruchtbaren Boden fiel. Kunstlehrerin Wiebke Lüken zog den 10 500 Euro-Zuschuss des niedersächsischen Kultusministeriums sowie des niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur für ihre Schule an Land. Zufällig war sie auf die Ausschreibung aufmerksam geworden und handelte prompt. Dabei rückte sie die Kooperation mit der Worpsweder Kunstschule Paula in den Fokus. Das kam bei den Ministerien, die in Kooperation mit der Stiftung Mercator arbeiten, gut an.

Angelegt sei das Projekt auf insgesamt drei Jahre, erzählt Karina Kögel-Renken während der Vernissage. Vor allem Ganztagsschulen sollen von den Projektgeldern profitieren, damit Kinder unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern aktiv an Kultur teilhaben und ihre kreativen Fähigkeiten weiter entwickeln können. Eine Idee, für die auch Annette Bussfeld und Kerstin Rode als Initiatorinnen der Worpsweder Kunstschule Paula sowie Künstlerin Rath stehen.

Lebendige Ausstrahlung

Praktisch bedeutete dies in den vergangenen Monaten: „Was machen wir? Wie setzen wir das um? Wie entwickeln wir etwas? Und wie machen wir es schließlich erfahrbar?“, erinnerte Edeltraut Rat an die vielen, großen Fragen am Anfang. Angenährt haben sich die Schülerinnen und Schüler der Wandmalerei zunächst über die Frage der Formgebung. Inspirieren ließen sie sich dabei von den Kreis- und Scheibenbildern des Künstlerehepaares Sonja Terk und Robert Delaunay, die sich dem Thema im vergangenen Jahrhundert widmeten. Paloma, Mahsun, Anik, Jonas, Nils und ihre Workshopfreundinnen und -freunde haben aus dieser Inspiration signalartig wirkende Kreisbilder entworfen: sich überschneidende Formen, die mal exakt kreisrund sind oder sich gelegentlich papierschlangenartig in die Länge ziehen. „Bunte Ballons, Freiheit, Gedankenbläschen, Etwas-ins-Rollen-Bringen“, das verbindet das Publikum mit den Malereien beim Spazieren durch die hellen Flure. „Unsere Schule wird damit echt verschönert“, findet die elfjährige Anik. „Da sind alle meine Lieblingsfarben drin“, zeigt Paloma auf die bunten Elemente. Maßstabsgetreu hätten sie die Kreise mit Zirkeln auf die Wände projiziert. „Das ist noch mal was ganz anderes als auf Papier“, haben die Schülerinnen festgestellt. Auch beim Farbeauftragen hätten die Workshopteilnehmenden ganz neue Erfahrungen gemacht, erinnert sich Edeltraut Rath. „Wir mussten sehr viele Regeln aufstellen.“ Auf jeden Fall seien sie jetzt echt gut im Kreise malen, erzählen die zwölfjährigen Jonas und Nils. „Ich konnte früher hässlich malen – und jetzt male ich schön“, sagt ein Junge. Alles habe eine schöne lebendige Ausstrahlung sind sich Künstlerin, Kreative und Publikum einig.

Wie es mit dem Projekt weitergeht sei noch offen, so Schulleiterin Karina Kögel-Renken. Aber sie sei ganz zuversichtlich, dass eine Fortsetzung folge. Das Projekt habe Neugier, Schaffenslust und das Vertrauen in die eigene Kreativität in der Schülerschaft geweckt. Gleichzeitig stärke es die Zusammenarbeit mit außerschulischen, kulturellen Bildungsinitiativen, unterstreicht die Schulleiterin. „Wir können so unser kulturelles Profil stärken.“ Dabei sind laut Ministerium weder die Kunstsparten noch die Themen vorgeschrieben. Auch Museums- und Theaterpädagoginnen kommen für die Zusammenarbeit in Frage. Genauso wie soziokulturelle Einrichtungen, Archäologie und Denkmalpflege.

Kunstlehrerin und Projektkoordinatorin Wiebke Lüken entschied sich schnell für die Kunst. „Weil davon die ganze Schule profitiert.“ Die 10 500 Euro Projektzuschuss seien übrigens schnell weg gewesen, rechnet die Lehrerin vor: Die Hälfte des Etats wurde für Personalkosten aufgewendet. Ein Viertel blieb für Projektentwicklung und Dokumentation, das andere Viertel für Material und Themenrecherche. Worpswedes Bürgermeister Stefan Schwenke sammelte als Präsident des Lionsclub Lilienthal noch einmal 1000 Euro zusammen und überreichte sie als Anerkennung für die „gelungene Kooperation“. Grasbergs Bürgermeisterin Marion Schorfmann, ihr Lilienthaler Kollege Willy Hollatz und Landrat Bernd Lütjen lobten das Projekt ebenfalls.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+