Ikki Bülow leitet Mensa der Ottersberger Hochschule seit 1991 / Unterstützung durch Studenten

Küchenchefin aus Leidenschaft

Ottersberg. Nach dem Essen ist in der Küche von Ikki Bülow auch zugleich vor dem Essen. Die 57-Jährige leitet seit 1991 die Mensa in der Ottersberger Hochschule für Künste im Sozialen (HKS).
29.05.2015, 00:00
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Küchenchefin aus Leidenschaft
Von Lars Köppler

Nach dem Essen ist in der Küche von Ikki Bülow auch zugleich vor dem Essen. Die 57-Jährige leitet seit 1991 die Mensa in der Ottersberger Hochschule für Künste im Sozialen (HKS). Und das jeden Tag aufs Neue mit großer Lust und Freude, wie die Chefköchin auf Nachfrage bestätigt. Bis zu 100 Essen täglich werden in der Mensa des Ottersberger Campus an die Studenten und Bediensteten ausgegeben. Punkt 13.30 Uhr, so will es der Zeitplan, stehen die Menüs auf den Tischen.

Das Besondere: Ikki Bülow ist die einzige Köchin in der Mensa. Deshalb, so schreibt es das Konzept der 1967 gegründeten Bildungsstätte vor, packen alle Studenten abwechselnd beim Kochen und im Küchendienst mit an. Speziell ist zudem das, was auf den Tisch kommt. In Ottersberg gibt es vegetarisches Essen aus zumeist biologischem und regionalem Anbau.

Es ist 10.30 Uhr an diesem Mittwoch. Die Zeit, zu der Ikki Bülow in der Mensa offiziell ihren Dienst beginnt. Die 57-Jährige ist sogleich in ihrem Element, denn wie an jedem Tag muss sie erstmal das Kochteam einweisen. „Die jungen Leute müssen ja wissen, was es hier zu tun gibt“, erklärt Bülow. Heute freut sich die Chefin über die Gesellschaft von Anna (20), Danny (22), Janina (20) und Lisa (21), die im zweiten Semester „Kunst im Sozialen“ studieren und nun ein Gastspiel in der Mensa-Küche von Ikki Bülow geben. Von schlechter Stimmung über den von der Hochschulleitung aufgedrückten Küchendienst ist keine Spur, vielmehr duftet es lecker nach Curry, Blumenkohl und Champignons. „Ich finde die Arbeit und die Atmosphäre hier sehr angenehm“, sagt Anna aus Leipzig, während sie eifrig den Blumenkohl und die Tomaten mit dem Messer bearbeitet.

Heute stehen überbackener Blumenkohl mit Pasta, Salat und im Nachgang Erdbeercreme auf dem Speiseplan. Auch Lisa läuft schon das Wasser im Mund zusammen. Bei ihrem ersten Auftritt in der Mensa zeigt sich die Studentin aus Nörten-Hardenberg positiv überrascht. „Es gefällt mir sehr gut. Dass Studenten in der Küche mitarbeiten müssen, ist zwar ungewöhnlich, aber – wie ich finde – eine gute Sache“, so die 21-Jährige. Für Ikki Bülow lautet die Devise, passend zur Saison zu kochen. „Ich koche saisonal und regional“, erklärt die Küchenchefin, die einmal in der Woche eine Großbestellung bei ihren Lieferanten aufgibt.

Vom Bio-Großhändler, aber auch aus der Gärtnerei des Quelkhorner Parzival-Hofes und vom Demeter-Biobauer Volker Bielenberg aus Narthauen lässt sich Ikki Bülow dann Lebensmittel im Wert von rund 1200 Euro kommen. „Die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend“, lobt Ikki Bülow die Geschäftspartner. In der Mensa-Küche werden derweil drei Kisten Blumenkohl sowie rund 20 Kilo Nudeln verarbeitet. Zu fünft – mit Pausen. „Ich muss die jungen Leute ja bei Laune halten“, lacht die Köchin und bittet ihre Schützlinge zur Kaffeepause.

Auf der Hitliste ganz oben stehen Pizzen, die Eintöpfe, die es jeden Freitag gibt, und „Ikki’s legendärer Grünkohl“, weiß HKS-Geschäftsführer Ralf Rummel-Suhrcke zu berichten. Fleisch habe in den Kochtöpfen nichts zu suchen. „Wir bauen eine vegane Linie auf“, so Ralf Rummel-Suhrcke. Zwar sei es ein erheblicher Aufwand, vegetarisch und vegan zu kochen, doch es zahle sich auch aus, ergänzt Bülow. Die vegetarische Küche sei sogar eine Vorgabe vom Gesundheitsamt gewesen. „Die Prüfer vom Gesundheitsamt lassen sich manchmal blicken, haben aber nie etwas zu beanstanden. Ohne Fleisch ist es halt viel hygienischer in der Küche“, so Bülow.

Drei Euro zahlen die Studenten in der kürzlich modernisierten Ottersberger Mensa für ein Menü. Zu ihren „Kunden“ hat Ikki Bülow ein herzliches Verhältnis. „Es ist sicher nicht einfach, die Küchenarbeit zu organisieren. Aber ich bin froh, dass die Studenten die Mensa so wertschätzen.“ Wenn sie gegen 14.30 Uhr die Hochschule verlässt, ist für Ikki Bülow der Arbeitstag indes noch nicht gelaufen. In Fischerhude, wo Haus, Hund und Familie auf sie warten, geht es dann an die Planungen für den nächsten Küchentag.

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