Torfabbau: Bürgerinitiative lädt für Mittwoch mit dem Landvolk zum Info-Abend nach Kuhstedt ein Landwirte als bezahlte Landschaftspfleger

Gnarrenburg. Im Herbst 2013 hat sich die „Bürgerinitiative zum Erhalt unserer Moore und für die Zukunft unserer Dörfer“ (BI) in Gnarrenburg gegründet. Ihr erstes Ziel, neuen gewerblichen Torfabbau im großen Stil zu verhindern, hat sie im Prinzip schon erreicht: Die rot-grüne niedersächsische Landesregierung wird die Vorranggebiete für den Torfabbau im Landesraumordnungsprogramm (LROP) streichen.
07.02.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter von Döllen

Im Herbst 2013 hat sich die „Bürgerinitiative zum Erhalt unserer Moore und für die Zukunft unserer Dörfer“ (BI) in Gnarrenburg gegründet. Ihr erstes Ziel, neuen gewerblichen Torfabbau im großen Stil zu verhindern, hat sie im Prinzip schon erreicht: Die rot-grüne niedersächsische Landesregierung wird die Vorranggebiete für den Torfabbau im Landesraumordnungsprogramm (LROP) streichen. Doch die Initiative ist weiter aktiv. Es geht ihr auch um die Frage, was mit dem Moor geschehen soll.

Ein gemeinsames Konzept soll her, das an einem Runden Tisch entsteht. Doch das ist leichter gesagt als getan. Viele unterschiedliche Interessen prallen aufeinander. „Das Thema Moorschutz ist heftig umstritten. Der Frontverlauf ist für Außenstehende nur schwer überschaubar“, sagt die Vorsitzende der Initiative, Martina Leitner.

Sie versucht die Lage zu skizzieren: „Das Landvolk lehnt die Moorschutzpläne der Landesregierung grundsätzlich ab. Der Nabu steht an der Seite der Torfindustrie gegen das Landvolk.“ Die Frage ist, ob durch Abbau und Wiedervernässung neue Moorflächen „geschaffen“ werden können, die sonst weiter unter Ackerflächen schlummern würden.

In dieser Frage scheinen sich nicht mal die Naturschutzverbände einig zu sein. Der BUND beispielsweise begrüßt die Moorschutzpläne der Landesregierung und kritisiert den Nabu für dessen Kooperation mit der Torfindustrie, die an einem großflächigen Torfabbau festhält.

Die Initiative hält sich Leitner zufolge nach wie vor an die sogenannte Gnarrenburger Erklärung. Diese fordere: „Erhalt und Entwicklung zukunftsfähiger ökonomischer, ökologischer und sozialer Lebensgrundlage für die vor Ort lebenden Menschen“. Leitner: „Dafür kämpfen wir.“ Und: „Wer etwas ändern will und Ziele verfolgt, muss sich Grundsatzfragen stellen.“

Kernfrage ist zunächst, ob Torf überhaupt gebraucht wird. „Torf enthält selbst keinerlei Nährstoffe, ist sehr sauer und biologisch tot. In den Boden eingearbeitet, ist seine angeblich lockernde Wirkung nur von sehr kurzer Dauer und für viele Kultur- und Zierpflanzen nicht zuträglich“, stellt Leitner dazu fest. Als Bodenverbesserer sei Kompost in jedem Fall besser geeignet. „Wer auf Kompost und torffreie Erden zurückgreift, erhält unsere Landschaft und damit die Kulturlandschaft der Findorffsiedlungen“, glaubt die Vorsitzende.

Skeptisch ist die Initiative beim Thema Wiedervernässung – zumindest, wenn es um große Flächen geht. Leitner räumt zwar ein: „Wenn man wieder eine Sumpf- oder Seenlandschaft haben und die aktuelle Kulturlandschaft entsiedeln möchte, ist der Torfabbau eine Möglichkeit dazu.“ Dagegen stünden aber viele Nachteile und Risiken. Leitner gibt zu bedenken: „Wird Torf industriell großflächig abgebaut, werden ungeheure Mengen Kohlendioxid freigesetzt, und zwar sofort.“

Die Natur und das Landschaftsbild veränderten sich gravierend. Zudem gebe es für mindestens 25 Jahre auf diesen Flächen „kein Leben“. Für die Initiative könnte Torfabbau nur dort eine Berechtigung haben, wenn er der Vorbereitung professioneller Hochmoorregeneration diene. So sehe es auch die „Gnarrenburger Erklärung“ vor. Besser für die Klimabilanz wären indes finanzielle Anreize für Betriebe, die aus der Produktion aussteigen wollen. Sie könnten sich damit einer klimaschonenden Flächenpflege widmen.

Extensives Dauergrünland sei grundsätzlich die umweltverträglichste Landnutzungsform auf Moorböden. Leitner erläutert: „Das liegt an der ganzjährigen intensiven Bodendurchwurzelung und den Humus bewahrenden Eigenschaften. Die Böden dürfen nicht zu tief entwässert werden.“ Allein damit könne derzeit aber kein Landwirt überleben. „In den nächsten Jahren werden noch viele kleine Familienbetriebe im Moor aufgeben müssen, aus unterschiedlichen Gründen“, glaubt Leitner.

Klimaschonende Bewirtschaftung dieser Flächen als bezahlte Landschaftspflege wäre eine Alternative die Chancen bietet. Leitner: „Die Förderkulissen müssten angepasst werden, um den Dienst an der Allgemeinheit zu entlohnen.“ Nebeneffekt: Die Kulturlandschaft als Wohn- und Lebensraum für Menschen werde erhalten.

Am Mittwoch, 11. Februar, um 19.30 Uhr organisiert die Initiative mit dem Landvolk und der Gemeinde Gnarrenburg im Gasthof Ahrens in Kuhstedt eine Informationsveranstaltung für alle Interessierten.

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