Bremen weist Anlieferer aus Umlandgemeinden ab / Biotonne und Abfallsack als Alternative Laub-Touristen unerwünscht

Ritterhude·Landkreis Osterholz. Die meisten werden schon am Einfahrtstor abgewiesen. Wer es dennoch bis auf den Hof des Bremer Umweltbetriebs schafft, braucht den Motor erst gar nicht abzustellen. Eine Mitarbeiterin erklärt dem Autofahrer aus Ritterhude freundlich aber bestimmt, dass er sich sofort wieder 'vom Acker machen" müsse. Mitsamt den Plastiksäcken voller Laub im Kofferraum. 'Zuwanderer' aus dem Landkreis Osterholz sind in diesen Tagen auf Bremer Recyclinghöfen besonders unerwünscht.
21.10.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald

Ritterhude·Landkreis Osterholz. Die meisten werden schon am Einfahrtstor abgewiesen. Wer es dennoch bis auf den Hof des Bremer Umweltbetriebs schafft, braucht den Motor erst gar nicht abzustellen. Eine Mitarbeiterin erklärt dem Autofahrer aus Ritterhude freundlich aber bestimmt, dass er sich sofort wieder 'vom Acker machen" müsse. Mitsamt den Plastiksäcken voller Laub im Kofferraum. 'Zuwanderer' aus dem Landkreis Osterholz sind in diesen Tagen auf Bremer Recyclinghöfen besonders unerwünscht.

Wenn das Laub fällt, herrscht Hochbetrieb bei den Annahmestellen. Das gilt vor allem für hansestädtische Recyclinghöfe nahe der niedersächsischen Landesgrenze. Immer wieder versuchen Bürger aus den Gemeinden Schwanewede und Ritterhude, die herbstliche Pracht aus ihren Gärten in den Containern am Steindamm in Bremen-Lesum oder an der Martinsheide in Bremen-Aumund unterzubringen. Die Anfahrtswege sind kurz, und häufig genug hat es ja geklappt, den Gartenabfall bei den Bremer Nachbarn kostenlos los zu werden. Der sich doch im Übrigen zu Komposterde verwerten und wieder verkaufen lasse.

Ein Geschäft könne man damit allerdings nicht machen, winken die Verantwortlichen der Bremer Recycling-Stationen ab. Die Unterhaltung der Höfe, die Anschaffung und Abfuhr der Container sowie die Aufbereitung der Gartenabfälle zu Komposterde bezahle der Bremer Bürger mit Steuern und Gebühren.

Laub-Touristen aus dem niedersächsischen Umland, die in diesen Tagen vermehrt in Bremen abgewiesen werden, müssen aber keineswegs verzweifeln und den Weg in den Wald suchen. Als Alternative biete sich im Landkreis Osterholz zum Beispiel die Biotonne an, sagt Jens Bartels von der Betriebsleitung der Abfall-Service-Gesellschaft in Pennigbüttel. Die reicht freilich nicht immer aus, um den bunten Herbstsegen zu schlucken. Nicht selten würden in diesen Tagen deshalb größere als die üblichen 60-Liter-Tonnen angefordert, weiß Bartels. Zudem könnten zusätzlich Gartenabfallsäcke erworben werden. Die allerdings nicht ganz billig sind. Vier Euro kostet ein solcher 60-Liter-Sack. In Ritterhude ist er bei der Drogerie Grubert, Am Großen Geeren 67, im 'Lädchen' an der Riesstraße 78, bei REWE in der Riesstraße 78, bei Lenni Lennertz in der Struckbergstraße 10 sowie in Platjenwerbe bei Raiffeisen in der Dorfstraße 64 und in Ihlpohl bei Middendorf, An der Ihle 14, zu erwerben.

In Schwanewede kann man den Gartenabfallsack bei Aktiv-Discount, Ritterkamp 53, beim Lüssumer Eisenwarenhandel, Am Markt 1, sowie bei Raiffeisen, Damm 24, kaufen. Darüber hinaus hat die Gemeinde Schwanewede ein Einsehen für ihre 'Straßenlaub geschädigten' Bürger. Für alle diejenigen also, für die der Blätterreichtum der Sauerstofflieferanten am Straßenrand zur Plage wird. Sie dürfen die bunte Herbstpracht bei der Deponie auf dem Gelände der ehemaligen Kläranlage am Molkereiweg abgeben. Ähnlich verfährt die Gemeinde Lilienthal. Sie hat für alle Bürger Säcke vorrätig, die den Segen von oben zum Betriebshof, Am Wolfsberg 5, bringen wollen. Allerdings wird sowohl in Schwanewede als auch in Lilienthal anhand von Listen kontrolliert, ob die Lieferanten auch von dort kommen, wo öffentliche Straßenbäume den herbstlichen Abfall produzieren.

Im Ritterhuder Rathaus wird derweil noch überlegt, den Laub geplagten Bürgern ebenfalls ein solches Angebot zu unterbreiten. In früheren Jahren konnten sie die Blätterberge der Straßenbäume zum Baubetriebshof beim Stadion Moormannskamp transportieren. Jetzt aber, sagt Klaus Kühl, mache das gemeinsam mit der Stadt Osterholz-Scharmbeck betriebene Straßenreinigungsfahrzeug in der Hammegemeinde Extratouren. ASO-Verwaltungsmann Jens Bartels zeigt sich ohnehin skeptisch: 'In der Vergangenheit sind in Ritterhude zusätzlich Container aufgestellt, aber kaum angenommen worden.' Bartels erinnert denn auch daran, dass Laub und Gartenabfälle natürlich jederzeit zum Entsorgungszentrum unmittelbar an der Bundesstraße in Pennigbüttel gebracht werden könnten. Und zwar zu einem wesentlich günstigeren Preis als früher: 'Alles, was unter 50 Kilogramm wiegt, wird für 1,90 Euro entgegen genommen.' Pro Jahr stapeln sich übrigens rund 5000 Tonnen Gartenabfälle auf dem ASO-Areal an der Siemensstraße 4b.

Gartenabfälle, die zur Kompostierungsanlage der Bremer Mülldeponie an der Autobahn 27 transportiert und zu Mutterboden verarbeitet werden. Und für den zahlt man dann wiederum bei der ASO in Pennigbüttel 2,50 Euro pro Tonne.

Ein Geschäft lässt sich nach den Worten von Jens Bartels mit diesem Verwertungskreislauf nicht machen. Dafür aber ist er umweltfreundlich. Und mancher Bürger, der seinen Kreislauf dieser Tage mit Harke und Besen auf Trab hält, mag daran denken, dass auch Blätter aus seinem Garten einen Beitrag zum Mutterboden liefern.

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