Juliette Eckel stellt Roman von Yu Hua im Literarischen Salon vor Leben und erdulden im Reich der Mitte

Kuhstedtermoor. Ins Reich der Mitte machten sich die Teilnehmer des zweiten „Literarischen Salons“ im Cultimo auf. Juliette Eckel war sozusagen ihre Reiseführerin.
28.11.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von INGRID MAHNKEN

Ins Reich der Mitte machten sich die Teilnehmer des zweiten „Literarischen Salons“ im Cultimo auf. Juliette Eckel war sozusagen ihre Reiseführerin. Die Beverstedterin hat über 20 Jahre in verschiedenen Verlagen gearbeitet, Literaturevents ausgerichtet und Unmengen an Büchern gelesen. Sie stellte den zwölf Teilnehmern das Buch „Leben“ des chinesischen Schriftstellers Yu Hua vor.

Wie ihre Zuhörer erfuhren, hatte Eckel den Autor mehrfach persönlich getroffen. Sie beschrieb ihn als einen listigen Kerl mit einer großen Portion Humor. 1960 geboren, habe er relativ früh angefangen, Bücher über die chinesische Lebensphilosophie zu schreiben. Geradlinig und ungekünstelt beschreibe Yu Hua seine Welt. Auf bewegende, aber unsentimentale Weise berichtet er über die vergangenen 50 Jahre wechselvoller chinesischer Geschichte.

Yu Huas Roman handelt vom Sohn eines reichen Gutsherren, der den Familienbesitz verspielt, gezwungen wird, gegen die Rote Armee zu kämpfen, in Gefangenschaft gerät, später durch die Bodenreform zu etwas Land kommt und es wieder verliert. Im Alter ist alles, was ihm geblieben ist, ein Ochse.

Erstaunt zeigte sich eine Teilnehmerin des Kreises darüber, wie sehr sich das Leben der Hauptfigur vom Alltag in Europa unterscheide. Die chinesische Philosophie, so erfuhr sie von Eckel, die längere Zeit in China gelebt hat, basiere darauf, dass jeder Mensch zu einen ihm zugedachten Zeitpunkt geboren werde, in dem seine ihm zugedachte Aufgabe auf ihn warte. Geprägt von dem großen Bedürfnis nach Ordnung sei dem Chinesen das Chaos verhasst. Das habe allerdings nichts mit dem persönlichen Glück zu tun. Der Chinese sehe sich als Teil des Ganzen und trage die ihm aufgeladene Bürde mit einer stoischen Gelassenheit – auch vor dem Hintergrund des Ahnenkultes, der einen großen Raum im Leben eines jeden Chinesen einnehme.

Schon jetzt können sich die Freunde des Literarischen Salons im Cultimo den nächsten Treff vormerken: Am 11. Februar 2014 stellt Juliette Eckel das Buch „Erst grau, dann weiß, dann blau“ von der niederländischen Buchautorin Margriet de Moor vor.

Ungeachtet des Themas stand der zweite Literarische Salon im Cultimo unter einem traurigen Zeichen. Wenige Tage zuvor war die stellvertretende Vorsitzende der Kunst- und Kultur-Kneipe, Kati Kröger, gestorben. Anne Toben, eine ihrer Wegbegleiterinnen, gedachte ihrer und sagte: „Es ist ein herber Verlust für das Cultimo, nicht nur menschlich, sondern auch organisatorisch wird sie uns sehr fehlen.“

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