Kreisvereinigung feiert ihr 40-jähriges Jubiläum / Vorsitzender Peter Masuch: Behinderte brauchen unsere Herzen Lebenshilfe Osterholz - Eine Erfolgsstory

Landkreis Osterholz. Es war ein würdiger Rahmen, es war eine würdige Feier: Am Donnerstagabend feierte die Kreisvereinigung Osterholz der Lebenshilfe ihren 40. Geburtstag. Im Ratssaal des Rathauses von Osterholz-Scharmbeck. Mit vielen Ehrengästen, doch in erster Linie mit Menschen, denen diese Erfolgsgeschichte in Osterholz zu verdanken ist, den Ehrenamtlichen und natürlich mit jenen Menschen, denen diese Arbeit über vier Jahrzehnte gewidmet ist, den Menschen mit Behinderung.
22.01.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Michael Thurm

Landkreis Osterholz. Es war ein würdiger Rahmen, es war eine würdige Feier: Am Donnerstagabend feierte die Kreisvereinigung Osterholz der Lebenshilfe ihren 40. Geburtstag. Im Ratssaal des Rathauses von Osterholz-Scharmbeck. Mit vielen Ehrengästen, doch in erster Linie mit Menschen, denen diese Erfolgsgeschichte in Osterholz zu verdanken ist, den Ehrenamtlichen und natürlich mit jenen Menschen, denen diese Arbeit über vier Jahrzehnte gewidmet ist, den Menschen mit Behinderung.

Peter Masuch, der eloquente Vorsitzende der Osterholzer Lebenshilfe, brachte es in seinem Grußwort auf den Punkt. "Im Mittelpunkt dieser Feierstunde steht ehrenamtliches und hauptamtliches Engagement für die Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung. Es geht gleichermaßen um gute Arbeit für und um Solidarität mit diesen Menschen. Von ihnen wissen wir, dass sie vieles alleine können, bei manchem aber auch, das sie auf die Solidarität anderer angewiesen sind."

Masuch, im Hauptberuf Präsident des Bundessozialgerichts in Kassel und seit 1995 an der Spitze der Osterholzer Vereinigung, ging in seiner Ansprache auch auf die Menschen ein, ohne die die Lebenshilfe Osterholz nicht diese Entwicklung genommen hätte und die sich gleichsam ins Geschichtsbuch der Kreisvereinigung eingeschrieben haben. Wie Jürgen Lodemann etwa, der frühere Dezernent beim Landkreis, der die Vereinigung über viele Jahre begleitet hat. Oder Heinz Dietrich, langjähriger Leiter der Kreissozial- und Jugendabteilung, die treibende Kraft für die Gründung der Kreisvereinigung und an seiner Seite Kreisoberrat Jürgen Horn. Nicht vergessen ist auch Hans-Dieter v. Friedrichs, der langjährige Oberkreisdirektor und von 1983 bis 1986 Vorsitzender der Osterholzer Lebenshilfe, der aus familiärem Antrieb seine Kraft der Lebenshilfe widmete.

Anschließend ging Peter Masuch noch einmal auf die Geschichte der Lebenshilfe ein und zeichnete mit wenigen Schlaglichtern die rasante Entwicklung im Kreis Osterholz auf. Zur Gründungsversammlung am 20. Januar 1971 fanden sich 120 interessierte Personen im Musiksaal des Gymnasiums Osterholz-Scharmbeck zusammen. Die Sitzung leitete Tom Mutters, der legendäre Gründer der Lebenshilfe und niederländische Pädagoge. Heute hat die Lebenshilfe 210 Mitglieder, 300 Familien mit behinderten Angehörigen in Betreuung, knapp 500 Plätze in Kindertageseinrichtungen, rund 170 hauptamtliche Mitarbeiter und etwa 60 nebenberufliche. Wie Peter Masuch prägnant schloss: "Eine beeindruckende Leistungsbilanz."

"Gastgeber" Martin Wagener lobte in seinem Grußwort die Lebenshilfe als "fantastische Einrichtung". Das Stadtoberhaupt von Osterholz-Scharmbeck betonte, er sei stolz darauf, die Jubiläumsfeier ausrichten zu dürfen. "Wir brauchen Sie auch in Zukunft, lassen Sie nicht nach", wandte er sich direkt an die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter. Zum Thema Integration und Inklusion sagte Wagener: "Inklusion ist zwar in aller Munde, aber noch längst nicht in allen Köpfen und Herzen."

Auch Hubert Hüppe, der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, ging in seinem Festvortrag - überschrieben mit dem Titel: "Teilhabe ist Menschenrecht" - auf die Inklusion und die im Dezember 2006 verabschiedete UN-Behindertenrechtskonvention ein. Schlüsselbegriffe der Konvention sind Würde, Inklusion, Teilhabe, Selbstbestimmung, Chancengleichheit und Barrierefreiheit. Menschen mit Behinderungen werden demnach von Objekten zu Subjekten; von Patienten zu Bürgern; von Problemfällen zu TrägerInnen von Rechten.

Doch so leicht lassen sich die schönen Worte der UN-Konvention nicht in die Praxis umsetzen. Hubert Hüppe: "In vielen Dingen stehen wir erst am Anfang." Das größte Problem für Inklusion sei, dass Menschen ohne Behinderung nie gelernt hätten, mit Menschen mit Behinderung umzugehen. "Wir brauchen den Austausch", betonte der Bundesbeauftragte. Vor allem im schulischen Bereich müsse viel mehr geschehen. Doch auch in der Arbeitswelt passiere zu wenig. "Wir müssen schauen, was kann der behinderte Mensch, und nicht schauen, was kann er nicht", forderte Hüppe. Konkret an die Verantwortlichen der Kreisvereinigung Osterholz gewandt, sagte Hubert Hüppe: "Sie sind viel, viel weiter, als viele andere." Die Osterholzer vernahmen dies gerne.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+