Kreisbrandmeister begrüßt Pflicht Lebensretter an der Zimmerdecke

Wer in Niedersachsen ab diesem Jahr ein Haus neu errichtet, muss von vornherein Rauchmelder einbauen. Auch Mieter und Eigentümer von vorhandenen Gebäuden werden in die Pflicht genommen: Bis spätestens Ende 2015 müssen sie Schlaf- und Kinderzimmer sowie Flure mit den schrill tönenden Lebensrettern ausstatten.
11.05.2012, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Lutz Rode

Wer in Niedersachsen ab diesem Jahr ein Haus neu errichtet, muss von vornherein Rauchmelder einbauen. Auch Mieter und Eigentümer von vorhandenen Gebäuden werden in die Pflicht genommen: Bis spätestens Ende 2015 müssen sie Schlaf- und Kinderzimmer sowie Flure mit den schrill tönenden Lebensrettern ausstatten.

In Niedersachsen müssen Häuser und Wohnungen mit Rauchmeldern ausgestattet werden. Bei Neubauten gilt die Pflicht ab sofort, alle anderen Eigentümer oder Mieter müssen bis spätestens Ende 2015 tätig geworden sein. Kreisbrandmeister Jan Hinken sprach mit Lutz Rode darüber, was er von der neuen Regelung hält und welche Tipps die Feuerwehr parat hat.

Herr Hinken, sind Sie zufrieden mit der Einführung der Rauchmelder-Pflicht in Niedersachsen?

Jan Hinken: Natürlich begrüßen wir es als Feuerwehr, dass mit gesetzlichen Vorgaben etwas für den vorbeugenden Brandschutz getan wird. Seit Jahren machen wir darauf aufmerksam, dass Rauchmelder wichtig sind, weil sie im Notfall dazu beitragen können, das Leben von Menschen zu retten. Gleichzeitig machen sie auch die Arbeit für die Feuerwehr leichter, sollte es brennen: Das Feuer wird eher erkannt und wir können so schneller einschreiten. Und wenn wir sicher sind, dass alle Bewohner aus dem Haus raus sind, weil sie vom Rauchmelder gewarnt worden sind, können wir bei unserem Einsatz anders vorgehen.

Was macht die Rauchmelder so wertvoll?

Rauchmelder schützen Leben, weil sie Menschen bei einem Feuer im Haus rechtzeitig warnen. Brandrauch ist absolut tödlich. Das Tückische daran ist, dass man ihn im Schlaf gar nicht wahrnehmen kann. Insofern sind Rauchmelder eine echte Lebensversicherung. Als zum Beispiel im März der Dachstuhl eines Wohnhauses in Sandhausen brannte, konnte sich die Familie rechtzeitig ins Freie retten. Nachts um ein Uhr hatte der Rauchmelder ausgelöst und die Familie geweckt.

Welche Rauchmelder sind denn empfehlenswert?

Es gibt unterschiedliche Arten von Rauchmeldern, die alle ihren Zweck erfüllen. Der Einfachste, der schon für ab fünf Euro zu haben ist, ist mit einer Neun-Volt-Batterie ausgestattet, die regelmäßig kontrolliert werden muss. Bei anderen Modellen werben Hersteller damit, dass die Batterien zehn Jahre lang halten. Bei den aufwändigeren Systemen sind Funkmelder miteinander vernetzt. Dass heißt, wenn im Kinderzimmer der Rauchmelder Alarm schlägt, wird automatisch auch der Rauchmelder im Elternschlafzimmer ausgelöst.

Was gilt es bei der Installation der Rauchmelder zu beachten?

Natürlich sollten die Rauchmelder so angebracht werden, dass sie ihre Funktion voll erfüllen können. Das bedeutet, dass man sie nicht in eine Ecke des Zimmers verfrachtet, nur weil man vielleicht verhindern will, dass die strahlend weiß gestrichene Decke verunziert wird. Auf die Ästhetik kommt es in diesem Fall nicht an, wichtig ist, dass Rauchmelder Brandrauch erkennen können und dann rechtzeitig Alarm schlagen. Die Installation selbst ist denkbar einfach, manche lassen sich mit einem Doppelklebestreifen an die Decke anbringen. Dafür braucht man keinen Handwerker.

Wo sollten die Rauchmelder auf jeden Fall an der Zimmerdecke kleben?

Der Gesetzgeber hat geregelt, dass Kinderzimmer, Schlafzimmern sowie die Fluren des Rettungsweges mit Rauchmeldern ausgestattet werden müssen. Besonders wichtig sind aus meiner Sicht die Kinderzimmer, die sich ja oft im Obergeschoss von Häusern befinden, während die Eltern ihr Schlafzimmer im Erdgeschoss haben. Bis die Eltern bemerken, dass oben im Kinderzimmer ein Schwelbrand ausgebrochen ist, kann es schon zu spät sein. Wichtig ist, dass die Kinder durch das Getöse der Rauchmelder nachts wach werden und rechtzeitig nach draußen laufen können.

Wie sieht es mit der Küche aus?

Das Land verpflichtet niemanden dazu, dort Melder zu installieren. Die Erfahrungen der Feuerwehr zeigen, dass es in Küchen immer mal wieder zu Bränden kommt, zum Beispiel wenn der Kochtopf auf dem Herd vergessen wurde. Das Problem ist, dass beim Kochen Wasserdampf freigesetzt wird, durch den es zu Fehlfunktionen der Rauchmelder kommen kann. Es gibt zwar Rauchmelder, die speziell für den Einsatz in der Küche gedacht sind. Aber in der Regel ist eine Küche ja ein Bereich, in dem man sich aufhält, wenn dort der Herd und die Kochplatten in Betrieb sind.

Rauchmelder sind nun Pflicht

Geräte müssen in jedem Neubau installiert werden / Übergangsfrist für den Bestand

Landkreis Osterholz. Ob in Niedersachsen Rauchmelder verpflichtend in Häuser und Wohnungen eingebaut werden müssen, darüber ist jahrelang politisch diskutiert worden. Sichtbare Ergebnisse ließen auf sich warten, doch dann ging alles ganz schnell: Der Landtag änderte im April die Bauordnung und ließ einzelne Vorschriften von einem Tag zum anderen in Kraft treten. Dazu gehört nun auch die Pflicht, Rauchmelder zu installieren. "Für neue Häuser gilt die Pflicht ab sofort, in Bestandsgebäuden bleibt Zeit bis Ende 2015", sagt Dominik Vinbruck, Chef des Osterholzer Bauordnungsamtes.

Es gibt einen Mindeststandard, nach dem die Häuser oder Wohnungen laut Gesetz ausgestattet werden müssen. Schlaf- und Kinderzimmer sowie Flure, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen laufen, müssen künftig mindestens einen Rauchmelder aufweisen. Der Rettungsweg ist in den meisten Fällen der Flur, der zur Haustür führt. "Hintergrund der Bestimmung ist, dass der Mensch im Schlaf keinen Rauch wahrnehmen kann. Daher ist in diesen Räumen ein Rauchmelder bei einem Brand überlebenswichtig", sagt Dominik Vinbruck.

Anders als in anderen Bundesländern hat Niedersachsen im Gesetz festgelegt, dass diejenigen für die Betriebsbereitschaft der Rauchmelder verantwortlich sind, die die Räume tatsächlich nutzen. Das sind bei vermieteten Gebäuden eben die Mieter und Pächter und nicht die Eigentümer. Ausnahmen gibt es nur, wenn im Mietvertrag etwas anderes festgelegt wurde.

Nach Einschätzung von Amtsleiter Vinbruck hat die öffentliche Diskussion über den Sinn von Rauchmeldern in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass der Einbau für die meisten Wohnungsnutzer heute selbstverständlich ist – zumal sich ein Haus mit einem geringen finanziellen Aufwand ab etwa 20 Euro vernünftig sichern lässt. "Nur wenige wollen noch darauf verzichten, weil ihnen klar ist, dass die Melder im Zweifel Leben retten können", sagt Vinbruck.

Bei den Anträgen für Neubauten wird nach Auskunft der Behörde nicht geprüft, ob auch Rauchmelder eingeplant wurden. Dass die Bestimmungen eingehalten werden, dafür stehen bei Neubauten die Architekten gerade. Die Masse macht das ohnehin nicht aus: Im vergangenen Jahr sind etwa 200 Wohnhäuser im Landkreis neu gebaut worden.

Auch behördliche Kontrollen, ob die gesetzliche Verpflichtung umgesetzt wurde, sieht die neue Regelung im Gesetz nicht vor. Dominik Vinbruck weist darauf hin, dass solche Kontrollen stark in den privaten Bereich hineingehen würden. Nicht jeder Mieter oder Hauseigentümer dürfte es begrüßen, wenn alle zwei Jahre ein Behördenmitarbeiter an der Tür stehe, um im Schlafzimmer nachzuschauen, ob die Rauchmelder noch funktionieren. "Viel wichtiger ist es, deutlich zu machen, dass die Geräte wichtig sind, um die Menschen im Falle eines Feuers zu schützen", sagt Vinbruck.

Welche Geräte eingebaut werden müssen, ist gesetzlich nicht geregelt. "Sie müssen funktionieren, das ist alles", sagt der Chef des Bauordnunsgamtes. Die Geräte müssen allerdings festgeschriebene europäische Normen erfüllen und sind dann auch mit einem entsprechenden CE-Zeichen ausgestattet. Es gibt auch Melder, für der Verband der Schadensversicherer ein spezielles VdS-Qualitätssiegel vergeben hat. Diese Geräte werden von den Versicherern besonders empfohlen.

Zur Person

Jan Hinken ist seit April Kreisbrandmeister im Kreis Osterholz. Der Diplom-Ingenieur ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Scharmbeckstotel. Seit 1981 ist der 40-Jährige in der Feuerwehr aktiv.

Zitat:

"Nur wenige wollen

noch auf Rauchmelder

verzichten."

Dominik Vinbruck, Bauordnungsamt

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