Früheres Albert-Reiners-Wohnhaus Legendäre Immobilie bleibt vorläufig stehen

Der Termin für den Abriss des ehemaligen Albert-Reiners-Wohnhauses in Worpswede ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Grund: Die Immobilie könnte Herberge für Flüchtlinge werden.
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Von Michael Schön

Der Termin für den Abriss des ehemaligen Albert-Reiners-Wohnhauses in Worpswede ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Grund: Die Immobilie könnte Herberge für Flüchtlinge werden.

Viel Geld ist diesmal nicht zu verteilen aus den Erträgen der Albert-Reiners-Stiftung. Der Anteil, den die Gemeinde Worpswede für soziale Zwecke verwenden kann, umfasst gerade einmal 3500 Euro. Da ist es eine glückliche Fügung zu nennen, dass der am kommenden Montag, 7. Dezember, tagenden Kommission nur ein einziger Antrag zur Beratung vorliegt.

Der Worpsweder Schulverein hat um finanzielle Unterstützung gebeten für die Reparatur, Überholung und Neuanschaffung der völlig veralteten Computer-Ausstattung in der Grundschule. „Wir brauchen dringend mindestens acht neue Rechner mit Schullizenzen und damit insgesamt einen Zuschuss von 3000 Euro“, so Rektorin Fulya Antakli und Petra Papenfuß, Vorsitzende des Schulelternvereins, in ihrem gemeinsamen Schreiben an die Albert-Reiners-Stiftung.

Das Anliegen wurde bereits in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für das Schulwesen thematisiert, schließlich aber in Ermangelung einer befriedigenden Lösung an die Kommission verwiesen. Deren Sitzung am kommenden Montag beginnt um 19 Uhr im Rathaus.

„Keine originäre Aufgabe“

Willi Seidel, Worpsweder Ortsvorsteher und in Personalunion Vorsitzender der Kommission, ist gespannt auf die Diskussion, die sich über den einzigen Tagesordnungspunkt entwickeln wird. „Die Anschaffung von Schüler-Laptops ist eigentlich keine originäre Aufgabe der Albert-Reiners-Stiftung. Andererseits ist Bildung ein hohes Gut, und die Schüler sind unsere Zukunft.“

Im Besitz der Albert-Reiners-Stiftung befinden sich mehrere Worpsweder Immobilien. Der mit diesem Kapital erzielte Gewinn fließt unter anderem der Kirche, dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) und der Gemeinde zu. Letztere, so hat es der legendäre ehemalige Bürgermeister Worpswedes und Landrat des Kreises Osterholz verfügt, erhält von den Kapitalerträgen einen Anteil von einem Sechstel. „Das Geld war ursprünglich nur als Topf für in Notlage geratene Vereine in der Ortschaft gedacht“, berichtet Willi Seidel. Diesen Kreis habe man im Laufe der vergangenen Jahre erweitert. Vereine, die Jugendarbeit betreiben, würden bevorzugt behandelt.

In ihrer jüngsten Sitzung, die im Sommer abgehalten wurde, hatten die Mitglieder der Kommission darüber beraten, ob für die Gewährung von Zuweisungen Richtlinien aufgestellt werden sollen, was bei einer Zusammenkunft im Jahr 2014 angeregt worden war. Die Gemeindeverwaltung hatte daraufhin einige Kriterien vorgeschlagen. Für die Gewährung eine Rolle spielen könnte der Termin, zu dem der Antrag eingereicht wurde, oder die Frage, ob bereits eine direkte Förderung durch die Stiftung stattfindet. Auch die Häufigkeit von Anträgen eines Vereins könne berücksichtigt werden.

Ferner könne nach dem Zweck des Antrags gewichtet werden: Die Hälfte der jährlichen Ausschüttung würde dann für Jugendarbeit gezahlt, je ein Viertel für soziale Zwecke und Kultur. Ein sehr weitreichender Vorschlag sah vor, dass Antragsteller ihre finanzielle Situation offen legen müssen und nur noch bei Notlagen ein Zuschuss bewilligt wird.

Die Mehrheit der Kommission verständigte sich darauf, von einer prozentualen Gewichtung abzusehen. Neue Vorschläge wurden nicht gemacht. Das Thema dürfte am kommenden Montag erneut auf den Tisch kommen.

Bis 2011 war für die Bewilligung von Zuschussanträgen der Ortsrat zuständig. Nachdem die Ortsräte abgeschafft worden waren, bildete der Gemeinderat die Albert-Reiners-Kommission, der ebenso wie den Fachausschüssen des Rats drei Mitglieder der CDU-Fraktion und je zwei von SPD und Unabhängiger Wählergemeinschaft (UWG) angehören. Diese müssen in der Ortschaft Worpswede wohnen.

Zum Stiftungsvermögen zählt auch das ehemalige Wohnhaus von Albert Reiners, in dem der Vater des Bürgermeisters, Georg Reiners, 1901 seine Backstube eröffnet hatte. An der geschichtsträchtigen Immobilie, die zur Straße hin ein markanter Giebel ziert und die für den Charakter dieses Teils des goldenen Dreiecks mit prägend ist, hat freilich der Zahn der Zeit genagt. Die statischen Verhältnisse auf dem nachgebenden Moorboden haben einen bedenklichen Zustand erreicht. Durch das Dach dringt der Regen, und viele Materialien sind marode. In diesen Tagen ziehen mit einer Hebamme und einer Frau mit ihren drei Kindern die letzten Mieter aus. Das Haus soll abgerissen werden.

Eigentlich hatte dies schon zur Jahreswende geschehen sollen, doch angesichts der vorhersehbaren Probleme bei der Unterbringung von Flüchtlingen, die in naher Zukunft nach Worpswede kommen werden, will sich die Gemeinde diese Option für eine Asylbewerber-Behausung nicht „verbauen“. Der Abrisstermin ist nun auf unbestimmte Zeit verschoben.

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