Arbeitspensum kaum noch zu schaffen Lilienthaler Tafel braucht Hilfe

Die Lilienthaler Tafel braucht dringend Unterstützung. Der zweite Vorsitzende hat sein Amt abgegeben, der Vorsitzende will das im Januar tun. Nun soll die Arbeit auf mehr Schultern verteilt werden.
13.06.2017, 17:44
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Wilke

Lilienthal. Eigentlich wollte Eike Ballerstedt die Führung der Lilienthaler Tafel nur vorübergehend übernehmen, als der Vorsitzende Gunter Meckmann das Amt aus beruflichen Gründen „völlig überraschend“ abgab. So hat Ballerstedt das erlebt. Nun ist er, der nur einspringen wollte, weil Not am Mann war, knapp vier Jahre in der Verantwortung. Diesmal wollte er nicht wieder antreten zur Wahl, hat es aber doch getan, weil kein Nachfolger in Sicht ist und weil der stellvertretende Vorsitzende Detlef Deutsch ausgeschieden ist. Nun tragen Ballerstedt und die Schatzmeisterin Gerda Urbrock, beide schon über siebzig, die Hauptlast der Vorstandsarbeit. Im Januar, das sagt Ballerstedt klipp und klar, ist für ihn Schluss, auch wegen einer Krankheit in der Familie.

„Es ist verdammt schwierig, jemanden in den Vorstand zu bekommen“, weiß Gerda Urbrock, die Schatzmeisterin. Sie ist seit der Gründung der Tafel im Jahr 2009 dabei und macht die gesamte Buchhaltung, mit Umsatzsteuer und allen anderen Facetten. Doch daran hängt noch mehr Arbeit. „Wir sind ein gemeinnütziger Verein und stellen auch Spendenbescheinigungen aus“, sagt die gelernte Buchhalterin. Dazu kommt das Schreiben der Zeitpläne mit Excel-Tabellen. „Es ist reichlich viel Arbeit. Und wir haben keinen zweiten Vorsitzenden mehr.“

Die Belastung ist groß. Die meisten Ehrenamtlichen sind Rentner. „Da ist mal der eine krank, mal der andere.“ Detlef Deutsch habe ganz aufgehört. Er engagiere sich sehr stark in der freien Kirchengemeinde Oasis. Die Tafel habe ihm viel zu verdanken: „Er ist derjenige, der sie ins Leben gerufen und die ganze Vorarbeit geleistet hat.“

Die Lilienthaler Tafel hat ein Problem. Sie braucht dringend Unterstützung. „Wir können die Tafel ja nicht einfach schließen“, sagt Gerda Urbrock, die gerade jemanden anleitet, einen Teil der Verwaltungsarbeit zu übernehmen. „Ich werde die Tafel nicht untergehen lassen, solange ich gesund bleibe und noch kann. Da stehen jede Woche 150 Leute vor der Tür, die sind dankbar. Mir macht die Arbeit Spaß.“ Auch Gerda Urbrock hat noch mehrere Ehrenämter. Schatzmeisterin ist sie auch im Seniorenbeirat der Gemeinde – und Vorstandsmitglied im Kreisseniorenbeirat.

Eike Ballerstedt sucht weiter nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin. „Die Menge Arbeit ist auf Dauer schon eine sehr große Belastung“, sagt der 71-Jährige, der im Juli seinen 72. Geburtstag feiert. Bis zu 30 Stunden pro Woche, manchmal auch mehr, und alles ehrenamtlich. „Das schreckt den einen oder anderen ab“, weiß Ballerstedt. Der Vorsitzende der Tafel hat nach eigenen Angaben schon damit begonnen, einen Teil der Arbeit auf mehr Schultern zu verlagern. „Den Weg werde ich weiter beschreiten“, sagt er der Redaktion. „Wir haben jüngere Pensionäre dazu bekommen, die sehr engagiert sind.“ Willkommen ist jeder, der helfen kann und will, der mit anpackt oder jemand, der sich an der Verwaltungsarbeit beteiligt. Ballermann will Interessenten die Möglichkeit geben, in die Vorstandsarbeit hineinzuwachsen.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Gunter Meckmann, der beim Daimler-Konzern auch für das Kantinenessen zuständig war („Er hat unheimlich viel geleistet in der Aufbauphase“), hatte Ballerstedt als Soziologe keine Ahnung von dem, was auf ihn zukam. „Das ist schon eine wilde Einarbeitungszeit gewesen, weil das ja eigentlich ein Lebensmittelladen ist.“ 45 Helferinnen und Helfer packen jede Woche mit an, um Lebensmittel mit abgelaufenem Verfallsdatum aus den Supermärkten zu prüfen, für die Verteilung an bedürftige Menschen herzurichten und sie dienstags, am Ausgabetag, zu verteilen. Dazu kommt rund ein Dutzend Fahrer, die die Waren kistenweise aus den Läden holen, zum Transporter schleppen und bei der Tafel ausladen.

„Wir sind ein Unternehmen mit allem Drum und Dran, mit Steuererklärung und allem, was dazugehört“, sagt der Vereinsvorsitzende. Bei der Hygiene muss die Tafel die gleichen Standards erfüllen wie andere Firmen der Lebensmittelbranche. Alle drei Jahre muss die Gemeinnützigkeit erneut nachgewiesen werden. Ein Berg von Arbeit. Dabei hat die Lilienthaler Tafel jetzt mehr Kunden als früher. „Es sind etwa 550 Personen, circa 250 Familien“, erklärt Ballerstedt. Sie kommen aus Lilienthal, Grasberg und Worpswede. „Durch die Flüchtlingswelle haben wir viele Kunden dazu bekommen“, sagt der 71-Jährige. Allerdings engagierten sich auch dankbare Kunden bei der Tafel, die selber mit anpackten.

Wer sich bei der Lilienthaler Tafel engagieren möchte, kann sich an den Vorsitzenden Eike Ballerstedt (Telefon: 0 42 98 /46 95 01, E-Mail: eike.ballerstedt@gmx.de) oder an Schatzmeisterin Gerda Urbrock (Telefon: 0 42 98 41618, E-Mail: urbrock@onlinehome.de) wenden. Nähere Informationen stehen im Internet unter www.lilienthaler-tafel.de.

„Wir können die Tafel ja nicht einfach schließen." Schatzmeisterin Gerda Urbrock
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