Grasberger Jugendarbeit und Gesamtschule kooperieren

Little Tokio ist landkreisweit einmalig

Das Jugendzentrum Neo Tokio in Grasberg hat Zuwachs bekommen. Der heißt „little tokio“ und befindet sich gleich neben der Integrierten Gesamtschule. Im Landkreis ist es die erste derartige Kooperation zwischen Schule und Jugendarbeit.
02.02.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulrike Schumacher

Das Jugendzentrum Neo Tokio in Grasberg hat Zuwachs bekommen. Der heißt „little tokio“ und befindet sich am Rande der Integrierten Gesamtschule. Im Landkreis ist diese Kooperation zwischen Schule und Jugendarbeit einmalig.

Junge Grasberger, die etwas erleben wollen, die einen Ort suchen zum Quatschen, zum Kickern, Darten oder Billard spielen, kennen natürlich das Neo Tokio. Und was machen junge Grasberger, die die Ganztagsschule besuchen und denen deshalb nicht mehr so viel Raum für Freizeit bleibt? Sie gehen auch ins Neo Tokio. Das haben sie gleich um die Ecke, nur ein paar Schritte von ihren Klassenräumen entfernt. Das Grasberger Jugendzentrum Am Berg 5 a, das auch mit Tischtennis, Musik, Basketball oder Internet lockt, hat an der Grasberger Außenstelle der Integrierten Gesamtschule (IGS) Lilienthal einen kleinen Ableger. Sein Name – in Kleinbuchstaben gedruckt – ist „little tokio“. Treffpunkt ist diese Außenstelle schon seit Längerem. Nun aber ist es offiziell. Mehrere Unterschriften haben dies jetzt besiegelt. In der IGS unterzeichneten die Lehrerinnen Wiebke Lueken, Brigitte Schäfer und Katja Zoll, Schulleiterin Karina Kögel-Renken, die beiden Sozialpädagogen Ulrike Aping und Walter Waltemathe sowie Meike Gatter als Vertreterin der Bildungsbegleitung beim Landkreis einen acht Seiten langen Kooperationsvertrag. Sie gehörten der Arbeitsgruppe an, die die offene Jugendarbeit an der Schule auf den Weg gebracht hat.

Begonnen hatte alles vor anderthalb Jahren. Ob das Konzept fruchten kann, haben Schule und Jugendzentrum sozusagen learning by doing erprobt. Jetzt blicken sie zufrieden auf ein gutes Ergebnis. „Probezeit bestanden“, ziehen die Beteiligten zufrieden Bilanz. Nicht ohne Freude darüber, dass sie mit dem Modell, offene Jugendarbeit in die Schule zu bringen, landkreisweit einmalig dastehen, wie Britta Weidling vom Osterholzer Amt für Bildung betont.

„Wenn Jugendarbeit lebensweltorientiert sein soll, dann muss sie ihre Angebote dort machen, wo die Jugendlichen sind“, beschreibt Ulrike Aping die Idee zur Kooperation. Schule als Lebensraum sei ein wichtiger Grundpfeiler im Konzept der IGS, erklärt Karina Kögel-Renken.

Toleranz und Stärkung

„Es müssen neue Erlebnisräume in den schulischen Alltag mit einbezogen werden.“ Die IGS wolle Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg zu verantwortungsbewussten und engagierten Menschen unterstützen. „Sie sollen einen respektvollen Umgang miteinander pflegen und sich auch in ihrer Unterschiedlichkeit akzeptieren“, heißt es im Vertrag. „Dabei fördern wir Toleranz und gegenseitige Stärkung. Schülerinnen und Schüler werden dazu angeregt, ihr Lebensumfeld selbst aktiv mitzugestalten“, berichten die Pädagogen. Schüler würden Solidarität lernen, die offene Jugendarbeit unterstütze und berate sie dabei.

Am Rande des Gebäudes, auch von außen zu erreichen, gibt es nun den „kuscheligen Raum“, wie Wiebke Lueken ihn nennt. Zweimal in der Woche – montags und mittwochs – sind die Sozialarbeiter dort und haben ein offenes Ohr. Wie wichtig das sei, habe sich schon in der Probephase gezeigt. „Viele Konflikte werden erst hier deutlich“, berichtet Ulrike Aping. Nicht immer wenden sich Schüler damit an die Lehrer. Insofern könne die Schule nun von vielen verschiedenen Seiten an das herankommen, was die Schüler beschäftigt, sagt Schulleiterin Kögel-Renken.

Die Gemeinde stellt dafür den Raum zur Verfügung. Sie mietet ihn vom Landkreis. Früher, berichtet Bürgermeisterin Marion Schorfmann, war darin der Hort für die Grundschulkinder untergebracht. Nachdem diese Platz in einem Anbau ihrer Schule gefunden hatten, habe die Gemeinde „den Fuß in der Tür behalten“ wollen. Dass sich hier jetzt ein Draht zwischen Neo Tokio und IGS bilden kann, freue sie. „Jetzt können wir schon hier unsere Leute ein bisschen abholen.“

Die Schüler, die sich im farbenfroh gestalteten „little tokio“ treffen, sind zwischen zehn und 13 Jahre alt, sagt Walter Waltemathe. Sie können dort basteln, spielen, reden, malen, Sport machen und bekommen eine AG angeboten, die in den schulischen Rahmen passe. Künftig sollen es zwei Angebote sein. „Zum Beispiel Konflikttraining mit Augenmerk auf Cyber-Mobbing.“ Die Arbeitsgruppe wolle sich auch nach Vertragsunterzeichnung regelmäßig treffen, um die Zusammenarbeit weiterzuentwickeln. „Wir sammeln Erfahrungen und überprüfen sie“, sagt Ulrike Aping. Sie könne sich gut vorstellen, dass ein solches Modell auch zur Lilienthaler IGS passe.

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