Borgfelder Theater am Deich Luftschloss des Alters

„Wind in den Pappeln“ lautet der Titel des neuesten Stückes, das im Theater am Deich in Borgfeld am Freitag, 21. Oktober, ab 19.30 Uhr Premiere feiert. Es geht darin auch um die Frage, was am Ende des Lebens bleibt.
11.10.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulrike Schumacher

„Wind in den Pappeln“ lautet der Titel des neuesten Stückes, das im Theater am Deich in Borgfeld am Freitag, 21. Oktober, ab 19.30 Uhr Premiere feiert. Es geht darin auch um die Frage, was am Ende des Lebens bleibt.

Die Terrasse ihres Altenheims haben sie sich schon erobert. Von hier aus planen sie ihren Feldzug. Raus aus den Zwängen der täglichen Betreuung. Weit hinaus und rauf zu den Wipfeln der Pappeln am Horizont.

Triste Terrasse wird zum Schloss

„Wind in den Pappeln“ lautet der Titel des neuesten Stückes, das im Theater am Deich am Freitag, 21. Oktober, ab 19.30 Uhr Premiere feiert. „Komödie“ steht unter dem Titel. Die damit geweckten Erwartungen können auf einem breiten Feld liegen. Sie reichen vom heiter-beschwingten Abend bis hin zum turbulenten Vergnügen, das die Körper der Zuschauer vor lauter Lachen beben lässt. Diese Komödie ist nicht so. Ihre heiteren Momente zeigen sich verhalten und haben nicht selten den Beigeschmack des Bitteren. In ihren kühnsten Träumen kommen die Grenzen nicht vor, an die die drei altersschwachen Männer real doch immer wieder stoßen müssen. In ihren Träumen wird die triste Terrasse vor dem Alterssitz zum Luftschloss. Und das ist bezaubernd.

Regisseur Ralf Witte war auf Anhieb gefangen von dem Theaterstück, als er es vor ein paar Jahren zum ersten Mal in die Hand nahm. Daran erinnert er sich jetzt am Rande der Proben. Und wie berührt er war, als er das Buch wieder zuklappte. „Wir hoffen, dass es unseren Zuschauern auch so geht.“ Die Terrassen-Träume hätten etwas sehr Mutmachendes, meint Ralf Witte, der wieder einmal zusammen mit seiner Frau Gisela Witte die Regie übernommen hat. „Das Stück hat etwas Hoffnungsvolles, dass auch das Leben in einem Altenheim lebenswert ist. Dass die Bewohner noch Spaß miteinander haben.“ Uraufgeführt wurde das Werk des französischen Autors Gérald Sibleyras im Jahr 2003. Seitdem geht „Wind in den Pappeln“ über die europäischen Bühnen. Nun auch im Theater am Deich (Am Lehester Deich 92a), das in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiern kann.

Drei Männer, anderthalb Stunden

Nach einem Stück mit acht Frauen, sind es jetzt drei Männer, die gut anderthalb Stunden lang die Handlung vorantreiben. „Es sind mehr Menschen hinter der Bühne beschäftigt als auf ihr“, sagt der Regisseur. Das Arbeitspensum im Rampenlicht ist dennoch immens. Gisela und Ralf Witte wissen die Leistung, die Kurt Toll (Gustave), Horst Reddemann (René) und Adam Fäth (Fernand) erbringen, schon jetzt zu schätzen. Bei den Proben spenden sie immer wieder herzlich Applaus. Das spornt die Akteure, deren Alter rund um 70 liegt, zusätzlich an. Es braucht etwas länger, bis der Text abgespeichert und auf der Bühne im richtigen Moment ausgeprochen werden kann, berichtet jemand wie Kurt Toll, der seit 50 Jahren auf der Bühne steht, von der Arbeit an diesem Stück. Für Adam Fäth, der erst zum vierten Mal auf der Bühne mitwirkt, ist es zudem die erste große Rolle. Und Horst Reddemann, seit 15 Jahren Amateurschauspieler, sieht es besonders als Herausforderung, die ganze Zeit über die Bühne nicht verlassen zu können. Auf jeden der drei Männer kommen zwar nur gut 20 reine Textseiten. Aber das eigentliche Spielen geschieht zwischen den Zeilen und verlangt von ihnen viel Aufmerksamkeit. Nicht so einfach, wenn unten am Bühnenrand „die Experten sitzen und sich während der Proben Notizen machen“, findet Horst Reddemann und blickt gespielt sorgenvoll zum Regie-Team. Das schlägt schnell versöhnliche Töne an. „Sie haben alle hundert Prozent Bühnenpräsenz. Das ist gewaltig“, lobt Ralf Witte.

Weitere Abendvorstellungen nach der Premiere

Auch beim Bühnenbau haben die Schauspieler mitgewirkt. In der Ecke baumelt die französische Flagge, im Vordergrund stehen drei Gartenstühle, daneben ein stummer Hund aus Stein. Treuer Gefährte für einen von ihnen. Das Stück erstreckt sich über sechs Szenen. An sechs aufeinanderfolgenden Tagen im August planen die drei Veteranen aus dem Ersten Weltkrieg ihren Ausbruch. Die generalstabsmäßig vorbereitete „Operation Pappeln“ führt sie gleichzeitig an die eigenen Grenzen. Etwas gebrechlich sind sie alle bereits. Der eine geht am Stock, der andere versucht es leidlich ohne, der dritte fällt regelmäßig in Ohnmacht. Es bleiben die Träume, Lügen und Aufschneidereien, die ihrer Vision vom nochmaligen Aufblühen Antrieb verleihen. Es greift die aufkeimende Lebenslust im tristen Alltag um sich. „Das Stück ist ein Juwel, wie man es heute selten findet“, meint Ralf Witte. Seine drei Akteure, da sind sich die beiden Regisseure sicher, werden dieses Juwel zum Glänzen bringen.

Nach der Premiere am 21. Oktober folgen weitere Abendvorstellungen ab 19.30 Uhr am 28. Oktober sowie am 2., 11., 16. und 30. November und am 14. Dezember. Nachmittags ab 17 Uhr ist das Stück am 22., 23. und 29. Oktober sowie am 5., 6., 12., 13., 19., 20., 26. und 27. November sowie am 3., 4., 11. und 17. Dezember zu sehen. Karten können montags, mittwochs und donnerstags von 18 bis 20 Uhr sowie freitags von 14 bis 15 Uhr unter der Telefonnummer 0421 / 27 12 34 vorbestellt werden.

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