100 Bürger fordern Begrenzung von Wölfen in Wohnortnähe Mahnfeuer als Schutzzeichen

Lunestedt. In Niedersachsen formiert sich der Widerstand gegen die aktuelle Willkommenskultur für den Wolf. Im zweiwöchigen Rhythmus werden an vielen Stellen im Land Mahnfeuer entzündet, um gegen eine ungesteuerte Verbreitung des grauen Jägers zu demonstrieren.
15.05.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Andreas Palme

Lunestedt. In Niedersachsen formiert sich der Widerstand gegen die aktuelle Willkommenskultur für den Wolf. Im zweiwöchigen Rhythmus werden an vielen Stellen im Land Mahnfeuer entzündet, um gegen eine ungesteuerte Verbreitung des grauen Jägers zu demonstrieren. Neben Weidetier-Haltern und Jagdverbänden fordern auch zunehmend Landbewohner eine Möglichkeit, die Wolfbestände in Wohnortnähe zu begrenzen.

Mit einem solchen Mahnfeuer ist am Freitag auch in Lunestedt demonstriert worden. Etwa 100 Gäste folgten der Einladung des Landvolks auf den Hof von Georg Ehlers. Der Landwirt mit Pferdepensionsbetrieb hat Angst vor dem „Besuch“ des Raubtiers. „Letzte Woche sind fünf Wölfe auf dem Sportplatz Lunestedt gesehen worden“, hat Ehlers erfahren. Er sieht darin die dauernde Anwesenheit des Wolfes in der Region bestätigt. So sei es seiner Meinung nach nur noch eine Frage der Zeit, bis auch seine Tiere mit dem Wolf „Bekanntschaft“ machen würden. Darüber hinaus berichtet Ehlers von Deichschäfer Kroogmann, der seit Jahren verletzte und tote Tiere zu beklagen hat.

Für den Landvolk-Vorsitzenden Jan Heusmann, der verhindert war, ergriff sein Stellvertreter Enno Garbade das Wort. „Wir suchen den Dialog zwischen Landwirtschaft und Tierschutz“, betonte der Bramstedter Schweinmäster. Er fordert ein Handeln der Landes -, Bundes- und Europapolitik für ein auskömmliches Nebeneinander von Wolf und Weidetier-Halter. Ihm selbst sei unlängst ein Wolf in Wehdel begegnet, der seinem Traktor auf einem Feldweg nachlief. Auch der Schäfer Jörg Peters aus Gnarrenburg sieht seine Herde bedroht. Bisher haben seine Herdenschutzhunde gute Arbeit geleistet. „Wenn aber die Hunde nachts um zwei anschlagen, steht man wie elektrisiert im Bett“, sagt der Schäfer. Er werde von einem "latent unguten Gefühl“ beim Gedanken an das Wohl der Schafe begleitet.

Peters sieht die Zeit gekommen, europaweite Entscheidungen im Umgang mit dem Wolf zu treffen. Auf Unverständnis treffen bei ihm auch die unterschiedlichen Richtlinien zur Herdenschutz-Zaunhöhe. „Warum reicht in Niedersachsen 0,9 Meter Höhe, während Sachsen 1,20 Meter fordert“, fragt sich der Schäfer. Als Vertreter der Parteien stellten sich Oliver Lottke (SPD) und Claus Götjen (CDU) dem Gespräch mit den Teilnehmern. Sie zeigten Verständnis für die Ängste der Landwirte, besonders vor dem Hintergrund einer neuerlichen Förderung der Milchproduktion in Höhe von 500 000 Euro für Weidekuhhaltung in Niedersachsen.

Die Mahnfeuer gegen den Wolf haben eine lange Tradition. Lange vor der Erfindung von Schusswaffen haben die Hirten ihre Herden mit solchen Feuern gegen Raubtierübergriffe geschützt. So steht das Feuer auch heute noch als Symbol für den Schutz gegen Wolfsübergriffe. Allein am Freitag letzter Woche fanden 20 weitere Mahnfeuer in Niedersachsen statt, um Politik und Fachleute zum Handeln aufzurufen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+