Schulvereine

Mangelware: Engagierte Eltern

Vor sechs Jahren hat Marlies Köster den Schulförderverein der IGS Lilienthal mitgegründet. Jetzt will die Vorsitzende ihr Amt abgeben und sucht bisher vergeblich einen Nachfolger. Kein Einzelfall.
28.02.2018, 11:26
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Von Undine Mader
Mangelware: Engagierte Eltern

Wenn sie gehen, soll der Schulförderverein der IGS Lilienthal weiter bestehen, dafür suchen Marlies Köster (links) und Heike Hagen-Wurmbach dringend Nachfolger.

Sabine von der Decken

Grasberg. "Ich habe vor dem Moment Angst, wenn dieser Tag da ist und sich niemand meldet", sagt Marlies Köster. Dabei versucht sie wegzulächeln, was ihre Augen und ihre Stimme nicht verbergen können. Vor sechs Jahren hat sie den Schulförderverein der Integrierten Gesamtschule (IGS) Lilienthal mitgegründet, und noch spricht sie als dessen Vorsitzende. Jetzt steht ein Wechsel an – bei der Jahreshauptversammlung am 15. Mai sollen zwei Nachfolger für Köster und die Schriftführerin des Vereins, Heike Hagen-Wurmbach, gefunden werden. Doch noch ist niemand in Sicht. Sollte das so bleiben, müsste sich der Verein auflösen.

Auch andernorts gibt es diese Probleme: In der Grundschule Grasberg ist der Termindruck noch enger, und auch in der Kita in der Speckmannstraße bahnt sich ein Wechsel an. Die Einrichtungen werden von Eltern in Fördervereinen unterstützt, doch auch die Vorsitzende des Freundeskreises der Kita, Nadine Koitka, sagt: "Es wird allgemein immer weniger mit der Beteiligung der Eltern."

In Sachen IGS ist Marlies Köster in Sorge: "Mein Schmerz geht dahin, dass noch weniger Kinder noch weniger Unterstützung haben", sagt sie. Dabei will sie nur eines: "Alle Kinder sollen an allem teilhaben können." Zum Beispiel gehe es um Kinder, die nur durch die finanzielle Hilfe des Schulfördervereins an Klassenfahrten teilnehmen konnten. Oder um die Nestschaukel vor der IGS-Außenstelle in Grasberg. Rund 3500 Euro habe der Schulförderverein dafür beigesteuert. Er habe Projektwochen wie die Steinzeittage finanziell unterstützt oder die Kunstklasse. 20 kunstaffine Kinder seien dadurch ein Schuljahr lang in den Genuss eines Kunstunterrichts in Kooperation mit der Worpsweder Kunstschule Paula gekommen. 300 Euro habe der Verein dafür gezahlt, die Eltern lediglich 20 Euro pro Kind. Ohne Schulförderverein fiele auch das weg.

Schulen dürfe keine Spenden annehmen oder Spendenbescheinigungen ausstellen. Darum gebe es die Schulvereine, erklärt Sonja von Glahn. Sie leitet den Verein der Grundschule Grasberg im vierten Jahr. Noch. Am Dienstag, 6. März, lädt er zu einer außerordentlichen Versammlung ins Rathaus ein. Auf der regulären Sitzung hatten sich auch für diesen seit 20 Jahren bestehenden Verein keine Nachfolger für den Vorsitz und als Schriftführer gemeldet. Weil Schulen keine Spenden annehmen dürfen, um Projekte zu finanzieren, brauche es aber diese Vereine. In der Grundschule müssten die Kinder andernfalls auf Flötenunterricht, Halbgruppensport und dadurch möglichen Schwerpunktunterricht verzichten, auf Projektmaterial oder Roller und Helme für die Pausen. Wer sich kurzfristig engagieren will, erreicht von Glahn unter 04208/ 38 44.

"Wir sind im Zeitenwandel", stellt Marlies Köster in der IGS-Außenstelle in Grasberg fest. Rektorin Karina Kögel-Renken bestätigt das: "Es gibt so gut wie keine nichtberufstätigen Eltern mehr." Auch andere Vereine tun sich schwer, noch Menschen zu finden, die dauerhaft Verantwortung übernehmen wollen. Fast 900 Schüler lernen in der IGS, knapp 80 Mitglieder zählt der Förderverein, sagt Marlies Köster. Im neuen fünften Jahrgang habe sie gerade einmal eine Familie und eine Lehrerin für den Verein werben können, erzählt sie.

Dabei habe man doch alles versucht, betont Schriftführerin Heike Hagen-Wurmbach: "Wir waren auf Elternabenden. Wir haben Briefe geschrieben. Wir haben zu Stammtischen eingeladen." Aber da saßen wieder nur die wenigen Leute, die auch zu den Vereinstreffen kommen. Am Beitrag könne das nicht liegen, sind sich die drei Frauen einig. 24 Euro koste die Mitgliedschaft pro Familie und Jahr.

Marlies Köster will noch nicht aufgegeben. Es gehe doch um die Kinder. "Bei den Elternabenden habe ich versucht, alles aus Sicht der Kinder zu erklären." Auch dass der Schulförderverein beispielsweise finanziell bei Schulbüchern und Material einspringt oder ein Sofa bezahlt hat. Ernüchtert sagt sie über ihr Werben: "Nichts, nichts, nichts. Fakt ist, da ist kein Interesse da." Die zierliche Frau wehrt sich aber gegen die Ratlosigkeit, die sich am Tisch breit macht. "Ich sehe immer das Gute." Etwa die Familie, die sich bei jedem Schulfest engagiert. Und vielleicht melde sich ja doch noch jemand. Unter 04792/9878668 oder 01703830104 erzähle sie mehr über ihre Arbeit. Auch, dass der Zeitaufwand für diesen Posten doch gar nicht so hoch sei.

Engagement lebt auch Nadine Koitka als Vorsitzende des Freundeskreises der Kindertagesstätte Grasberg vor. Diesen Posten hat sie noch immer, obwohl das eigene Kind die Kita schon vor drei Jahren verlassen hat und längst zur Schule geht. Zwar gebe es durchaus Eltern, die bei den Aktionen des Vereins mithelfen. Wenn aber jemand für den Vorstand gebraucht werde, sehe es anders aus. Koitka bestätigt die These aus der IGS: "Im Moment fehlen die ganz aktiven Eltern." Doch auch in der Kita wird es sie brauchen. Denn im November soll Schluss sein. Dann will Koitka nicht wieder zur Wahl antreten.

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