Neues Theaterprojekt des Vereins für Kunst und Kultur bringt viele Menschen und Fabelwesen zusammen Markant maskiert in die Marcusheide

Worpswede. Im Dachgeschoss des Worpsweder Hotels Buchenhof, wo sich das Atelier von Barbara Theisen, Leiterin der Theatergruppe vom Worpsweder Verein für Kunst, Kultur und Kreativität (KuKuK), befindet, sind derzeit etliche einigermaßen stattliche Charakterköpfe zu bestaunen – manche mit Hörnern oder eine Zöpfchenfrisur. Mit langen oder stumpfen Nasen, groben Gesichtszügen, wulstigen Lippen, ausgeprägten Brauen sowie abstehenden und seltsam geschnittenen Ohren zeichnen sie sich vor allem durch eines aus: Ausdrucksstärke.
15.01.2016, 00:00
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Von Michael Schön

Im Dachgeschoss des Worpsweder Hotels Buchenhof, wo sich das Atelier von Barbara Theisen, Leiterin der Theatergruppe vom Worpsweder Verein für Kunst, Kultur und Kreativität (KuKuK), befindet, sind derzeit etliche einigermaßen stattliche Charakterköpfe zu bestaunen – manche mit Hörnern oder eine Zöpfchenfrisur. Mit langen oder stumpfen Nasen, groben Gesichtszügen, wulstigen Lippen, ausgeprägten Brauen sowie abstehenden und seltsam geschnittenen Ohren zeichnen sie sich vor allem durch eines aus: Ausdrucksstärke. Dabei sind die für das Open-Air-Theaterstück „Bakobaal“ Ende Mai in der Worpsweder Marcusheide bestimmten Masken noch nicht einmal fertig. „Dauert noch zwei, drei Wochen“, schätzt Barbara Theisen nach Beendigung des ersten Workshops. Die Masken müssen teilweise noch mit Haaren versehen werden. Und sie müssen bemalt werden.

Doch das ist noch lange nicht alles. Die Masken sollen getragen werden von wundersamen Fantasiegestalten mit märchenhaften Kostümen. Hinter der Maske verborgen: eine sich allmählich entlarvende Identität. Theisen: „Eine Biografie ermöglicht den Spielern das Einfühlen in ihr Maskenwesen.“

Es werden fabelhafte Wesen aus einer anderen Welt sein, die des Abends schließlich durch den illuminierten Wald wandeln sollen: Trolle, Elfen, Gnome, Zwerge und Feen. Die Fantasiegestalten sollen an zwei Abenden Wald und Heide bevölkern. Assoziationen an Shakespeares Sommernachtstraum kommen an dieser Stelle nicht ganz zufällig auf.

Der Schwerpunkt des KuKuK-Theaterwirkens liegt seit 2013 auf den Masken. „Familienbanden“ flanierten im vergangenen Jahr als Aufsehen erregende Erscheinungen über die Bergstraße, saßen beim Stelldichein in der Käseglocke zu Tisch und setzten bunte Farbtupfer bei der Open-Air-Galerie. Nun folgt Bakobaal. Es handele sich um „eine geführte Theateraufführung durch den Wald“, lautet die Projektbeschreibung, die Barbara Theisen und ihre Kollegin Inga de Boer entworfen haben. Das Thema der Inszenierung ist hochaktuell: „Das Anderssein ist normal, und sich fremd zu fühlen fern der Heimat macht im Moment vielen Menschen das Leben schwer.“

Mit Livemusik und experimentellen Klängen soll das Theater begleitet und so zum Gesamtkunstwerk erweitert werden. Die dahinter stehende Absicht ist es vor allem, möglichst viele Menschen zusammenzubringen und „Kompetenzen aus dem Ort zu bündeln“. 50 Akteure dürften es diesmal sein, die Tänzer und Musiker nicht mitgerechnet.

Grundschule Worpswede, SOS Kinderdorf, Worpsweder Flüchtlingsinitiative, Medienteam „Flimmern und Rauschen“, KuKuK-Chor, freiberufliche Musiker und die Ottersberger Hochschule der Künste mit ihren Masterstudentinnen sind Projektpartner.

„Flimmern und Rauschen“ soll das Projekt medial begleiten. Die Filmbeiträge dienen nicht nur Dokumentationszwecken, sondern werden für das geplante Programm zur Worpsweder 800-Jahr-Feier 2018 in Anspruch genommen.

Nach dem Überstülpen der Maske, erläutert Barbara Theisen, entfällt zwar das Mienenspiel als Ausdrucksmittel, doch kann man sich seiner Umgebung – nur scheinbar paradoxerweise – dann umso besser mit der Körpersprache mitteilen.

Und da die Körpersprache bei der Maskentheaterarbeit eine ganz wesentliche Rolle spielt, hat es auf diesem Sektor auch die spielerische Integration vergleichsweise leicht. „Ob Geschlecht, Alter oder ethnische Zugehörigkeit – hinter einer Larve sind zunächst einmal alle Menschen gleich.“ Im vergangenen Jahr hätten daher zwei junge Syrer über die Maskenarbeit in Worpswede einen unproblematischen Zugang zum Theater gefunden.

Und Flüchtlingen wiederum verdankt KuKuK den Zugang ins neue Projekt. „Die guten Erfahrungen bei der Theaterarbeit mit Flüchtlingen haben für eine Initialzündung gesorgt.“

Ebenfalls sehr erfreulich, so Barbara Theisen, habe sich die Projektarbeit in der Grundschule Worpswede angelassen. Dort wurden zwei Gruppen von je zehn Kindern (auch aus der Inklusionsklasse) unter der Regie zweier Theaterpädagoginnen und einer Sozialassistentin ans Schauspiel herangeführt.

Ferner gibt es an verschiedenen Werktagen wöchentliche Treffen weiterer Gruppen, darunter auch altersgemischte. „In denen kommen Kinder, Eltern, Großeltern und Flüchtlingsfamilien mit ihren Paten zusammen.“ Auf eine Einstimmung mit dem Einüben von nonverbaler Kommunikation folgt der Maskenbau. Daraus entwickelt sich mit dem Aufbau einer „Biografie“ eine allmähliche Individualisierung der Theatermitspieler.

Nach drei Monaten soll es einen zweitägigen Workshop mit den beteiligten Gruppen geben. Dann wird inszeniert und mit den Musikern sowie dem KuKuK-Chor musiziert. Nach der Generalprobe sind für Freitag und Sonnabend, 27. und 28. Mai, vier Vorstellungen in der Marcusheide vorgesehen.

Interessierte können sich ab sofort bei Barbara Theisen unter der Telefonnummer 0 47 92 / 9 87 89 85 oder www.kukuk-worpswede.de melden.

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