"Masterplan": Die Einkaufsstadt Osterholz-Scharmbeck wächst wieder zusammen Die neue Marke Meyerhoff

Nun soll er also wahr werden, der Traum der Meyerhoff-Geschäftsführung von einem Möbelhaus, das mehr ist als ein Einrichtungszentrum am Rand der Kreisstadt. Wir erinnern uns an die legendären Werbespots während der Achtziger Jahre, in denen Inge Küster vor Kamera und Mikro grüßte. Sie haften im Gedächtnis: "Guten Tag. Als Chefin des Möbelhauses Meyerhoff in Osterholz-Scharmbeck...". Das Oberhaupt des Familienunternehmens machte Meyerhoff in Funk und Fernsehen bekannt - und über die Grenzen der Region hinaus. Die Leute nahmen lange Anfahrtswege in Kauf, um im Ortsteil Buschhausen nach einer neuen Sofagarnitur, dem Schlafzimmer oder der Küche zu gucken. Tatsächlich wurde Meyerhoff zum Aushängeschild der Stadt. Die Marke hatte Strahlkraft.
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Von Lutz Peter kaubisch

Nun soll er also wahr werden, der Traum der Meyerhoff-Geschäftsführung von einem Möbelhaus, das mehr ist als ein Einrichtungszentrum am Rand der Kreisstadt. Wir erinnern uns an die legendären Werbespots während der Achtziger Jahre, in denen Inge Küster vor Kamera und Mikro grüßte. Sie haften im Gedächtnis: "Guten Tag. Als Chefin des Möbelhauses Meyerhoff in Osterholz-Scharmbeck...". Das Oberhaupt des Familienunternehmens machte Meyerhoff in Funk und Fernsehen bekannt - und über die Grenzen der Region hinaus. Die Leute nahmen lange Anfahrtswege in Kauf, um im Ortsteil Buschhausen nach einer neuen Sofagarnitur, dem Schlafzimmer oder der Küche zu gucken. Tatsächlich wurde Meyerhoff zum Aushängeschild der Stadt. Die Marke hatte Strahlkraft.

Die Strahlkraft ließ allmählich nach. Andere Möbelhäuser in Norddeutschland hatten begonnen, in die Zukunft zu investieren: mit angeschlossenen Supermärkten, Gastronomie, Fachgeschäften und weiteren Warenhäusern - mit Frequenzbringern. Meyerhoff lebte weiter vom Renommee, bis Inge Küster und Geschäftsführer Wolfgang Röll merkten, dass ihnen die Zeit davonlief. Woanders sprossen die "Einkaufsstädte", die außer Möbel auch alles andere hatten, aus dem Boden - ein heftig beworbenes Event im begrenzten Spielfeld der Branchen-Wettbewerber.

Man hatte im Rat und im Rathaus bis dahin zur Kenntnis genommen, dass die Zugkraft der Zentren von kleineren Städten wie Osterholz-Scharmbeck zu wünschen übrig ließ - zumal sich gegen die Attraktivität der nahen Bremer Innenstadt wenig ausrichten lässt. Die anrührenden Versuche von Gastronomen und Ladenbesitzern, zu dieser Zeit ein paar Stühle oder Blumenkübel rauszustellen, um Kunden zu locken, wurden mehr an Verordnungen und Vorgaben gemessen, als am guten Willen der Kaufleute. Daran änderte auch ein ein halbherzig aufgelegtes Fassadenverschönerungsprogramm mit ein paar Tausend Mark im Fördertopf nichts. Die Hauseigentümer spielten nicht mit - und so etwas wie Solidarität wurde und ist bis in die Gegenwart nur vereinzelt sichtbar. Zu wenig Frequenz in der Stadt - zu wenig Mieteinnahmen, um selbst etwas in den Topf werfen zu wollen. Was soll?s; es wird schon irgendwie schiefgehen.

Es ging vieles schief in dieser Zeit. Die Bahnuntertunnelung, die die Stadtteile Osterholz und Scharmbeck auseinanderriss, zählt ebenso zur Schieflage wie die Pleite des Kaufhauses Reuter, die auch unternehmerischer Kurzsichtigkeit geschuldet war - man hatte Reuter das Haus am Markt angeboten. Abwärts ging es auch mit der Bahnhofstraße, der angeblichen Haupteinkaufsachse - mit dem Gemisch an Leerständen, Lustlosigkeit und Läden, die bis heute ein Schattendasein fristen. Die Dinge änderten sich, als Martin Wagener als neuer Bürgermeister ins Rathaus einzog und auch personell auf Erneuerung sann. Es ist ihm und den Stadtplanern seitdem in Sachen Wirschaftsförderung nicht alles geglückt. Die neuen Wohn- und Geschäftshäuser sind nicht der Renner; auch sie liegen, im Hinblick auf die Debatte um die Bollendonk?sche Immobilie, wohl eher "abseits der Lauflinie", wie Stadtplaner Stefan Kamischow neulich einräumte. Die Verlockung fehlt.

Es glimmt ein Hoffnungsschimmer in der Maßnahme, für die Stadt jetzt einen "Masterplan" zu verfolgen, der die "zentralen Versorgungsbereiche" neu definiert. Im Kern der Sache schmelzen das Hauptzentrum Stadtmitte und die Nebenzentren am Pumpelberg sowie das Meyerhoff-Center zur Einheit zusammen. Daraus könnte eine gemeinsame Stärke wachsen - eine konzertierte Aktion: Die unterschiedlichen Akteure der lokalen Wirtschaft handeln nicht als argwöhnische Wettbewerber, sondern verfolgen mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung der Stadt gemeinsam Werbestrategien und -kampagnen für den Standort. Vorbedingung: Die im Wirtschaftstreff Osterholz-Scharmbecks zusammengeschlossenen Kaufleute kommen ihrerseits aus dem Quark und schaffen es, personell sowie organisatorisch das langjährige Klein-Klein zu überwinden.

Meyerhoff wird durch den Masterplan als das definiert, was das Unternehmen repräsentiert: die Stadt, die Marke, die seit Jahrzehnten Kunden zieht. Nach wie vor haben die Menschen im Umland, die heute von Osterholz-Scharmbeck sprechen, Meyerhoff im Kopf, und umgekehrt. Das ist das Potential. Eine Frage zum Schluss: Ist es abwegig anzuregen, dass die Möbelhausleitung, die Stadtoberen und die Kaufleute sich für den Anfang einmal selbst die Frage stellen: ?Wie abwegig ist es eigentlich, wenn wir in einen Shuttlebus investieren, der sonnabends, am Haupteinkaufstag, kostenlos zwischen Meyerhoff und Marktplatz pendelt???

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