Grippeschutz Mediziner raten zur Impfung

Rotenburg (Wümme). Zwei Jahre nachdem die Warnung vor der Schweinegrippe die Menschen fürchten ließ, macht sich den Beobachtungen der Rotenburger Innungskrankenkasse (IKK) classic zufolge jetzt eine gewisse Gelassenheit breit.
14.11.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Bernhard Komesker und Ulrike Schumacher

Rotenburg (Wümme). Landkreise Osterholz·Rotenburg. Eine Grippe ist mehr als Halskratzen und Unwohlsein. Anders als ein grippaler Infekt kann die Viruserkrankung einen schweren Verlauf nehmen. Mediziner und Gesundheitsämter raten jetzt zur Grippeschutzimpfung. Und auch homöopathisch gebe es Möglichkeiten, sich zu schützen.

Die Schweinegrippe zeigt ihre Wirkung - aber anders als erwartet. Zwei Jahre nachdem die Warnung vor dem gefährlichen Virus die Menschen fürchten ließ, macht sich den Beobachtungen der Rotenburger Innungskrankenkasse (IKK) classic zufolge jetzt eine gewisse Gelassenheit breit. Nachdem die Horrorszenarien rund um die Schweinegrippe ausgeblieben seien, habe die Bereitschaft zur Grippeschutzimpfung abgenommen. "Viele Menschen glauben nun, dass die Grippe überhaupt nicht so schlimm ist, wie uns die Experten weismachen wollen und verzichten auf die Schutzimpfung", bemerkt Ralf Danker, Regionaldirektor der IKK classic. Doch er warnt: "Die Virusgrippe ist nicht nur ein harmloser Infekt, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung, an der laut Robert-Koch-Institut jedes Jahr in Deutschland tausende Menschen sterben."

"Die Grippe ist eine schwere Erkrankung, die einen schlagartig von einer Stunde auf die andere packen kann", sagt auch der Lilienthaler Mediziner Bernhard Braune. Zwar seien die Symptome zunächst mit denen eines grippalen Infektes vergleichbar, doch die Viruserkrankung sei mehr als Halskratzen und Unwohlsein. Sie zeige mit plötzlichem hohen Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und Husten einen viel schwereren Verlauf, beschreibt auch der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes Osterholz, Eckart Christiansen, die Symptome. "Und", fügt er hinzu, "es gibt gegen die Grippe nur eine eingeschränkte Therapie." Das wirksamste Mittel zur Vorbeugung sei die Impfung.

"Jetzt ist die beste Zeit dafür", empfiehlt Bernhard Braune. Mit dem Impfschutz könne der Körper besser mit den kursierenden Viren zurechtkommen. Im Moment gebe es noch keine ansteigenden Infektionszahlen, weiß Carmen Menzel-Schwab, stellvertretende Leiterin des Rotenburger Gesundheitsamtes. "Der Piks bietet die effektivste Schutzwirkung", rät auch sie zur Grippeschutzimpfung. "Der Wirkstoff wird jährlich angepasst." Eine Erkrankung ersetze den Impfschutz nicht. "Wer die Grippe hatte, kann sie im nächsten Jahr wiederbekommen", so Eckart Christiansen. Im Landkreis Osterholz habe es 2010 elf gemeldete Grippe-Fälle ohne Todesfolge gegeben, berichtet der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes.

Vor allem Männer und Frauen ab 60 Jahren und sogenannte Risikogruppen sollten sich impfen lassen, raten die Mediziner. Dazu gehören Menschen mit chronischen Erkrankungen der Atemwege, Herz-Kreislauf-Patienten und Diabetiker. Auch Kinder, die an Asthma und Diabetes erkrankt seien, sollten geimpft werden, empfiehlt Carmen Menzel-Schwab. Und natürlich medizinisches Personal und Beschäftigte mit Publikumsverkehr.

Das Osterholzer Kreiskrankenhaus rüstet sich, indem es seine Mitarbeiter regelmäßig impfen lässt. Dabei handele es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, die der Patientengesundheit diene, erläutert Krankenhaus-Geschäftsführer Klaus Vagt. Wie viele Pflegekräfte sich bei ihrem Hausarzt impfen lassen, könne er nicht sagen. An einer gezielten AOK-Aktion im Kreiskrankenhaus hätten im vergangenen Monat 29 Angestellte teilgenommen; und die hauseigene Ambulanz biete dem Krankenhaus-Personal ebenfalls ihre Dienste an. Insgesamt habe "wohl eine ansehnliche Zahl" der Belegschaft den Impfschutz, vermutet der Krankenhaus-Leiter. Für die Beschäftigten im Gesundheitswesen gibt beispielsweise das Robert-Koch-Institut eindringliche Empfehlungen heraus.

Mit ungewöhnlichen, schweren Influenza-Verläufen bei Patienten sei sein Haus bislang nicht konfrontiert gewesen, so Klaus Vagt weiter. "Die Grippe an sich löst ja keinen stationären Aufenthalt aus; das spielt sich praktisch alles im niedergelassenen Bereich ab." Auch die Anrufe und Nachfragen aus der Bevölkerung: Anders als etwa bei der aviären Influenza - besser bekannt als Vogelgrippe - löst die alljährliche Virusgrippesaison nach den Worten des Spital-Managers keinerlei Fragenflut aus. Vagt: "Es ist nur zu hoffen, dass die Viren nicht eines Tages mutieren und resistent werden." Dann hätte auch das Kreiskrankenhaus ein Problem.

Im Servicezentrum der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) in Osterholz-Scharmbeck registriert man eine relativ gleichbleibende Zahl von Menschen, die eine der Grippeschutzimpfungen in Anspruch nehmen, welche von der AOK in den Betrieben vor Ort oder eben auch im Krankenhaus angeboten werden. AOK-Chef Hinrich Breden erklärt: "Wir schreiben alljährlich die größeren Arbeitgeber im Kreisgebiet an und sind dann den Herbst über mit einem Arzt oder einer Ärztin vor Ort." Ein steigendes öffentliches Interesse oder vermehrte Nachfragen habe die Kasse nicht feststellen können. Ob beim Hausarzt oder in der Firma: Bei der Impfung handele es sich um eine Kassenleistung, die der Patient nicht selbst bezahlen müsse, so Breden.

Anders sieht es aus, wenn Patienten sich für den homöopathischen Grippeschutz entscheiden. Sie arbeite gern auf diese Weise, erzählt die Wilstedter Ärztin Agnes Naber. "Die homöopathische Behandlung stärkt den ganzen Menschen - Leib, Seele und Geist." Zum Grippeschutz spritzt sie eine Kombination aus Arnika und Echinacea unter die Haut. Einmal in der Woche, fünf Mal hintereinander. "Die Ampulle müssen die Patienten kaufen."

Ein Risiko gebe es bei diesem Weg nicht, sagt Agnes Naber. "Ich kann die Kombination auch spritzen, wenn schon eine kleine Grippe besteht." Werde allerdings in eine Influenza hineingeimpft, könne sie sich verstärken.

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