Silvia Mangels, Vorsitzende des TSV Timke, zu Vereinsleben, Kooperationen und Kicken im Baracken-Umfeld "Menschen, die motivieren, sind wichtig"

Der TSV Timke feiert Geburtstag. 65 Jahre wird der Verein alt.
01.09.2014, 21:00
Lesedauer: 3 Min
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Der TSV Timke feiert Geburtstag. 65 Jahre wird der Verein alt. Grund genug, mit der Vorsitzenden Silvia Mangels über das Vereinsleben, ein bisschen Vergangenheit (siehe auch untenstehenden Bericht) und gute Kooperationen mit anderen Sportvereinen zu reden. Irene Niehaus führte das Gespräch mit der Ostertimkerin.

Eine große Geburtstagsfeier steht an, sind Sie im Stress?

Silvia Mangels: Ein bisschen. Wir haben ja ein Team, einen Festausschuss, jeder hat Aufgaben übernommen. Die größte Arbeit ist nun vorbei, aber es war schon mit Anspannung verbunden. Wir konnten jedoch von den Erfahrungen von vor fünf Jahren profitieren, als der Verein den 60. Geburtstag feierte.

Herrscht beim TSV Timke im 65. Jahr eitel Sonnenschein?

Es gibt aufregende Zeiten, wie in jedem Verein. Die Herrenfußballmannschaft ist ja in den FC Ummel übergegangen. Die haben das aber ganz gut gemeistert. Diese Umstrukturierung im letzten Jahr war wichtig. Das war in der jüngsten Zeit eine wesentliche Veränderung bei uns. Auch bin ich froh, dass wir die Mitgliederstärke von knapp 500 halten können. Das geht aber nur, weil wir drei Dörfer haben, jedes einzelne Dorf könnte so einen Verein nicht halten.

Trübt das eine oder andere vielleicht die Stimmung im Verein?

Die 1. Damenfußballmannschaft wechselte zum SC Bade. Aber wir haben immer noch Damen- und Mädchenfußball.

Was zeichnet den TSV Timke aus?

Die Kooperation mit anderen Vereinen, etwa mit dem TSV Bülstedt/Vorwerk. Er stellt uns seine Halle zur Verfügung, und wir bilden vielleicht mehr Übungsleiter im Bereich Turnen aus. Schön ist auch, dass es so gut geklappt hat mit dem FC Ummel.

Wie steht es um die Vorstandsarbeit im Verein?

Wir holen junge Leute ins Team, die nicht offiziell eine Aufgabe übernehmen müssen, aber ihre Ideen einbringen können. Über die Aufgaben kommen sie langsam an die Vorstandsarbeit.

Können Sie den Nachwuchs für den Verein begeistern?

Ja, weil wir Übungsleiter ausbilden, besonders im Kinderturnen und beim Mädchenfußball. Wir führen die Jugendlichen früh an Aufgaben heran.

Der Verein ist 1949 gegründet worden, vier Jahre nach Kriegsende. Was hatte er sich damals auf die Fahnen geschrieben?

Gesundheit durch Bewegung zu fördern.

Lebt noch jemand von den Gründungsvätern?

Ja, Johann Otten, er ist jetzt 85 Jahre alt. Er nimmt immer noch an unseren Jahreshauptversammlungen teil.

Was war die erste Sparte?

Fußball. Unser Emblem mit dem Dreieck ist aus einer Eckfahne entstanden, die die Spielerfrauen damals nähten.

Ein eigenes Domizil hatte der Verein damals noch nicht. Wo haben die Fußballer denn gespielt?

In Westertimke, auf einem Schotterplatz im Lager.

Mit dem Lager meinen Sie das frühere Marine-Internierungslager in der Sandstraße?

Ja, da standen Baracken, in denen nach dem Krieg viele Vertriebene und Flüchtlinge wohnten.

An Zuschauern fehlte es den Fußballern dann ja nicht.

Stimmt, für die Bewohner war jedes Spiel ein Ereignis.

Das erste Spiel war ein Freundschaftsspiel gegen den SV Anderlingen, es ging 0:8 verloren. Wie steht es heute mit dem Vereinsfußball?

Viel besser als damals. Und heute fiebern wir mit dem FC Ummel.

Auf welche Errungenschaft sind Sie besonders stolz?

Auf den Anbau des Vereinsheims. Der war gut und wichtig, weil wir wegen der Duschen ganz andere Wettbewerbe durchführen können. Wir können uns ganz anders präsentieren.

Und was hätte dem TSV erspart bleiben können?

Da fällt mir nichts ein.

65 Jahre liegen hinter dem Verein. Denken Sie, dass es den TSV auch in 65 Jahren noch geben wird?

Schwer zu sagen. Aber ich glaube, dass sich Vereinsleben generell ändert, weil alles heutzutage kurzlebiger wird. Man merkt auch, dass es weniger Kinder gibt. Aber ich glaube, auch in 65 Jahren wird es noch Vereine geben.

Wovon hängt denn gutes Vereinsleben ab?

Von Menschen, die andere motivieren können. Bei uns ist das so. Da wird ein Verein auch fortbestehen.

Warum ist Sport treiben, besonders im Verein, wichtig?

Von Sport und Bewegung hängt die Gesundheit ab. Sport in der Gemeinschaft tut gut. Das gilt für Kinder wie für Senioren, für jedes Alter.

Zur Person

Silvia Mangels ist seit 2006 die 1. Vorsitzende des TSV Timke. Die 55-jährige gelernte Hotelfachfrau arbeitete über 20 Jahre lang als Hoteldirektorin in Bremen und Hamburg.

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