Integrations- und Alphabetisierungskursus Migrantinnen schließen Kurs erfolgreich ab

Lilienthal·Grasberg. Insgesamt 21 Migranntinnen haben nach 1200 Unterrichtsstunden den Integrations- und Alphabetisierungskurs erfolgreich abgeschlossen.
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Von Ulrike Schumacher

Lilienthal·Grasberg. Zu Beginn war es nicht mehr als eine Aneinanderreihung von Buchstaben - bis die Frauen vor fünf Jahren für sich das Tor zur deutschen Sprache aufstießen. Mit jedem neuen Wort, das sie lernten, wuchs auch ihr Selbstvertrauen. Salz, Zucker, Mehl, Milch und Tee - jetzt haben sie ein Bild vor Augen, wenn sie beim Einkaufen in die Warenregale schauen. Endlich können sie lesen und verstehen.

Sie kamen aus der Türkei und aus Kurdistan, aus dem Libanon, dem Irak, aus Syrien oder dem ehemaligen Jugoslawien. Sie kamen in ein fremdes Land, dessen Sprache sie nicht verstanden. Viele der Frauen waren ohne Schulbildung. Wollten sie sich hier verständigen, waren sie auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen, die in der Schule Deutsch lernten. Waren die Kinder nicht zu Hause, gab es für deren Mütter keine Verbindung mit der Außenwelt. "Ich konnte nicht allein zum Arzt gehen, ich konnte noch nicht einmal telefonieren", schildert Hani Caliskan ihre damalige Situation.

1200 Stunden Unterricht

Die Hausfrau und Mutter von sieben Kindern aber machte in den zurückliegenden fünf Jahren einen gewaltigen Sprung nach vorn. Wie die anderen 20 Frauen, die jetzt in Murkens Hof den überaus erfolgreichen Abschluss ihres Integrations- und Alphabetisierungskurses feierten. Als sie 2005 die ersten kleinen Schritte unternahmen, um Deutsch zu lernen, berichteten sie noch von ihrer Angst, die Nachbarn könnten sie ansprechen. Sie fürchteten sich davor, nichts zu verstehen. Sie waren ratlos, wenn die Kinder Informationszettel aus Kindergarten und Schule mit nach Hause brachten, weil sie sie nicht entziffern konnten.

Stimmung ist heiter und gelöst

Jetzt - 1200 Unterrichtsstunden später - ist von dieser Furcht und Ratlosigkeit keine Spur mehr übrig. Die Stimmung im feierlich hergerichteten Kurs-Raum ist heiter und gelöst. Auf den Tischen flackern Kerzen. Vor dem Buffet, auf dem die Frauen allerlei Speisen angerichtet haben, erklingt zum freudigen Anlass Gitarren- und Flötenmusik und Gesang von Deniz Özkan, Roni Sterk und Kevser Karakaya. Stellvertretend für alle berichten vier der Frauen selbstbewusst von ihren Erfahrungen und mit großem Dank, dass die deutsche Sprache für sie kein Geheimnis mehr ist. "Ich kann jetzt allein zum Arzt gehen", freuen sie sich. Eine erzählt, dass sie den Führerschein gemacht hat.

Hani Caliskan würde den Deutsch-Kursus gern fortsetzen, um ihre Sprachkenntnisse weiter auszubauen. "Wir bemühen uns, das für die Frauen anzubieten", macht Michael Thielemann Mut. Der ehemalige stellvertretende Volkshochschulleiter hatte als Fachbereichsleiter für Sprachen den Integrations- und Alphabetisierungskursus von Anfang an begleitet.

Drei Kurse waren 2005 und 2006 ins Leben gerufen worden. Einer lief in Lilienthal, hier angeschoben von der damaligen Frauenbeauftragten Marianne Teubert. Zwei Kurse besuchten die Frauen in Grasberg, dort unterstützt vom Bündnis für Familien. Die Kirchengemeinde Grasberg stellte für die Unterrichtsstunden kostenfrei die Räume zur Verfügung. Gefördert wurden die Kurse vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Zunächst nur für 600 Stunden.

"Aber der Deutsche Volkshochschulverband hat sehr darum gerungen, dass die Stundenzahl aufgestockt wird", berichtet Volkshochschulleiterin Christine Beulshausen, die gleichzeitig bedauert, dass diese Förderung für jetzige Sprachschüler wieder stark beschnitten wurde. Die Frauen aus Lilienthal und Grasberg hatten noch Glück. Schrittweise wurden ihnen erst 900 und später dann insgesamt 1200 Stunden Unterricht genehmigt. Es hat sich gelohnt.

"Es war für sie ein Kraftakt"

Zweimal in der Woche haben die Kursteilnehmerinnen für jeweils vier Stunden die Schule besucht. Sie mussten sich dafür die Zeit frei schaufeln, Haushalt und Familie organisieren oder ihre Kinder am Rande des Unterrichts betreuen lassen. "Es war für sie ein Kraftakt", weiß Thielemann, der ebenso betont, wie eng der Erfolg des Projekts mit der Lehrerin Kabire Yildiz verbunden ist. Sie war der Garant für eine spürbar gute Kommunikation, heißt es. Durch ihren Unterricht konnten die Frauen den Integrationskursus mit Höchstleistungen abschließen. Acht von ihnen haben die so genannte B1-Prüfung bestanden und könnten damit jetzt den Antrag auf Einbürgerung stellen, sagt Thielemann. Bürgermeister Willy Hollatz gratuliert allen Frauen, "zu dem guten Gefühl, in der Gesellschaft angekommen zu sein", und fügt hinzu: "Man hört heraus, dass Sie Freude daran haben."

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