Waldkindergarten blickt auf ein Jahrzehnt naturnahe Arbeit mit dem Nachwuchs zurück

Mit allen Sinnen die Natur erleben

Gnarrenburg. In einer tiefen, befestigten Mulde einer früheren Sandkuhle, am Rande des Eichholzes, entdecken „Die kleinen Füchse“ die Natur in all ihren Facetten. Täglich von acht bis 13 Uhr sind die 15 kleinen Füchse aus dem Gnarrenburger Waldkindergarten der Natur auf der Spur.
17.11.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von INGRID MAHNKEN
Mit allen Sinnen die Natur erleben

Abenteuer Natur. Mit allen Sinnen erleben die kleinen Waldfüchse im Waldkindergarten Gnarrenburg die Natur.

Ingrid Mahnken

In einer tiefen, befestigten Mulde einer früheren Sandkuhle, am Rande des Eichholzes, entdecken „Die kleinen Füchse“ die Natur in all ihren Facetten. Täglich von acht bis 13 Uhr sind die 15 kleinen Füchse aus dem Gnarrenburger Waldkindergarten der Natur auf der Spur. Zweimal wöchentlich besuchen auch die bis dreijährigen „Minifüchse“ für drei Stunden die Einrichtung.

Jeder Morgen beginnt mit einem Begrüßungskreis. Gemeinsam mit den Erziehern Jens Winterhoff und Meike Ehlers beratschlagen die kleinen Füchse wie sie den Vormittag gestalten möchten. Klettern, beobachten, verstecken, basteln, sammeln, bauen, horchen, laufen, helfen, untersuchen, träumen, springen, singen und erkunden – auf dem rund 3000 Quadratmeter großen Lagerplatz dürfen sie in natürlicher Umgebung ihre Kreativität mit allen Sinnen ausüben.

Und wenn es doch mal zu ungemütlich im Wald werden sollte, steht den kleinen Füchsen ein Kreativraum mit Werkbank für Holzarbeiten, Bastel- und Maltisch in einer kleinen beheizbaren Schutzhütte zur Verfügung. In einem weiteren Gruppenraum können die Kinder in Büchern lesen und spielen.

Doch an diesem Tag scheint die Sonne durch den herbstlichen Blätterwald. Matteo und Ben sind schwer mit dem Bau einer Straße beschäftigt. Während der eine einen Eimer mit Wasser heranschleppt, buddelt der andere mit Bagger und Radlader im nassen Sand.

Jenny und Luna wollen mittels Säge und Messer Wanderstäbe schnitzen. Dabei beachten sie natürlich die Sicherheitsregeln, die sie vorher gelernt haben. Andere toben durch das Laub und zeigen sich gegenseitig Krabbeltiere, die sie auf dem Waldboden entdeckt haben.

In einem ausgedientes Segelboot, dass zu einer Sandkiste umfunktioniert wurde, Turnstangen, einer selbst gebauten hölzernen Leiter und Schaukeln die von den dicken Ästen großer Bäume herunter baumeln, Abenteuer-Rutsche und Trampolin, können die Kinder ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben.

Beliebt bei den Kindern sind auch die Tipis (Indianerzelte) die sie zum Spielen, aber auch als Rückzugsorte nutzen. Besonders stolz sind die Kinder auf ihr hölzernes Fußballtor, das sie mit ihren Erziehern gemeinsam gebaut haben.

Vor zehn Jahren wurde der Waldkindergarten, von einer Elterninitiative ins Leben gerufen – unterstützt von der Gemeinde Gnarrenburg. In natürlicher Umgebung dürfen sich Kinder hier ebenso natürlich entwickeln. So ist der Wald für die 15 Knirpse der Vormittagsgruppe ein einziger Abenteuerspielplatz.

Alle fünf Sinne würden spielerisch gefordert und gefördert. „Kreativität und das breit gefächerte natürliche Bewegungsangebot sind eine wunderbare Grundlage für eine anschließende erfolgreiche Schullaufbahn“ berichtet Jens Winterhoff.

Dreimal wöchentlich verlassen die Waldkinder ihren Abenteuerspielplatz und besuchen, mit Werkzeug und Seilen und dem notwendigen Marschproviant, einen oder mehrere der 16 Anlaufpunkte in den Weiten des Eichholzes. Wetterfeste Kleidung muss natürlich sein, wenn die Kinder bei Wind und Wetter über Stock und Stein klettern. „Natürlich ist auch bei uns einmal ein Kind krank. Aber generell haben unsere Kinder ein sehr gutes Immunsystem“, erzählt Jens Winterhoff.

Gespielt wird ausschließlich mit dem was die Natur zur Verfügung stellt. Meike Ehlers weiß aus Erfahrung: „Es gibt 1000 Möglichkeiten sich hier zu beschäftigen.“ Die Erzieher unterstützen die Kinder in ihrem Schaffensdrang, unterbreiten Angebote, zwingen aber keines zur Teilnahme.

Einmal im Monat besuchen die kleinen Abenteurer einen Bauernhof, um die dort lebenden Tiere, aber auch den beeindruckenden Fuhrpark in Augenschein zu nehmen. Gemeinsam mit ihren Eltern feiern sie ein Sommerfest, Laternenfest, schlagen für eine Nacht im Wald die Zelte auf und besuchen das Waggontheater. Zum Nikolaus backen sie in einem der Elternhäuser Kekse. Darüber hinaus engagieren sich die Eltern, bilden Arbeitseinsätze zum Beispiel bei anfallenden Aufräumarbeiten, Verbesserungs- und Verschönerungsmaßnahmen.

Zurzeit suchen sie noch händeringend Vertretungskräfte, die die beiden Erzieher in ihrer Arbeit unterstützen können. Ansprechpartner ist der Waldkindergartenleiter Jens Winterhoff (Tel. 0 174 / 23 00 545) und der Vorsitzende der Elterninitiative Ronald Schlüter (Telefon 0 47 63 / 62 77 64).

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