Ehepaar Eule engagiert sich in Tansania

Mit Amani Hilfe zur Selbsthilfe

In dieser Folge unserer Serie "Ehrensache": Judy und Johann-Georg Eule aus Vorwerk engagieren sich seit 2005 für zwei Kinderdörfer in Tansania.
29.05.2018, 17:04
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg
Mit Amani Hilfe zur Selbsthilfe

Dieser geräumige Klassenraum wurde mit Unterstützung des Vereins Amani errichtet. In der 100 Mitglieder starken Organisation arbeiten auch Judy und Johann-Georg Eule aus Vorwerk seit Jahren ehrenamtlich mit.

Eule

Vorwerk. Das afrikanische Leben, es scheint so etwas wie ein Jungbrunnen für Judy und Johann-Georg Eule zu sein – die beiden Vorwerker wirken mindestens zehn Jahre jünger als sie sind. Dabei klingt das, was das Ehepaar im Unruhestand seit 2005 ehrenamtlich leistet, für Außenstehende zunächst einmal strapaziös. Für den Verein Amani Kinderdorf reisen sie drei- bis viermal im Jahr nach Tansania, um dort Projekte zu begleiten.

Mehr als 7000 Kilometer und zwölf Stunden Flug von Deutschland entfernt ist der ostafrikanische Staat. Die Eules engagieren sich dort für Aids-Waisen. „Etwa acht Prozent der Bevölkerung in Tansania sind mit dem HI-Virus infiziert“, sagt Johann-Georg Eule. Der Verein Amani (das heißt in der Landessprache Kisuaheli Frieden) gebe vielen Aids-Waisen im Süden Tansanias in zwei Kinderdörfern ein familienähnliches Zuhause in traditionellen Strukturen und mit geregeltem Alltag. Die kleineren Kinder gehen in den eigenen Kindergarten, die älteren besuchen Schulen und Internate in der Umgebung. Auch später beim Studium oder bei der Ausbildung bekommen die Jugendlichen Hilfe.

Der rund 100 Mitglieder starke Verein wolle den jungen Menschen zu einem selbstbestimmten Leben verhelfen. Die frühere Betriebswirtin Judy Eule betont: "Die Arbeit vor Ort übernehmen ausschließlich Tansanier. Die Kinder sollen in ihrer Kultur bleiben und gehen in den Ferien auch wieder in ihre Dörfer, damit sie den Kontakt halten.“ Zum Glück gebe es vor Ort sehr engagierte Menschen – Schulleitungen, Lehrer, Hausmütter und Helferinnen –, die sich um die Kinder kümmerten. Dem Nachwuchs solle mit Hilfe einer guten Ausbildung ermöglicht werden, ein selbstständiges Leben zu führen. "Die Schüler lernen auch, wie sie ein Feld bestellen und wie sie im Haushalt mit anpacken können", erklärt der studierte Jurist Johann-Georg Eule, der bis zu seiner Pensionierung Bankdirektor war. Dazu gehört auch, dass nicht nur Mädchen, sondern auch Jungs ihre Wäsche selber waschen und die Zimmer putzen. Und ganz nebenbei feilen die Kinder an ihrem Sozialverhalten.

Zwei Kinderdörfer hat Amani in Tansania gebaut, insgesamt 180 Kinder werden in Kilolo und Kitwiru betreut. Sie lebten in Häusern mit je zwölf Kindern, einer Hausmutter und einer Helferin wie in einer Familie zusammen. So könnten sich die Kinder geborgen und sicher fühlen. Der Bau des zweiten Dorfes sei 2009 begonnen worden. Der Verein trage die Verantwortung für die Kinder so lange, bis ihre Schul- oder Berufsausbildung abgeschlossen sei.

Auch außerhalb der Kinderdörfer finanziert der Verein Projekte mit. Anfang des Jahres nahmen die Eules an der Einweihung neuer Klassenräume der Grundschule teil. Drei Klassen und ein Lehrerzimmer wurden errichtet. Die alten Räume platzten längst aus allen Nähten, vier Kinder teilten sich eine Schulbank, die für zwei gedacht war. Der Neubau hat größere Räume, größere Fenster und eine wärme- und schallgedämmte Zwischendecke. Die fehlen im alten Trakt aus den 50er-Jahren, so dass der Regen dort lautstark aufs Blechdach prasselt oder die Sonne die Räume unerbittlich aufheizt. "Das kann unerträglich heiß werden", weiß Judy Eule.

Wichtig ist dem Verein Amani, dass er Hilfe zur Selbsthilfe leistet. "Wir haben mit dem Schulträger vereinbart, dass wir die Steine bezahlen, wenn er dafür sorgt, dass die Wände gemauert werden", erklärt der 82-jährige Johann-Georg Eule. Zuvor seien mit Elternhilfe schon die Fundamente für den Erweiterungsbau gelegt worden.

Die laufenden Kosten der Amani-Kinderdörfer mit ihren 40 Angestellten beziffert das Ehepaar Eule auf 10 000 Euro im Monat, also 120 000 Euro im Jahr. 80 000 Euro kämen über Patenschaften, feste Spenden und Beiträge herein, so dass jedes Jahr 40 000 Euro fehlten. "Die müssen wir beschaffen, immer und immer wieder", sagen sie. Dass ihnen das gelingt, liegt auch an der Unterstützung aus der Samtgemeinde Tarmstedt. So habe vor Jahren ein Spendenlauf der KGS Tarmstedt mehr als 13 000 Euro eingebracht. Zuletzt spendete die Kirchengemeinde Wilstedt/Tarmstedt die Hälfte des Erlöses aus dem Adventsbasar. "In der Weihnachtszeit bekommen wir zusätzlich viele kleine Spenden, über die wir uns natürlich auch sehr freuen", sagt Judy Eule (70). Zusätzlich Geld auftreiben müssen die Amani-Mitglieder, wenn es um Bauprojekte geht.

Dass die Eules mit ihrem Engagement in Tansania viel bewegen, machen sie auch daran deutlich, dass derzeit sechs frühere Amani an der Universität studieren. Zwei ehemalige Schüler aus Kilolo hätten ihr Studium erfolgreich abgeschlossen. Manchmal, das räumen sie ein, klappe es eben auch nicht. Alle Kinder kämen aus erbärmlichen Verhältnissen, stammten aus bildungsfernen Familien und seien teilweise traumatisiert. "Manche klauen oder machen andere Sachen, die wir nicht tolerieren können", sagt Judy Eule. Wer zwei- oder dreimal erwischt werde, fliege raus. "Und macht Platz für ein anderes Kind." Sie könnten die Welt nicht retten, sagen Judy und Johann-Georg Eule. Aber ein bisschen besser machen.

Weitere Infos: www.amani-kinderdorf.de.

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