Hoetgers Skulpturenwelt in Worpswede Mit einem Klick 100 Jahre überwinden

Worpswede. Wie bekommt man Jugendliche ins Museum und schafft für die Altersgruppe attraktive Zugänge zur Kunst? Dieser Frage stellt sich die Kulturstiftung Landkreis Osterholz mit einem Projekt in der Großen Kunstschau in Worpswede.
24.01.2014, 07:00
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Von Lars Fischer

Wie bekommt man Jugendliche ins Museum und schafft für die Altersgruppe attraktive Zugänge zur Kunst? Dieser Frage stellt sich die Kulturstiftung Landkreis Osterholz mit einem Projekt, das in diesem Frühjahr in der Großen Kunstschau in Worpswede anlaufen soll. Fotografisch begleitet stellen die Teilnehmer dabei Stimmungsbilder nach, die Bernhard Hoetger mit seinen Majoliken vorgegeben hat.

Was verbindet heute 13- bis 18-Jährige mit Keramikskulpturen von 1912? Zunächst einmal sicher nicht viel, aber das lässt sich ändern. Davon sind jedenfalls Karen Hammer und Karl-Heinz Marg von der Kulturstiftung Landkreis Osterholz überzeugt. Sie wollen in der Großen Kunstschau in Worpswede ein ungewöhnliches Projekt auflegen, um Jugendliche nicht nur in ihr Haus zu locken, sondern ihnen auch einen attraktiven Zugang zur Kunst aufzuzeigen. Ohne Zeigefinger, sondern mit Spaß und einem crossmedialen Ansatz.

„Majolika & Me“ heißt das Projekt, dessen Ausgangspunkt Skulpturen von Bernhard Hoetger (1874 - 1949) sind. Vor fast genau 100 Jahren schuf er einen Zyklus von 15 Figuren, die er zunächst als farbig bemalte Keramiken fertigte. Der Zyklus heißt „Licht- und Schattenseiten“, ist aber besser bekannt als Majoliken, benannt nach der Technik, die im 15. Jahrhundert in Italien entstanden war. Jede Figur stellt eine Stimmung oder Eigenschaft dar, jeweils als Gegensatzpaar. Am bekanntesten ist die zentrale Figur „Licht“, auch als der „Bonze des Humors“ bezeichnet – der lachende Buddha, der vor der Großen Kunstschau thront. Denn nach den rund 40 bis 60 Zentimeter großen Keramiken fertigte Hoetger einige der Figuren auch als (über)lebensgroße Skulpturen.

Licht- und Schattenseiten

Was diese Kunstwerke für Teens im 21. Jahrhundert attraktiv machen könnte, so die Idee des Projekts, ist die Zeitlosigkeit der dargestellten Zustände. Wut, Hinterlist, Hoffnung, Liebe, Glaube, Geiz oder Rache – das überdauert die Generationen und bleibt für jeden nachvollziehbar. Und genau darum soll es gehen: Was verbinden Jugendliche mit diesen Emotionen oder was setzen sie ihnen entgegen? In rund dreieinhalbstündigen Workshops soll das herausgearbeitet und mimisch dargestellt werden. Keine trockene Kunsthistorie, sondern eigenes Erleben, das zudem mit modernen Medien weiterverarbeitet wird.

Für die Teilnehmer gibt es einfache Digitalkameras zur Dokumentation, denn aus dem Alter, in dem sie gerne Bilder malen, sind die Teilnehmer wohl meistens herausgewachsen. Fotografie greift andererseits auch das Ursprungsthema „Licht und Schatten“ wieder auf. In einem weiteren Schritt könnte aus diesen Bildern ein Internet-Projekt entstehen, aber so weit ist die Planung noch nicht. Zunächst muss das Projekt angeschoben werden; in rund drei Monaten könnten die ersten Kurse starten, hofft Hammer. Mit Hartmut Balke ist bereits ein pädagogisch ausgebildeter Kursleiter im Hause beschäftigt. Und auch die Finanzierung des Angebots steht. Die Stiftung der Versicherungsgruppe Hannover (VGH) stellt 1700 Euro dafür zur Verfügung, Vorstandsmitglied Dirk Wurzer stellte das Projekt jetzt mit vor.

Angedacht sind zunächst zehn Workshops mit jeweils bis zu 20 Teilnehmern. Sollte es mehr Nachfrage geben, werde man entsprechend flexibel reagieren, verspricht Karen Hammer. Sie sucht die Kooperation mit Schulen, aber auch Konfirmanden oder andere Jugendgruppen in der entsprechenden Altersgruppe können sich zu „Majolika & Me“ anmelden.

„Majolika & Me“ soll ab dem Frühjahr in der Großen Kunstschau, Lindenallee 3 in Worpswede, laufen. Anmeldung per Telefon unter der Nummer 04792/ 9887880 oder vor Ort. Infos im Internet unter www.grosse-kunstschau.de.

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