Flüchtling aus dem Sudan hat einen Job in der Timker Landfleischerei gefunden – die hat lange gesucht Mit Freude bei der Arbeit

„Wir können passende Bewerber vorschlagen.“ Mentje Lünzmann, Freundeskreis Asyl Kirchtimke.
14.08.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Johannes Heeg

Asylbewerber dürfen nicht arbeiten? „Das war mal so“, sagt Mentje Lünzmann, „hat sich aber geändert.“ Die 27-jährige Lehrerin, die sich ehrenamtlich im Freundeskreis Asyl engagiert, muss nicht lange nach einem Beispiel suchen: Im Fleischereibetrieb ihres ebenfalls 27 Jahre alten Mannes Simon in Kirchtimke arbeitet Bakri, ein Flüchtling aus dem Sudan. Nur am Rande: Auch er wurde vor 27 Jahren geboren.

Der junge Mann, der Bakri gerufen wird, heißt eigentlich Abubaker Hassan Mohamed. Er hatte eine abenteuerliche Flucht hinter sich, als er vor gut einem Jahr über München nach Braunschweig gelangte und dann der Samtgemeinde Tarmstedt zugewiesen wurde. Zuvor war er aus seiner alten Heimat nach Ägypten geflohen, wo er ein Flüchtlingsboot bestieg, das ihn in sieben Tagen übers Mittelmeer nach Sizilien brachte. Über die Verhältnisse in seinem Geburtsland und seine Fluchtgründe will Bakri nicht sprechen. Nur so viel sagt er: „Ich musste dort weg.“ Zurück gelassen habe er drei Schwestern, acht Brüder und seine Eltern.

In Deutschland will Bakri ein neues Leben anfangen. „Er sucht eine Frau, will heiraten, eine Familie gründen und eine eigene Wohnung beziehen“, weiß Mentje Lünzmann, die Hauspatin seiner Unterkunft ist, die er mit vier weiteren Flüchtlingen bewohnt. Und vielleicht, sagt Bakri, werde er eines Tages ein eigenes Geschäft eröffnen. „Er möchte einfach nur ein ganz normales Leben führen“, sagt Lünzmann.

Die ersten Schritte dazu hat der junge Mann bereits getan. Seit zehn Monaten lernt er Deutsch, besucht dreimal die Woche den Sprachkursus, den der Freundeskreis Asyl im Gemeinschaftshaus Kirchtimke anbietet. Und seit vier Monaten hat er einen 450-Euro-Job bei der Timker Landschlachterei, die Simon Lünzmann vor drei Jahren von seinem Ausbilder Alfred Meyer übernommen hat. Und das kam so: „Wir haben zusammen mit den Flüchtlingen gegrillt, und dabei fiel uns auf, wie geschickt Bakri am Grill hantiert hat“, erzählt Mentje Lünzmann. Später habe sich herausgestellt, dass er früher in einem Restaurant gearbeitet hat, als Pizzabäcker und am Grill. „Da mein Mann für die Zubereitung von Suppen und Salaten eine Hilfskraft mit Küchenerfahrung gesucht hat, passte das sehr gut“, sagt sie.

Bakri sei nicht nur erfahren und geschickt in der Küche, sondern auch sehr flexibel. Sogar sonnabends und sonntags sei er einsetzbar und dabei stets gut gelaunt und höflich. „Ein Traum“, so Lünzmann, „so einen engagierten Mitarbeiter hat mein Mann lange gesucht.“

Bakris Weg ins Berufsleben sei gar nicht so bürokratisch gewesen wie anfangs befürchtet. „Neuerdings müssen Asylbewerber nur drei Monate im Land sein, ehe sie eine Arbeitserlaubnis beantragen können“, berichtet Mentje Lünzmann. Den Antrag schickt der künftige Arbeitgeber zusammen mit einer Stellenbeschreibung an die Ausländerbehörde beim Landkreis. Der fragt bei der Agentur für Arbeit nach, ob EU-Bürger sich für die Stelle interessieren. Ist das nicht der Fall, bekommt der Asylbewerber die Arbeitserlaubnis für den ausgeschriebenen Job. „Das geht auch mit Vollzeitstellen“, so Lünzmann.

Sie wünscht sich nun, dass auch andere Betriebe Flüchtlingen eine Chance geben. „Wer Bedarf an hoch motivierten und flexibel einsetzbaren Arbeitskräften hat, kann sich gerne bei mir melden. Der Freundeskreis Asyl hat alle Flüchtlinge in der Samtgemeinde nach ihren Berufen, Fähigkeiten und Interessen befragt. Wir können also passende Bewerber vorschlagen. Und wir würden uns auch um die Anträge kümmern, falls das gewünscht wird“, bietet Lünzmann an.

Mentje Lünzmann ist unter 0 42 89 / 239 sowie per E-Mail unter mentje.w@web.de zu erreichen.

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