Juristen weisen Landkreis-Klage ab Mit IGS-Plänen vor Gericht gescheitert

Stade·Kreis Osterholz. Eine Integrierte Gesamtschulen (IGS) mit drei Standorten in Lilienthal, Grasberg und Worpswede wird es bis auf weiteres nicht geben. Das Stader Verwaltungsgericht lehnte gestern die Klage des Landkreises gegen den Ablehnungsbescheid der Landes ab.
29.10.2010, 05:00
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Von Susanne Helfferich

Stade·Kreis Osterholz. Eine Integrierte Gesamtschulen (IGS) mit drei Standorten in Lilienthal, Grasberg und Worpswede wird es bis auf weiteres nicht geben. Das Stader Verwaltungsgericht lehnte gestern die Klage des Landkreises gegen den Ablehnungsbescheid der Landes ab.

Der Kreis strebt eine IGS mit drei Standorten im Ostkreis an. Das lehnte die Landesschulbehörde ab. Ihre Vermutung: Hier solle die Vorgabe der Mindestgröße für eine IGS umgangen werden. Die muss nach den Vorgaben der Landesregierung mindestens fünfzügig sein. Kernfragen, mit der sich die 3. Kammer des Verwaltungsgerichts beschäftigte, waren zum einen, ob das Schulgesetz zwingend nur einen Schulstandort verlangt, und zum anderen, ob die Erfüllung des Bildungsauftrags durch mehrere Standorte gefährdet sei. Zweieinhalb Stunden lang erörterte das Gericht mit den beiden Parteien die unterschiedlichen Standpunkte. Bernd Schwarznecker von der Landesschulbehörde vertrat die Ansicht, eine IGS an mehreren Standorten stehe nicht im Einklang mit dem Schulgesetz. Allenfalls seien Außenstellen erlaubt, etwa bei vorübergehend gestiegenen Schülerzahlen.

Der Landkreis Osterholz findet darüber keine Aussage im Schulgesetz. 'Ich kann dem Gesetz nicht entnehmen, dass eine Stammschule gefordert wird. Und wenn es so wäre, haben wir vorsorglich Lilienthal als Hauptsitz genannt', erklärte der Verwaltungsrechtler Giso Hellhammer-Hawig. Auch sei 'aus dem Schulgesetz nicht herauszulesen, dass Außenstellen eine Ausnahme sind.' Dem Ansatz der Schulbehörde widerspreche die Praxis, meinte die Kreisdezernentin und Erste Kreisrätin Heike Schumacher: 'Wir haben schließlich jahrzehntelange Erfahrungen mit gymnasialen Außenstellen in kollegialer Schulleitung.' Die Entfernungen der Standorte untereinander - sechs bis elf Kilometer - seien für die Lehrer nicht unzumutbar.

Das sieht die Landesschulbehörde anders. Die Standorte seien zu weit voneinander entfernt, um ein gemeinsames Schulleben zu entwickeln, betonte Schwarznecker. Fachkonferenzen, die bei der IGS besonders intensiv seien, würden erschwert. Auch sei die äußere Differenzierung nach Leistungsstand in drei kleinen Einheiten nur schwer umsetzbar.

Dem hielt der Landkreis entgegen, dass die äußere Differenzierung erst ab der 7. Klasse und dann auch nur in zwei Fächern notwendig sei sowie ab der 8. und 9. Klasse jeweils in einem weiteren Fach. In diesen Fächern könne dann jahrgangsübergreifend differenziert unterrichtet werden.

Bernd Francksen, ehemaliger IGS-Leiter in Osterholz-Scharmbeck und vom Kreis als Beistand in pädagogischen Fragen hinzugezogen, versteht die Ablehnung nicht. 'Kein Schulleiter kommt am Bildungsauftrag vorbei. Und gemeinsames Schulleben kann an außerschulischen Lernorten oder bei gemeinsamen Fahrten erlebt werden.'

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