Ausstellung zum Weltfrauentag Mit Kunst gegen ein Tabu

Von Monika Fricke
10.03.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Von Monika Fricke

Hambergen. "Es ist ein Thema, über das wir reden müssen", sagte Samtgemeindebürgermeister Bernd Lütjen, als er am Weltfrauentag die Ausstellung "Maximum Machtmissbrauch" im Hamberger Rathaus eröffnete. Es sei eine ungewöhnliche Ausstellung, so Lütjen, die nach einer Idee der Gleichstellungsbeauftragten der Samtgemeinde, Cerry Ziel, entstand. Die Künstlerin Julia Ebeling hatte sich ursprünglich 2011 mit ihren Exponaten zum Thema "Machtmissbrauch" für das "CreARTour"-Kunstwochenende in der Samtgemeinde beworben. Den Gedanken dann aber verworfen, da der Rahmen nicht passte. Doch zum Weltfrauentag, so fand Cerry Ziel, passe das Thema genau.

Dass die Ausstellung im Keller des Rathauses präsentiert wird, sorgte im Vorfeld für Kritik von der Öffentlichkeit. Die Gleichstellungsbeauftragte erklärte dazu, dass das Untergeschoss bewusst gewählt wurde, damit die Rathausbesucher die Ausstellung nicht nur im Vorbeigehen betrachten: "Sie sollen sich für das Thema Machtmissbrauch Zeit nehmen und in aller Ruhe die Darstellungen von Gewalteinwirkungen und Texte auf sich wirken lassen. Wir wollten die Ausstellung nicht in den Keller verbannen", so Cerry Ziel.

Die kleine Präsentation zeigt Geschichten über Gewalteinwirkungen aus dem tiefsten Innern von Frauen. "Hier soll das Thema Gewalt betont werden, und nicht verbannt", so die Gleichstellungsbeauftragte. Im Rahmen der Achtsamkeit verdiene die Ausstellung Achtung und Respekt sowie die Zeit des Betrachters, um sie in Ruhe auf sich wirken zu lassen. "Es sind auch Opfer unter den Besuchern der Ausstellung", so Ziel. Sie wünschte sich, dass die ungewöhnliche Präsentation eine Botschaft für tief empfundenes Mitgefühl für die Opfer werde.

An die Gäste der Ausstellung gewandt, appellierte Ziel, dass es wichtig sei, dass Menschen gegenseitig ein gesundes Vorbild abgeben: "Wir werden Gewalt nie vermeiden können." Die Künstlerin Julia Ebeling dankte der Samtgemeinde, dass sie die Ausstellung genehmigte. Sie zitierte zur Ausstellungseröffnung Zeilen aus dem "Brunnenlied" von Richard Dehmel. Musikalisch begleitete die Sängerin Schné (Henrike Krügener) mit Gitarrenklängen und eigenen Kompositionen zu Dünnhäutigkeit und Sensibilität die Eröffnung. Häusliche Gewalt sei ein Tabuthema, "man spricht darüber nicht", sagte Julia Ebeling. "Ich wünsche mir, dass mehr über die Thematik als über den Rathauskeller diskutiert wird." Ihr Anliegen sei es, mehr Verständnis in der Gesellschaft zu bewirken, das Wegschauen zu beenden.

Die Ausstellung zeige nicht nur Negatives, so die Künstlerin. Sie könne Heilung und Entwicklung für Menschen bewirken, bei Betroffenen könne sie Hoffnung und Mut auslösen. Machtmissbrauch sei Alltag und Realität in der Gesellschaft. Cerry Ziel wünschte sich, dass Menschen über "Machtmissbrauch" ins Gespräch kämen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+