Telescopium am Borgfelder Landhaus soll in rund acht Wochen in Betrieb gehen / Noch Restarbeiten nötig Mit Motorkraft auf Sternensuche

Lilienthal. Mehr als zehn Jahre hat es gedauert, bis eine Vision wahr wurde. Jetzt ist es fertig – das 600 000 Euro teure Telescopium als außerschulischer Lernort und touristischer Blickpunkt am Lilienthaler Ortseingang.
05.12.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Göckeritz

Mehr als zehn Jahre hat es gedauert, bis eine Vision wahr wurde. Jetzt ist es fertig – das 600 000 Euro teure Telescopium als außerschulischer Lernort und touristischer Blickpunkt am Lilienthaler Ortseingang. Kürzlich wurde der begehbare und rund sieben Meter hohe Nachbau eines historischen Observatoriums mit großer Beteiligung eingeweiht. Ende Januar soll der Betrieb starten. „Bis dahin werden wir nur noch an kleineren Stellschrauben drehen“, berichtet Klaus-Dieter Uhden.

Aus Richtung Bremen ist es besonders gut auszumachen, das Lilienthaler Telescopium auf dem Gelände des Borgfelder Landhauses. Hier hat eine gemeinnützige Stiftungsgesellschaft mit Geschäftsführer Uhden an der Spitze den Nachbau eines 27-füßigen Spiegelteleskops aus dem Jahr 1793 mit Unterstützung von Sponsoren verwirklicht (wir berichteten ausführlich). Damit haben Interessierte die Möglichkeit, den Himmel bei Nacht ober bei Tag zu beobachten. Jetzt müssen nur noch Restarbeiten erledigt werden.

Arbeiten am Fahrwerk

So soll das Fahrwerk, mit dem sich die Kuppel des Observatoriums in die gewünschte Himmelsrichtung drehen lässt, einen Motorantrieb erhalten. Danach soll das Teleskop in einem so genannten „first light“ auf ein Objekt im Himmel ausgerichtet und die Optik geprüft werden. Der Einbau des Motors und der erste „Probeblick“ durch das Fernrohr sollen in diesem Jahr abgearbeitet sein. Im Januar folgt dann die nächste Stufe. Dann geht es um mechanische Tests – im Detail um Erprobungen, wie weit sich das Fernrohr senkrecht in Richtung Zenit und waagerecht in Richtung Horizont ausrichten lässt. Wenn auch hier verlässliche Daten vorliegen, soll das Lilienthaler Telescopium Ende Januar in Betrieb gehen.

Öffnungszeiten im herkömmlichen Sinn wird es nicht geben. Anmeldungen und Bestätigungen werden ausschließlich über das Internet abgewickelt. Wer Interesse hat, kann sich über die Homepage www.telescopium-lilienthal.de unter dem Menüpunkt Besucher anmelden und erhält von den Betreibern, dem Bremer Unternehmen machtWissen AG, eine Bestätigung und einen Termin. Die fachliche Begleitung übernimmt die Astronomische Vereinigung Lilienthal (AVL), die über einen großen Stamm von Astronomen verfügt und die Besucher an die Hand nimmt. Voraussichtlich werden jeweils Gruppen von fünf oder sechs Himmelsbeobachtern zusammengestellt, die nach einer ausführliche Einführung im Borgfelder Landhaus auf die Beobachtungsplattform des Observatoriums geführt werden und den Himmel beobachten können. Je nach Wetter wird die Dauer des Astro-Programms variieren, erklärt Uhden weiter.

Die Eintrittspreise stünden nach aktuellem Stand noch nicht fest und müssten noch zu Ende kalkuliert werden. Klar sei, dass die Preisgestaltung nach Kindern, Erwachsenen und Gruppen wie Schulklassen unterscheide, wie Uhden ankündigt. Klar sei auch, dass die Betreiber den Kontakt zu den Schulen der Region und in Bremen aufbauen und pflegen werden. Erste Gespräche mit der Behörde haben nach Auskunft des Stiftungsgeschäftsführers stattgefunden. Ansonsten setzt man beim Marketing auf Eigenwirkung. Das Lilienthaler Telescopium sei in seiner Art deutschlandweit einzigartig und werde von der interessierten Öffentlichkeit aufmerksam wahrgenommen. „Deshalb müssen wir niemanden anschreiben, unser Angebot spricht sich sehr schnell rum“, ist der Macher überzeugt. Effekte erwartet man auch von befreundeten Sternwarten in Spanien und Irland und einer Kooperation mit der Bremer Olbers-Gesellschaft. Abgerundet werden soll der Betrieb mit Veranstaltungen zu den Themen Luft- und Raumfahrt sowie Astronomie. Hierzu soll zu mindestens drei Vorträgen im Jahr mit herausragenden Persönlichkeiten und Referenten eingeladen werden. Kooperieren wollen Stifter und Betreiber auch mit der Lilienthaler Bürgerstiftung. So wird unter anderem über Pläne eines Astrolehrpfads mit Infotafeln vom Observatorium zum Kindermuseum an der Klosterstraße nachgedacht.

Hinter dem Telescopium steht die gemeinnützige Stiftungsgesellschaft Telescopium Lilienthal mbH als Eigentümerin. Den Betrieb übernimmt die Bremer machtWissen, die eine Miete an die gGmbH überweist. Das Observatorium steht auf einem Grundstück des Spenders und Kaufmanns Theo Bührmann, mit dem die Stifter einen Pachtvertrag abgeschlossen haben.

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