Ausschuss stellt Geld für mobile Defibrillatoren bereit / Verwaltung will kreisweites Konzept erstellen Mittel für schnelle Hilfe

Landkreis Rotenburg. Wenn das Herz plötzlich stehen bleibt, zählen Minuten. Um schnell helfen zu können, wird nun auch im Kreis Rotenburg auf öffentlich zugängliche Defibrillatoren gesetzt. Die Mitglieder des Feuerschutzausschusses sprachen sich dafür aus, kommendes Jahr eine Summe von 20000 Euro bereitzustellen, damit in den Kommunen solche mobilen Geräte angeschafft werden können.
04.12.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Ulrike Prange

Landkreis Rotenburg. Wenn das Herz plötzlich stehen bleibt, zählen Minuten. Um schnell helfen zu können, wird nun auch im Kreis Rotenburg auf öffentlich zugängliche Defibrillatoren gesetzt. Die Mitglieder des Feuerschutzausschusses sprachen sich dafür aus, kommendes Jahr eine Summe von 20000 Euro bereitzustellen, damit in den Kommunen solche mobilen Geräte angeschafft werden können.

Die Entscheidung im Gremium geht zurück auf einen Antrag der SPD-Kreistagsfraktion, der auf die Verbesserung der Versorgung durch Ersthelfer abzielt. Wenn Kommunen, Vereine oder andere Institutionen sich engagieren und die so genannten Laiendefibrillatoren anschaffen, sollte der Landkreis dies unterstützen, hieß es in der Begründung. Besonders wichtig seien Standorte, die Rettungswagen wegen ihrer Lage nicht so schnell erreichen können.

Den Antrag wertete Ausschussvorsitzender Klaus Mangels (CDU) als "ein Aufmerksammachen darauf, dass bisher nicht viel passiert ist" und wies darauf hin, dass das Thema laut Protokoll bereits in den beiden vergangenen Jahren angesprochen worden sei. Ursprünglich hatten die Sozialdemokraten 10000 Euro im Sinn - um ein Zeichen zu setzen, dass sich in dieser Hinsicht etwas tut. "Vielleicht gibt es ja dann noch Spenden", spekulierte Rüdiger Bruns (SPD) auf Nachahmer. Dieser Betrag wurde von der CDU noch einmal auf das Doppelte erhöht. Denn bei Kosten von 1600 Euro pro Gerät könnte so jede der Rotenburger Kommunen ein Gerät bekommen, hatte das Hepstedter Ausschussmitglied Henri Blanken ausgerechnet.

Die Kosten für die Geräte sind eine Sache, Schulungen für Kurse derjenigen, die im Ernstfall die Geräte bedienen sollen, eine andere. Mit der Anschaffung der Automatisierten Externen Defibrillatoren (AED) sei es nicht getan, bemerkte Silke Hinze, Leiterin des Betriebs Rettungsdienst. Auch die Helfer müssten organisiert werden. Dem stimmte Heiko William, Arzt und seit Jahren beim Verein zur Förderung der Notfallversorgung (VFN) engagiert, zu: "Bei aller Euphorie: Die Herz-Lungen-Wiederbelebung muss beherrscht werden, erst dann hilft der mobile Defibrillator."

Kreis-Dezernentin Heike von Ostrowski schlug vor, zuerst ein Konzept zu erstellen und zu schauen, wo bereits mobile Defibrillatoren zur Verfügung stehen. Intern habe es diesbezüglich bereits Überlegungen gegeben, für ein Konzept habe es allerdings noch nicht ausgereicht, räumte sie ein. Bis zur Frühjahrssitzung wolle man das aber nachholen und eine Bestandsaufnahme mit den Kommunen und dem Gesundheitsamt erarbeiten. Erst das Konzept, dann die Frage der Finanzierung - auf diese Reihenfolge wollten sich die Ausschussmitglieder nicht einlassen. Als Signal sollte man das Geld zur Verfügung stellen, schlug Thomas Lauber (Grüne) vor. "Wenn es die Geräte gibt, ist das Geld dann auch da." Das sei schließlich auch eine Willensbekundung seitens der Politik, sagte Bernd Petersen (WFB). Den Sachstand zu ermitteln, sei aber dennoch sinnvoll, betonte Reinhard Trau (CDU). Wenn nun beispielsweise ein kleiner DRK-Ortsverein AED anschaffen und Freiwillige schulen möchte, sollte man in der Lage sein,

dieses Engagement gleich zu unterstützen und nicht erst ein Konzept abwarten, sagte Rüdiger Bruns.

Die Ausschussmitglieder hoffen, dass ihr Impuls, Mittel für AEDs bereitzustellen, gleichsam als Appell an die Bevölkerung gewertet wird, sich an den Geräten und der Herz-Lungen-Wiederbelebung schulen zu lassen. Solche Kurse bietet zum Beispiel der VFN an, bemerkte Wolfgang Wahl, der die Sitzung als Zuhörer verfolgt hatte. Der VFN hat bereits über 5000 Menschen geschult. Wichtig sei, den Teilnehmern in den wenigen Stunden, die der Kursus dauert, die Angst zu helfen zu nehmen. Schließlich, bemerkte William, sinke mit jeder Minute zwischen Herzstillstand und Eintreffen des Rettungsdienstes die Überlebenschance. Sein und Wahls Ziel ist daher: Jeder Erwachsene müsste in der Lage sein, einen Menschen wiederzubeleben. "Es müsste einfach chic sein, dies zu können."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+