Ehemalige Tontechnikerin hat ein umfangreiches Audio-Archiv Monika Götz-Bellmer lässt die Vergangenheit erklingen

Von Monika Fricke
04.12.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Monika Fricke

Worpswede. Originaltöne und Musik aus dem vergangenen Jahrhundert, als das Radio noch große Bedeutung hatte, sammelte Monika Götz-Bellmer, ehemalige Tontechnikerin und Autorin von Radio Bremen, in ihrem privaten Archiv. Mit ihrer originalen Funkhaus-Tontechnikanlage aus den 60er Jahren lässt sie prominente Persönlichkeiten aus Politik und Kunst aufleben.

Tondokumente aus dem 20. Jahrhundert, zum Beispiel von Kaiser Wilhelm II, Friedrich Ebert, Bundespräsident Lübke und vielen anderen Persönlichkeiten, erklingen in Originaltönen mit passender Musik der Epoche. Auch eine reiche Auswahl an Musikstücken des vergangenen Jahrhunderts gehört zum Archiv von Monika Götz-Bellmer (www.historyradio.de).

Als 17-Jährige begann sie eine Lehre als Tontechnikerin bei Radio Bremen. Neben den technischen Aufgaben im Tonstudio reizte sie die Arbeit als Autorin von Radiosendungen, "1970 bekam ich meine erste eigene Radiosendung im Kinderprogramm." Sie erarbeitete populäre Sendungen für das Sonntagsmagazin von Karl-Heinz Calenberg, zum Beispiel ein Portrait über Hans-Günther Oesterreich, und ließ die Familienserie "Familie Meierdierks" wieder aufleben. Biografien berühmter Bremer bearbeitete sie in "Wort und Musik". An ein Interview mit dem Schauspieler und Showmaster Hans-Joachim Kulenkampff erinnert sie sich noch gut. Er besuchte sie in ihrem Bremer Haus und erzählte drei Stunden lang über sein Leben.

Auch Paul-Dieter Kümper, ehemaliger Chefreporter von Radio Bremen, erzählte ihr aus seinem Berufsleben. Geschichtliches, Politik und Biografien interessierten die Autorin besonders. "Zusammenhänge, die man hört, kann man viel besser verstehen, als wenn man sie trocken liest." Götz-Bellmer schrieb die Texte zum "akustischen Streifzug" anlässlich 50 Jahre Radio Bremen (1945 bis 1995), die Gerd Mindermann moderierte. Mit 58 Jahren ging sie unfreiwillig in Pension. Seitdem hat sie viel Zeit für andere Aufgaben, die sie innerlich bewegen. So entstanden in den vergangenen Jahren zwei Bücher. In "Von Gockeln, frechen Stechern und anderen kleinen Wichten" beschäftigt sie sich mit der Partnersuche in den Medien. Im 2. Buch befasst sie sich mit Diskussionen der Ober- und Unterschicht und beschreibt die eigenen Lebensgeschichten ihrer weiblichen Vorfahren im Stadtteil Oslebshausen. Titel: "Sag mir, woher du kommst, dann?.". Die Bücher gibt es nur direkt bei der Autorin.

Ihre Erfahrungen beim Radiosender gibt sie zurzeit ehrenamtlich Schülerinnen und Schülern in Walsrode weiter. "Ich zeige ihnen, wie Radio gemacht wird." Götz-Bellmer gesteht, dass sie gerne Lehrerin geworden wäre. Vor fünf Jahren zog die vielseitige Künstlerin von Bremen in den Walter-Bertelsmann-Weg. Das Wohnhaus der Pensionärin fällt dem Besucher im Künstlerdorf auf: Skulpturen, Fenster- und Wandbilder, in leuchtenden Farben, bei denen ein kräftiges Rot dominiert, zieren die Fassade des Hauses. Das Malen wurde neben dem Schreiben ein neuer Zeitvertreib von Götz-Bellmer. Ihr Lehrmeister war der Maler Ernst Bosse-Michaelsen aus Worpswede.

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