Kreisabfallwirtschaft

Müllgebühren bleiben stabil

Ein erneut positives Jahresergebnis 2019 sorgt bei der Kreisabfallwirtschaft Osterholz für zufriedene Gesichter. Die anhaltende Entspannung an der Gebührenfront wird auch ins nächste Jahr hinein andauern.
26.06.2020, 20:18
Lesedauer: 3 Min
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Müllgebühren bleiben stabil
Von Bernhard Komesker
Müllgebühren bleiben stabil

Beliebt sind bei den Bürgern die 240-Liter-Abfallbehälter.

Christian Kosak

Landkreis Osterholz. Entsorgungssicherheit und Gebührenstabilität: Das sind weiterhin die Schlüsselziele der Osterholzer Kreisabfallwirtschaft. Zum zehnten Mal in Folge, so berichtete Dezernent Werner Schauer jetzt im Werksausschuss des Kreistags, habe der Eigenbetrieb 2019 ein gegenüber dem Wirtschaftsplan deutlich verbessertes Jahresergebnis erzielt. „Wir sind bestrebt, dass das auch so bleibt“, sagte Schauer. Statt der erwarteten 312 000 Euro betrug das Plus am Ende des vergangenen Jahres rund 435 600 Euro.

Fast die Hälfte dieser Summe, knapp 217 000 Euro, kommt dem Gebührenzahler zugute: Als Rückstellung, die den allgemeinen Preisanstieg abpuffert. Das Polster hatte zu Jahresbeginn eine Größe von rund 1,08 Millionen Euro, die nun bis Ende 2021 zugunsten der zahlenden Privathaushalte aufgelöst werden. Dass die Kreisabfallwirtschaft seit 2020 höhere Entsorgungskosten zu tragen hat, davon bekommt der Bürger einstweilen nichts mit. Für die Jahre 2022 bis 2024 lässt Schauers Abteilung die Gebühren dann ohnehin neu kalkulieren.

Von der anderen Hälfte der 435 600 Euro profitiert zum Teil der Fiskus, denn darin steckt auch eine Gewinnausschüttung der Abfallservice Osterholz GmbH (Aso); an dem Dienstleister ist der Landkreis zu 51 Prozent beteiligt und vor allem dem Aso-Überschuss ist das deutlich bessere Jahresergebnis der Kreisabfallwirtschaft zu verdanken, so die Verwaltung. Mehr veranlagte Haushalte, häufigere Leerungen und größere Müllmengen ließen die Erträge und Ausgaben im vergangenen Jahr steigen und trieben diese am Ende um 80 000 Euro (Einnahmen) beziehungsweise 117 000 Euro (Materialaufwand) über den Plan-Ansatz hinaus.

Mehr Leerungen

Vor allem die 240-Liter-Tonnen (und von diesen besonders die braunen) wurden von den Bürgern wesentlich häufiger als im Vorjahr an die Straße gestellt. Das zu entsorgende Gesamtgewicht beim Inhalt der Restmülltonnen ging demgegenüber binnen Jahresfrist um vier Prozent zurück. Die Bonus-Malus-Regelung bei der grauen Tonne fußt Schauer zufolge darauf, dass pro Person und Woche acht Liter Restmüll zu entsorgen sind. Durchschnittlich benötigt wurden im Vorjahr 8,3 Liter. Es sei positiv, dass man bei den Gebühren so gut taxiert habe und immer mehr Bürger die Biotonne für sich entdeckten, sagte Schauer.

Von den 435 600 Euro Jahresergebnis gehen laut einstimmigem Ausschussvotum 150 000 Euro in die gesetzlich vorgesehene Rücklage des Eigenbetriebs, der damit unter anderem die Nachsorgekosten für die Deponie Sandhausen bestreitet; das gesamte Eigenkapital ist auf nunmehr 1,79 Millionen Euro angeschwollen. Als Bilanzgewinn blieben im Vorjahr 7740 Euro, die an den Landkreis Osterholz abgeführt werden. Das entspricht laut Werner Schauer der kalkulatorischen Verzinsung des gebundenen Landkreiskapitals. „Dass die Müllabfuhr im Landkreis auch nächstes Jahr nicht teurer wird, ist in diesen Zeiten eine wichtige Aussage“, urteilte Wilfried Pallasch von der Bürgerfraktion, der das als Lob für die Beteiligten verstanden wissen wollte.

Dörte Gedat von den Grünen blickte voraus und erklärte, für eine zukunftsfähige Entsorgung müsse das System weiterentwickelt werden. Es müsse daher auch investiert werden, so wie nun demnächst in die geplante Bioabfallvergärungsanlage. „Wenn es keine erheblichen Gebührensteigerungen nach sich zieht, dann begrüßen wir das sehr und freuen uns darauf“, gab Gedat zu Protokoll. Die Grüne ließ sich von Aso-Geschäftsführer Christof von Schroetter erklären, die gewerbliche Grünabfallkompostierung durch Anbieter in der Gemeinde Schwanewede sei keine unmittelbare Konkurrenz für das Heilshorner Projekt, welches wegen der Gasausbeute auf die Biotonne der Privathaushalte ausgelegt werde. Freilich sei man offen auch für die Entsorgung von weiterem Grünabfall.

Bernd Rugen (Linke) erfuhr auf Nachfrage, dass die Öffnungszeiten der Wertstoffhöfe sowie die aktuellen Müllgebühren indirekt miteinander zusammenhängen: Eine Ausdehnung der Zeiten würde die Personalkosten steigen lassen; und ob die Rechnung auch bei mutmaßlich steigenden Umsätzen dann noch aufgeht sei fraglich, so Werner Schauer. Möglicherweise wäre mehr Service vor Ort nicht ohne Gebührenerhöhung finanzierbar. Aso-Manager von Schroetter sagte, aktuell sehe er keine Notwendigkeit dazu, die Höfe in Schwanewede und Lilienthal länger zu öffnen.

698 Kilo Müll pro Einwohner

Nach der Abfallmengenstatistik, die den Abgeordneten jetzt ebenfalls vorgelegt wurde, sammelte die Aso im vergangenen Jahr für den Landkreis 79 477 Tonnen Siedlungsabfall ein. Das entspricht einer Jahresmenge von 698 Kilogramm Müll pro Einwohner; darin enthalten sind unter anderem 113 Kilogramm klassischer Hausmüll sowie fast ebenso viel hausmüllähnlicher Gewerbeabfall und 47 Kilogramm Sperrmüll pro Kopf und Jahr. Immerhin 62 Prozent des gesamten Abfallaufkommens aus dem Kreisgebiet werden laut Statistik verwertet, der Rest geht in die Verbrennung. Ein bleibendes, bundesweites Problem sind nach den Worten von Christof von Schroetter die vielen sogenannten Fehlwürfe im Gelben Sack, deren Inhalt bei der Aso umgeschlagen werde.

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