Freilichtbühne Lilienthal

Mütter sind der Motor in einem Märchen für alle

Einen perfekten Saisonstart hatte die Lilienthaler Freilichtbühne mit ihrem Familienstück „Schneewittchen und die sieben Agenten“.
28.05.2017, 14:23
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Mütter sind der Motor in einem Märchen für alle
Von Undine Zeidler

Lilienthal. Wenn die Heldin von der Bühne herunter fragt, ob sie in das Haus hinter sich hineingehen solle, und ein Chor Erwachsener laut „Ja“ ruft, dann macht dieses Theaterstück seinem Genre alle Ehre. Familienstück nennt die Freilichtbühne Lilienthal ihr „Schneewittchen und die sieben Agenten“, und sowohl die Kinder auf den Decken dicht an der Bühne als auch die Erwachsenen auf den Zuschauerbänken hatten sichtlich Spaß daran. Am Ende der Premierenvorstellung gab es Standing Ovations und Johlen für eine witzig-spritzige Inszenierung mit vielen liebevollen Details.

Der Name des Stücks ließ ahnen: „reine“ Gebrüder Grimm können das nicht werden. In der Bearbeitung von Autorin Christa Rieken vereinen sich Märchen und Humor auf gelungene Weise. Das Ganze von Elke Ohlrogge inszeniert, mit einem groovigen Sound von Marcus Schirmer unterlegt und vor den märchenhaften Kulissen von Gerti Trautvetter und Uli Wolf von einem hinreißenden Ensemble gespielt ergab eine Vorstellung mit viel Gelächter und Szenenapplaus.

In zwei Besetzungen aufgeteilt spielen rund 50 Akteure. Bei der Premiere lebte jeder von ihnen seine Rolle. Da waren die keifende Königin Drusilla (Nadine Fink), die sich ihrer Stieftochter Schneewittchen entledigen wollte, oder der kleine Frischling aus dem Wald, der vor dem Abgang nochmal mit dem Wildschweinpo wackelte. Oder Drusillas Sohn Bernd (Knut Höhn). Der große Junge einfachen Gemüts maulte mal, „Du siehst aus wie Mutti“, als der Spiegel Drusilla noch nicht sagte, wie schön sie sei. Später, als Drusilla mit Bernd zusammen in die sieben Berge fahren wollte, um Schneewittchen mit einem vergifteten Apfel zu töten, versuchte er sich im Protest: „Du Mutti, ich will das jetzt nicht so gerne.“

„Mutti“ dürfte im Übrigen das geflügelte Wort dieser Spielzeit werden. Nicht nur Bernd hadert mit seiner Königin-Mutti. Im benachbarten Königreich der guten Königin Mathilde gibt es auch einen Sohn. Vom Tennisplatz zum Geheimauftrag versetzt nörgelte auch Paul (Henrik Müller) über seine Mutti. Als Jäger verkleidet sollte er Schneewittchen retten und fand in den „international anerkannten Spezialagenten“ alias den sieben Zwergen Verbündete. Nur zur Tarnung stülpten diese manchmal hastig ihre Zipfelmützen auf.

Doch ohne einen weiteren Helfer hätten sie Schneewittchen trotzdem nicht von Drusilla befreien können. Zum Glück gab es noch den Zauberspiegel Lars. Im funkelnden Silberkostüm spielte Manon Josef ihn wunderbar launisch und so wurde am Ende alles gut – so wie Märchen nun mal sind.

Weitere Vorstellungen am 3. und 5. Juni jeweils 17 Uhr, 21. Juni 20 Uhr, und nach den Sommerferien ab 29. Juli. Alle Termine unter www.freilichtbuehne-lilienthal.de.

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