Stunde der Wintervögel Spatz von Kohlmeise überholt

Bereits zum zwölften Mal hat der Naturschutzbund Deutschland in diesem Jahr zur Zählaktion "Stunde der Wintervögel" aufgerufen. Zeit für eine erste Zwischenbilanz.
23.01.2022, 00:00
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Spatz von Kohlmeise überholt
Von Brigitte Lange

Landkreis Osterholz. Zu einer besonderen Art der Inventur hatte der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) für das vergangene Wochenende aufgerufen: Vom 6. bis 9. Januar sollten möglichst viele Menschen Vögel zählen und ihre Ergebnisse melden. Nicht um die Vögel in Wald und Flur, sondern um die in Siedlungsbereichen ging es dem Nabu und seinem bayerischen Partner, dem Landesbund für Vogelschutz (LBV). Und das bundesweit.

Noch liegt kein Endergebnis vor. Denn Meldeschluss ist der 17. Januar. Schließlich erreichen die Naturschützer die Zahlen nicht allein übers Internet. Auch auf dem regulären Postweg gehen bei ihnen die Meldebögen ein. Eine erste vorsichtige Zwischenbilanz ist aber bereits möglich.

Viele Erstzähler

Die Zahlen, die den Naturschützern bis jetzt vorliegen, scheinen demnach den seit Jahren zu beobachtenden Abwärtstrend bei den Bestandszahlen zu bestätigen. So teilt der Bundesverband mit, dass im Schnitt 36 Vögel pro Garten gezählt wurden. "Das ist unter dem langjährigen Durchschnitt von statistisch 39,1 Vögeln." Einerseits könne das daran liegen, dass viele der 150.000 Teilnehmer (Stand 12. Januar)  sich zum ersten Mal beteiligt hätten. Und Neulinge würden meist weniger Vögel melden, hat der Nabu beobachtet. "Andererseits passt das leider in die negative Entwicklung der letzten Jahre; seit Beginn der Aktion haben die Wintervogelzahlen merklich abgenommen." Auch diese Lesart der gemeldeten Zahlen ist möglich.

Zudem herrschten in Teilen Deutschlands während der Aktion für diese Jahreszeit milde Temperaturen. Auch das habe Einfluss auf die Zahl der Futterhaus-Gäste, bestätigt der Nabu-Bundesverband. Bei Frost und Schnee suchten deutlich mehr Vögel die Futterstellen in den Gärten auf.

Blaumeisen leicht erholt

Bundesweit und auch in Niedersachsen hat aktuell der Spatz den Schnabel vorn. Er wurde am häufigsten an Futterstellen und in Parks gesichtet. Im Landkreis Osterholz macht ihm - bis jetzt - die Kohlmeise diesen Platz streitig. 1197 Exemplare von ihr wurden von den 383 Vogelfreunden, die sich an der Aktion nach jetzigem Stand beteiligt haben, in 249 Gärten gesichtet. Umgerechnet seien das 4,81 Exemplare je Garten. Der Spatz hat es in dieser Zwischenbilanz auf 4,32 Exemplare je Garten geschafft; 1076 gemeldete Hausspatzen im gesamten Landkreis. Ob diese Rangfolge bis zum Ende der Meldefrist erhalten bleibt, muss sich noch zeigen.

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Zu den positiven Beobachtungen gehört, dass die Zahl der gesichteten Blaumeisen wieder leicht gestiegen ist. "Für die Blaumeise könnte das bedeuten, dass sie sich von den Einschlägen durch das Suttonella-Bakterium in den letzten beiden Jahren leicht erholt hat", hoffen die Naturschützer. Im Landkreis Osterholz rangiert die kleine Meise mit aktuell 1038 Gesamtsichtungen direkt hinter dem Haussperling auf Platz drei. Den hatte sie in der Region allerdings auch 2021 verteidigt. Tatsächlich konnte die Blaumeise seit Beginn der Winter-Zählung in 2011 hier einen Platz nach oben gut machen: Vor elf Jahren rangierte noch der Feldsperling auf Rang drei. Die Blaumeise bekam damals den vierten Platz im Kreis Osterholz.

Auf diesem pickt zurzeit die Amsel Sämereien an Osterholzer Futterstellen - und wurde damit seltener gesichtet als in ganz Niedersachsen. Auf das Bundesland bezogen, wurden so viele Amseln gezählt, dass sie sich von ihrem vierten Platz in 2021 auf Platz drei in diesem Winter hocharbeiten konnten. Auch dies für die Naturschützer eine erfreuliche Nachricht. Schließlich hatte das Usutu-Virus in den vergangenen Jahren im Bestand der Amseln gewütet.

Viele Waldvögel

Auffällig sei außerdem, dass in diesem Jahr viele Waldvögel gemeldet worden seien, berichtet der Vogelexperte Rüdiger Wohlers vom Nabu Niedersachsen und nennt den Eichelhäher als Beispiel. Bereits jetzt - also noch vor Ablauf der Meldefrist - hat er mit 154 gesichteten Hähern den 2021 gemeldeten Bestand von 126 Tieren deutlich übertroffen. Im Landkreis Osterholz ist der Eichelhäher somit von Platz 19 im Jahr 2021 auf Platz 16 in diesem Winter geflattert. Dass Waldvögel wie diese mehr gesichtet wurden, erklärt sich der Nabu mit dem Futterangebot im Wald. Dieses Jahr scheine es weniger Baumfrüchte zu geben, heißt es aus Berlin.

Ebenfalls häufiger gesichtet wurden in diesem Januar Kolkraben. Insgesamt 15 Exemplare wurden dem Nabu bisher gemeldet, acht waren es 2021. Und tatsächlich scheint es sich dabei nicht, um eine Verwechslung mit den etwas kleineren aber allgegenwärtigen Raben-Krähen zu handeln. Auf Nachfrage bestätigt der Landkreis Osterholz, dass es Kolkraben im Kreisgebiet gibt. Laut Jägerschaft leben hier "141 Individuen und 33 Brutpaare".  

Doch nicht alle Meldungen sind so erfreulich. Ein Beispiel dafür ist die Goldammer. Zu Beginn der Aktion in 2011 rangierte sie im Landkreis Osterholz noch auf Platz elf, wurde also statistisch 1,49 Mal je Garten gesichtet. Im vergangenen Jahr tauchte der leuchtend gelbe Singvogel nur noch 0,09 Mal je Garten auf. Das war Platz 30. Und in diesem Jahr belegt er derzeit Platz 33 - mit insgesamt 22 gesichteten Tieren im Landkreis.

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