Polizeichef Uwe Jordan Dienstschluss nach 44 Jahren

Uwe Jordan, Chef der Polizeiinspektion Verden/Osterholz, geht nach 44 Jahren in den Ruhestand. Der Outdoorfan freut sich auf seine Enkel und Reisen nach Norwegen.
09.04.2020, 14:39
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Dienstschluss nach 44 Jahren
Von Andreas Becker

Landkreis Osterholz. Uwe Jordan empfängt den Besuch im Garten seines Hauses in Hönisch. Der Tisch ist gedeckt, es gibt Tee und Plätzchen. In Zeiten von Corona ist der persönliche Kontakt nicht mehr unbedingt selbstverständlich. Aber trotzdem, ein Telefonat, auch über Privates, sei doch irgendwie unpersönlich, so die Absprache im Vorfeld. Also wird es ein Gespräch im Schatten unterm Baum über eine lange Karriere bei der Polizei. 44 Jahre sind es inzwischen, aber dieser Lebensabschnitt geht zu Ende, denn Kriminaldirektor Uwe Jordan geht Ende April in den Ruhestand.

62 Jahre ist er alt, wobei alt in diesem Fall relativ ist. Uwe Jordan ist schlank und fit, und so fühlt er sich auch, wie er betont. „Ich bin gesund und energiegeladen und habe in meinem Beruf viel Freude und Befriedigung erfahren“, wie er sagt. Ein paar Jahre hätte er noch weitermachen können im Job, als Leiter der Polizei Verden/Osterholz, aber das sei keine Option gewesen. Der Ruhestand sei vorgezogen, aber das sei bei der Polizei in Niedersachsen durchaus üblich. Andere Bundesländer handhaben es anders, der Föderalismus ist auch beim Abschied aus dem Beruf zu spüren.

Angst haben, dass er sich langweilen könne, brauche man bei ihm nicht. „Ich freue mich auf den Ruhestand, das passt gut in meine Lebensplanung“, sagt er. Das gesellschaftspolitische Interesse ist ihm aus seiner Sozialisation in den 1970er-Jahren geblieben. Er selbst bezeichnet sich als Vertreter der Nach-68er-Generation, die vor allem im Zuge der Anti-Atomkraft-Bewegung politisiert wurde. Jordan selbst engagierte sich Mitte der 1990er-Jahre für die Grünen im Verdener Stadtrat, zog sich später als Polizeichef aber von dem Amt zurück. „Ich wollte Neutralität wahren“, betont er. Als Ruheständler zurück in die Kommunalpolitik zu gehen, plante er nicht, dieses Kapitel sei abgeschlossen. In die Polizeilaufbahn eingestiegen ist Uwe Jordan im Oktober 1976 während der Zeit der Rote Armee Fraktion (RAF). „Diese Zeitgleichheit ist Zufall“, sagt Jordan, der sogar im Stammheim-Prozess gegen die Terroristen aussagen musste – „allerdings als einer von Tausenden Polizisten“.

Ein Zufall war es auch, der ihn überhaupt zur Polizei brachte. „Ich wusste nach dem Abitur nicht, was ich beruflich machen wollte. Ich habe dann eine Bewerbung an die Polizei geschrieben und bin genommen worden“, erinnert sich der gebürtige Hann-Mündener. Eine Liebe auf den ersten Blick sei das nicht gewesen, zum begeisterten Polizisten wurde er nach eigenen Angaben erst im Laufe der Jahre. „Schön an dem Job ist die große Vielfalt an menschlichen Begegnungen, nicht nur mit Opfern und Hilfesuchenden, sondern auch mit Bürgern, die einen Rat brauchen, aber natürlich auch mit Tätern.“ Auch in schwierigen und stressigen Situationen habe er stets versucht, beruhigend einzuwirken und daraus etwas Positives zu machen. „Und meist kann man selbst auch etwas Positives mitnehmen. In dieser Arbeit kann man lernen, was Leben ausmacht“, hat er erkannt.

Immer wieder gab es auch belastende Erfahrungen für Jordan, der in den ersten 20 Jahren seines Polizeilebens als Ermittler eingesetzt war. Etwa die Arbeit in der Soko Dennis, die sich über Jahre hinzog, und generell bei Kapitaldelikten, die ein hohes Arbeitspensum über Monate nach sich gezogen hätten. „Je aufregender es wird, desto ruhiger werde ich“, schätzt Jordan sich selbst ein. Diese Ausgeglichenheit habe ihn auch schwere Zeiten gut überstehen lassen.

Im Laufe der Zeit hat sich nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Arbeitsweise der Polizei verändert. Die Kriminaltechnik hat sich laut Jordan „extrem weiterentwickelt“. Auch die digitalen Medien hätten die Polizei längst erreicht, mit allen Vor- und Nachteilen. „Beispielsweise bei Zeugenaufrufen erreicht man viele Leute, der Markt der Möglichkeiten ist ungleich größer geworden“, erklärt er. Andererseits müsse diese Masse an Hinweisen und Angeboten auch gefiltert und bearbeitet werden. Unter dem Strich müsse die Polizei eine „extrem lernende Organisation“ sein.

Von seiner langen Arbeit in der Praxis habe er stets profitiert, sagt Jordan, auch als Leiter der Polizeiinspektion, wo er überwiegend Leitungs- und Managementaufgaben habe. „Ich sehe mich da als Dienstleister, der Rahmenbedingungen gestaltet, und lege viel Wert auf direkten Kontakt zu den Kollegen“, betont er. Letztlich müsse die Polizei den Bedürfnissen der Bürger gerecht werden und ihnen ein gutes Gefühl und eine subjektive Sicherheit vermitteln. „Man kann an der Polizei herumkritisieren und sollte das auch tun, aber ein Grundvertrauen sollte da sein“. Ein Indiz für dieses Vertrauen seien auch die hohen Bewerberzahlen bei der Polizei. Kommunikation und eine stabile Persönlichkeit seien da wichtige Voraussetzungen. Der Oldenburger Polizeipräsident Johann Kühme sagt über Jordan: „Vor allem konnte ich ihm immer vertrauen, er war verlässlich, offen und ehrlich. Sein Wort hatte Gewicht, was auch daran lag, dass er stets einen klaren Standpunkt vertrat.“

In Niedersachsen würden bei der Polizei seit Jahren zur Hälfte Frauen eingestellt, was Uwe Jordan begrüßt. „Frauen bringen eine Vielfalt an Kompetenzen mit und gehen mit Situationen oft anders um als Männer“, begründet er seine Haltung. „Seine Polizei“ sieht er gut vorbereitet, deshalb fällt der Wechsel ins Private leicht. Die Zeit will der Outdoorfan in der Natur verbringen und auf Reisen, am liebsten nach Norwegen.

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