Umstellung erfordert umfangreiche Anpassungen Neues Erdgas mit höherem Brennwert

Worpswede. Die Umstellung auf Erdgas der Gruppe H, das teilweise schon ab 2016 in der Region zwischen Ems und Weser durch die Leitungen strömen wird, war das zentrale Thema in der jüngsten Sitzung des Netzbeirates im Landkreis Osterholz.
12.05.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Schön

Die Umstellung auf Erdgas der Gruppe H, das teilweise schon ab 2016 in der Region zwischen Ems und Weser durch die Leitungen strömen wird, war das zentrale Thema in der jüngsten Sitzung des Netzbeirates im Landkreis Osterholz. Dazu hatte die Sprecherin des Gremiums, die Grasberger Bürgermeisterin Marion Schorfmann, ins Worpsweder Rathaus eingeladen. Torsten Wüstenberg vom regionalen Netzbetreiber EWE erläuterte Schorfmann und ihren Bürgermeister-Kollegen Reinhard Kock und Stefan Schwenke, die die Samtgemeinde Hambergen beziehungsweise die Gemeinde Worpswede im Netzbeirat vertreten, warum die Haushalte demnächst mit einer anderen Variante des Energieträgers Gas versorgt werden.

„Die deutsche Produktion von Gas ist seit langem rückläufig“, berichtete der Leiter der EWE-Netzregion Cuxhaven/Delmenhorst und nannte in diesem Zusammenhang Stichworte wie das umstrittene Fracking und die Erdbebenaktivität im Raum Groningen. Aus den Vorkommen dies- und jenseits der Grenze zu den Niederlanden werden noch Netze im deutschen Nordwesten und in Nordrhein-Westfalen mit dem sogenannten L-Gas versorgt. Deutschlandweit hat dessen Förderung bereits massiv abgenommen. Das „L“ steht für Low Calorific Gas, so bezeichnet wegen des gegenüber dem H-Gas (High Calorific Gas) deutlich geringeren Methangehalts.

Je höher der Methananteil, desto mehr Energie steckt in einem Kilo Erdgas. Das H-Gas habe aufgrund seiner chemischen Konsistenz einen höheren Brennwert, informierte Wüstenberg. Je nach ausgebeuteter Lagerstätte kann die Differenz bis zu 20 Prozent betragen.

Kosten sollen stabil bleiben

Das Heizen und Kochen mit dem fossilen Energieträger werde nach der Umstellung aber nicht teurer, versicherte er. „Denn man braucht dafür ja weniger Kubikmeter.“ Abgerechnet wird nicht die Menge, sondern der Energiegehalt des Brennstoffs nach Kilowattstunden. Das sich langsamer verzehrende H-Gas wird vorwiegend aus der Nordsee, besonders von norwegischen Förderstätten, bezogen. „Es kann aber auch russisches Gas sein“, räumte der EWE-Mitarbeiter ein.

Für den Verbraucher werde die Umstellung am Ende „preisneutral“ sein, kündigte der Energieversorger an. Denn die Kosten würden zunächst die für die Bereitstellung der Infrastruktur zuständigen Betreiber tragen. Ein Netzausbau sei nicht nötig, Eingriffe an verschiedenen Stellen aber sehr wohl.

Da der Brennwert des H-Gases höher ist, muss es weniger stark erhitzt werden, was den Einbau einer Düse mit einer kleineren Bohrung nahe lege. Gasherde, Kessel und Warmwasserbereiter müssen auf das veränderte Gemisch eingestellt werden, was bei manchen Geräten automatisch geschieht, in der Regel aber von einem Fachmann bewerkstelligt werden muss. Wüstenberg: „Insgesamt müssen die von uns beauftragten Installateure dreimal in jedes Haus.“ Zunächst für eine Bestandsaufnahme, dann für den Einbau von Geräten beziehungsweise Geräteteilen und schließlich noch einmal für die „Nachsorge“. Ein enormer logistischer Aufwand.

In vergleichsweise wenigen Fällen, so der EWE-Mann, könnten zudem ältere Heizungen aus einigen europäischen Staaten für die Arbeit mit H-Gas ungeeignet sein. Dann komme der Kunde um eine Neuanschaffung nicht herum. Das dürfte, so die Schätzungen der Netzbetreiber, zwei bis vier Prozent der Haushalte betreffen.

Die EWE hat Städten und Gemeinden mit Erfolg Beteiligungen angeboten. 82 Kommunen sind auf diese Weise zu neuen Anteilseignern geworden. Für die anderen Kommunen im EWE-Versorgungsgebiet zwischen Ems, Elbe und Weser wurden die kreisweit zuständigen Netzbeiräte gegründet. „Wir begrüßen diese Initiative, denn die Energiewende erfordert einen stärkeren Austausch mit den Kommunen über Netzplanungen und Investitionen in die Energienetze“, sagt Marion Schorfmann. Der neue Beirat solle einen Rahmen geben, um gemeindeübergreifende Themen zu den Infrastrukturnetzen innerhalb des Landkreises Osterholz vorzustellen und zu diskutieren. Sie denke dabei an die Transparenz von Bau- und Unterhaltungsmaßnahmen und die gemeindeübergreifende Abstimmung darüber sowie an Informationen zum Breitbandausbau.

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