Worpsweder Verein KuKuK Neues Maskenprojekt: Vom Klumpen Ton zum Charakterkopf

Der Worpsweder Verein KuKuK startet wieder ein Masken-Theaterprojekt. Drei Monate lang können Erwachsene überdimensionierte Köpfe bauen und damit Typen mimen, die sie sonst nie sein würden.
08.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulrike Schumacher

Man hat sie schon laufen sehen. In Worpswede und anderswo: Masken-Menschen, die sofort die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sie kommen aus dem Worpsweder Verein KuKuK, der jetzt wieder ein Masken-Theaterprojekt startet. Drei Monate lang können Erwachsene überdimensionierte Köpfe bauen und unter ihnen Typen mimen, die sie im Alltag nie sein würden.

Barbara Theisen hat sich Gesellschaft ins Haus geholt. Doch Trudchen, Hermann und die geheimnisvolle Schöne blicken vom Flur aus ziemlich regungslos ins Wohnzimmer. Noch haben sie nichts zu erzählen. Noch hängen sie einfach nur schlaff auf Kleiderbügeln am Schrank. Man kann trotzdem nicht umhin, immer mal wieder den Blick auf ihre überdimensionalen Köpfe zu richten.

Wie wird das erst sein, wenn Trudchen, Hermann und die schöne Dame in ihrer Mitte von jemandem zum Leben erweckt werden? Wenn die drei Masken – auf Körper aus Fleisch und Blut gestülpt – durch Worpswede stolzieren? Das bleibt nicht ohne Wirkung, weiß Barbara Theisen vom Verein Kunst und Kultur in Worpswede (KuKuK). Zusammen mit ihrem Kollegen Hans-Joachim Reich bietet die Worpswederin jetzt wieder ein Masken-Theaterprojekt an.

Schnell Entschlossene können noch einen freien Platz ergattern, wenn sie sich bei der Theaterpädagogin unter der Telefonnummer 0 47 92 / 9 87 89 85 anmelden. Das dreimonatige Projekt läuft ab sofort mittwochs von 19.30 bis 21 Uhr im SOS-Kinderdorf. Der monatliche Beitrag beträgt 38 Euro. „Wir freuen uns über jeden neuen Familienzuwachs“, sagt Barbara Theisen.

Generationen verbindend

Die Tanztherapeutin spricht aus gutem Grund von Familie. „Masken können Generationen miteinander verbinden.“ Sie schlägt ein Fotobuch auf, das an die Auftritte der beiden vergangenen Jahre erinnert. Das junge Maskenpärchen – von hinten aufgenommen – läuft verliebt durch die Straßen des Künstlerdorfs. Er hat zärtlich seinen Arm um sie gelegt, sie lehnt ihren Kopf an seine Schulter. „Wie alt mögen die sein?“, fragt Barbara Theisen. Die Antwort fällt leicht: die langen blonden Haare, das legere Outfit: um die 20.

Barbara Theisen schmunzelt, die Antwort kennt sie schon und auch das verblüffte Gesicht, wenn sie erzählt, dass unter den beiden Masken ein 15-Jähriger und eine 75-Jährige stecken. „Das ist das Faszinierende an den Masken“, fügt die Worpswederin hinzu, „dass man unter ihnen den eigenen Körper zum Klingen bringen und ein völlig Anderer sein kann.“ Sie selbst mimt schon mal gern die gebrechliche Alte, wenn sie sich die Trudchenmaske übers Gesicht zieht. Hermann, der an diesem Nachmittag ganz still am Schrank hängt, ist Trudchens Mann. Auf Fotos sieht man beide etwas gebeugt auf einer Bank sitzen. Lange Ehejahre liegen hinter ihnen – aber die Chemie stimmt noch immer.

Wer sich unter Hermanns Kopf verbirgt, weiß man nicht. „Beim Spielen mit den Masken bleibt immer die Anonymität gewahrt. Deshalb kann man sich auch viel trauen.“ Außerdem wird sich auch in diesem Projekt wieder zeigen, dass Körpersprache international ist.

Flüchtlinge integriert

Barbara Theisen hat über die Worpsweder Flüchtlingsinitiative Flüchtlinge mit ins Projekt integriert. Sie werden nun zusammen mit den anderen Erwachsenen zunächst einmal mit Übungen zur Körperwahrnehmung beschäftigt sein. „Wir transportieren viel mit Sprache und Mimik“, sagt die Leiterin. Fällt beides weg und muss allein der Körper sprechen, ist das erst einmal ungewohnt. Aber die Erfahrung habe gezeigt, dass die Gruppe ziemlich schnell von einer Dynamik erfasst wird und alle schon bald große Lust haben, Charaktere für die Maske zu entwickeln, die sie auf den Schultern tragen.

Der Weg dahin beginnt mit einem Klumpen Ton. Ein noch unförmiger Batzen will in ein Gesicht verwandelt werden. Auch hier ist der Weg wieder das Ziel, erklärt Barbara Theisen. „Es geht nie darum, etwas Fertiges im Kopf zu haben, sondern sich überraschen zu lassen. Das ist auch ein meditativer und sinnlicher Prozess.“

Sind die Masken modelliert und getrocknet, beginnt das Experimentieren mit ihnen. Ist es eine Frau? Ist es ein Mann? „Die Maske sagt einem schon, was sie werden will“, weiß Barbara Theisen. Jeder schreibt dann für seine Maske eine Biografie. „So entsteht ein eigener Charakter, mit dem man sich verbindet.“ Bestaunen kann man diese faszinierenden Wesen zum Jubiläumsfest des SOS-Kinderdorfs im Juli, beim Samba-Umzug in Bremen oder auch bei La Strada in Rotenburg.

Dann haben auch Hermann und Trudchen wieder Ausgang. Gar nicht unbedingt als Rentner-Paar. „Die Masken spielen alles mit, sie sind unglaublich wandelbar“, erzählt Barbara Theisen. Hermann zum Beispiel war auch schon mal ein Baby, ein schüchternes Kind oder eine lebenslustige Dame.

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