Kunst-Stipendiat Sebastian Körbs Nichts sichtbar gemacht

Zwei Monate lang war Sebastian Körbs als Kunst-Stipendiat in Worpswede aktiv. In seiner Arbeit beschäftigte ihn die Frage, wie man das Nichts abbildet. Mit sichtbaren Ergebnissen.
05.11.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Donata Holz

Zwei Monate lang war Sebastian Körbs als Kunst-Stipendiat in Worpswede aktiv. In seiner Arbeit beschäftigte ihn die Frage, wie man das Nichts abbildet. Mit sichtbaren Ergebnissen.

An der Wand hängt die Arbeit, die in Worpswede entstanden ist. Es sind Farbkleckse in unterschiedlicher Größe, verbunden durch feine strahlenförmige Linien. „Meine Arbeit hat sehr viel mit dem Gedanken an das Nichts zu tun. Ich beschäftige mich mit der Frage, wie man das Nichts abbildet“, sagt Sebastian Körbs. Er hat das Stipendium des Landes Niedersachsen genutzt und zwei Monate in den Martin Kausche-Ateliers Vor den Pferdeweiden verbracht.

Sebastian Körbs wurde in Magdeburg geboren, studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig und ist nun dabei, sich im pulsierenden Berlin niederzulassen. Wie hat er dagegen das stille Worpswede in den zwei Monaten erlebt? „Für mich hat Worpswede zwei Elemente, einmal die Kunst und zum anderen die Natur“, so Sebastian Körbs.

Mit beidem hat er sich auseinandergesetzt. Er besuchte die örtlichen Museen und beschäftigte sich mit den Biografien der Künstler, während er die Landschaft stets vor Augen hatte. Einen Einfluss auf seine Arbeit habe es jedoch nicht gegeben, so Sebastian Körbs. Dennoch findet er, dass gerade diese Landschaft gut zu seinem Denken über das Nichts passt. „Eigentlich ist diese Landschaft ein Nichtraum. Die Weite wird nur scheinbar durch die Zäune begrenzt. Erst an den Ecken, Gräben und Büschen passiert etwas.“

Parallelen zur Landschaft

Betrachtet man seine Arbeit, so lassen sich Parallelen zu der Landschaft finden. Denn die zufällig hingeworfenen Flecken wurden mit Bleistift und Lineal durch Linien so miteinander verbunden, dass diese zu Strahlen werden, die immer wieder aufeinander treffen und dabei zarte Räume bilden. Es ist, als schaue man von oben auf die Landschaft, aus der sich Büsche und Bäume hervorheben.

Für Sebastian Körbs bedeutet die Arbeit „eine Verortung des Zufalls“, bei der die frei gesetzten Flecken durch ein akribisch genaues System miteinander verbunden werden. Es ist eine konzeptionelle Arbeit, hinter der auch die Frage nach dem „Dahingeworfensein des Individuums“ steht. So werden Zeichnungen dieses Charakters auch zu einer Art Kartographie des Dahingeworfenseins des Einzelnen. Verfolgt man diesen Ansatz, eröffnen sich Denk- und Assoziationsräume, und damit ist aus dem Nichts längst ein Etwas geworden. Dennoch ist es zunächst dieser Gedanke an das Nichts, das immer wieder im Werk von Sebastian Körbs eine Rolle spielt. „Angefangen hat es mit dem Drang, ein Bild zu machen, aber ich wusste nicht, was ich erzählen sollte. Daraus ergab sich die Untersuchung des Nichts“, sagt der Künstler. Die Vorstellung vom Nichts und die Frage, ob es dennoch so existent ist, dass es sich darstellen lässt, beschäftigt Körbs immer wieder.

Lange setzte er sich mit der Null auseinander. „Die Null ist der Urgedanke meiner Arbeit. Die Null ist die Auflösung des Nichts“, sagt der Künstler, der aus der Null eine ganz eigene Ornamentik entwickelte, wobei der Zufall stets eine wichtige Rolle spielt. Hier wirken auch Einflüsse aus Istanbul mit, denn der Künstler hat eine Zeit lang dort gelebt.

Es ist die Beschäftigung mit der reinen Form, jenseits einer inhaltlichen Aussage, die Körbs zu immer neuen Ergebnissen in unterschiedlichen Medien führt. So macht er etwa Räume durch eine extreme Beschreibung einzelner Maße nahezu unfassbar, führt sie ad absurdum. In einer anderen Arbeit beschäftigte er sich mit Propagandamaterial aus den USA und der UdSSR und reduzierte diese zensierten Texte auf ein reines inhaltsloses Textsystem, indem er die Bedeutungsträger wie Subjekte, Objekte und Verben herausstrich.

„Ich habe immer ein Versuchsobjekt“ sagt der Künstler. „Die Null, ein Ornament, ein Spielzeug, einen Text, ein Buch, einen Gedanken oder mich selbst.“ Auf diese Weise folgt Sebastian Körbs stets neuen Gedanken und Ideen um das Nichts und den Zufall und regt damit den Betrachter zu philosophischen Reflexionen an.

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