Versammlung in Lilienthal Not am Mann: Tafel sucht Vorsitzenden

Die Lilienthaler Tafel sucht immer noch einen ersten Vorsitzenden. Dramatisch ist die Sache nicht, denn Monika Ulbrich ist bereit, sich als zweite Vorsitzende wählen zu lassen.
01.01.2018, 17:35
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Wilke

Lilienthal. Eigentlich ist Eike Ballerstedt vor viereinhalb Jahren nur eingesprungen, weil Not am Mann war: Gunter Meckmann gab damals das Amt des Vorsitzenden der Lilienthaler Tafel aus beruflichen Gründen ab. Jetzt ist für Ballerstedt Schluss, definitiv. Er wollte schon im Mai aufhören, hat sich aber noch mal überreden lassen, bis zum Jahresende als kommissarischer Vorsitzender weiter zu machen. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Der zweite Vorsitzende Detlef Deutsch ist schon im Mai ausgestiegen. Daher drohte dem gemeinnützigen Verein ein ernstes Problem. Denn das Registergericht wacht über die Einhaltung der Vereinssatzung, die zwei Vorsitz-Ämter vorsieht.

Dramatisch ist die Lage nicht mehr, denn inzwischen hat die Lilienthaler Tafel wenigstens eine zweite Vorsitzende gefunden: Schatzmeisterin Gerda Urbrock hat Monika Ulbrich überredet. Sie muss aber noch von den Mitgliedern gewählt werden – und zwar schnell. Darum lädt die Lilienthaler Tafel zur außerordentlichen Mitgliederversammlung ein. Die beginnt am Donnerstag, 11. Januar, um 19 Uhr im Haus der Kreissparkasse an der Klosterstraße. „Ich würde mich riesig freuen, wenn wir wieder einen ersten Vorsitzenden hätten“, sagt Gerda Urbrock der Redaktion. „Aber es kann auch so weiterlaufen. Wir brauchen zwei Unterschriftsberechtigte, und die haben wir.“ Monika Ulbrich kann künftig als zweite Vorsitzende unterschreiben, Gerda Urbrock als Schatzmeisterin.

Also weitermachen, allen Widrigkeiten zum Trotz. „Wenn kein erster Vorsitzender da ist, kann man sich keinen schnitzen. Man muss tapfer sein und weiterarbeiten“, betont die Schatzmeisterin. „Man muss zusammenhalten und die Arbeit aufteilen. Was soll man anderes machen? Es muss ja weitergehen. Wir können die Tafel doch nicht einfach schließen.“ Letzte Woche waren rund 240 Leute da, vor allem Familien die vom Sozialamt unterstützt werden, aber auch Rentner aus Lilienthal, Grasberg und Worpswede.

Als gelernte Buchhalterin erledigt Urbrock die komplette Buchführung der Lilienthaler Tafel und dazu den ganzen Verwaltungskram. Das ist eine Menge Arbeit, denn bei der Tafel packen jede Woche 45 ehrenamtliche Helfer mit an. Sie machen sauber, kontrollieren die in den Supermärkten aussortierten Lebensmittel und bereiten sie jeden Dienstag in Kisten für die Ausgabe an Bedürftige vor. Dazu kommen 15 Fahrer, die die Ware montags in den Supermärkten abholen. So ist der Aufwand bei der Tafel ähnlich hoch wie in einem mittelständischen Betrieb. Sämtliche Hygienevorschriften sind strikt einzuhalten – wie in jedem Lebensmittelunternehmen.

Eines unterscheide die Lilienthaler Tafel von anderen Vereinen, betont Urbrock. „Wenn ich da nicht hingehe, schade ich den armen Menschen, die nichts zu essen kriegen.“ Wie Ballerstedt ist die Schatzmeisterin auch schon über 70. Sie ist mit Leib und Seele dabei, jeden Tag. Fast alle Helfer sind im Rentenalter. Helfende Hände kann die Tafel immer brauchen, nur zuverlässig müssen sie sein. „Wir sind dankbar, wenn wir Hilfe kriegen“, betont Gerda Urbrock. „Wir sind ja alle Rentner. Da hat der eine mal ein Wehwechen und dann der andere. Es ist keine leichte Arbeit. Ich steh‘ da jede Woche zwei, drei Stunden und sortiere Gemüse. Wir sind froh, wenn Männer da sind, die die Kisten heben.“

Die Lilienthaler Tafel lebt von Geldspenden und Mitgliedsbeiträgen. 220 Mitglieder gibt es. Sie zahlen 30 Euro als Jahresbeitrag, Ehepaare 50 Euro. Die Gemeinde Lilienthal unterstützt die Tafel jedes Jahr mit 4000 Euro. Worpswede überweist 1000 Euro, Grasberg nichts. „Wir zahlen jeden Monat 1000 Euro Miete“, erklärt die Schatzmeisterin. Dazu kommen hohe Nebenkosten für Wasser, Strom und Heizung in der Ausgabestelle an der Moorhauser Landstraße 41. Allein für das Jahr 2014 musste die Tafel nach Urbrocks Worten 1900 Euro nachzahlen. So ist die Lilienthalerin froh über die vielen Spenden.

Was sie bedauert ist, dass viele bedürftige Rentner nicht in die Ausgabestelle an der Moorhauser Landstraße 41 kommen. „Ich weiß auch nicht, warum. Es gibt viele Rentner, die es wirklich nötig hätten.“ Einer, der in Grasdorf wohnt, schafft den Weg aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Ihm bringen Gerda Urbrock und ihr Lebensgefährte jede Woche eine Kiste voller Lebensmittel vorbei, wenn sie auf dem Weg zum Schießtraining in Grasberg sind. Die Frau des Asthmatikers sei froh darüber. Sie verwerte alles, was in der Kiste sei, und das Rentnerpaar könne eine halbe Woche davon leben.


Die außerordentliche Mitgliederversammlung der Lilienthaler Tafel beginnt am Donnerstag, 11. Januar, um 19 Uhr im Kreissparkassengebäude an der Klosterstraße. Dabei muss auch ein neuer Kassenprüfer gewählt werden, denn als zweite Vorsitzende darf Monika Ulbrich die Kasse nicht mehr prüfen. Auf der Tagesordnung stehen ein Jahresbericht des Vorstands und ein Finanzbericht der Schatzmeisterin. Fragen zur Lilienthaler Tafel beantworten Gerda Urbrock, Telefonnummer 0 42 98 / 41 618, und Eike Ballerstedt, 0 42 98 / 46 95 01.

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