Gärtner im Hitze-Stress

Ohne Gießkanne geht gar nichts

Landkreis Osterholz. 'Der Vorschlag kam von unseren Mitarbeitern.' Statt um sieben Uhr würden sie gern schon um vier Uhr morgens mit dem Wässern der Pflanzen beginnen, berichtet die Betriebsleiterin der Gärtnerei Peper in Hambergen, Catalina Heupel. 'Bei der Hitze ist ab zehn Uhr die Arbeit einfach unerträglich', stimmt die Gärtnermeisterin ihren Leuten zu.
15.07.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Ohne Gießkanne geht gar nichts
Von Brigitte Lange

Landkreis Osterholz. 'Der Vorschlag kam von unseren Mitarbeitern.' Statt um sieben Uhr würden sie gern schon um vier Uhr morgens mit dem Wässern der Pflanzen beginnen, berichtet die Betriebsleiterin der Gärtnerei Peper in Hambergen, Catalina Heupel. 'Bei der Hitze ist ab zehn Uhr die Arbeit einfach unerträglich', stimmt die Gärtnermeisterin ihren Leuten zu.

Sowohl auf den Feldern als auch unterm Glasdach sind Berieselungsanlagen installiert. Trotzdem - ohne Gießkanne geht gar nichts. 'Es kommt halt darauf an, was die Pflanzen brauchen', sagt Heupel. Kübelpflanzen zum Beispiel reiche der Regen aus der Maschine nicht. Da müsse per Hand gegossen werden.

Auf den Friedhöfen seien sie eh auf die Gießkannen angewiesen. Die Wege seien viel zu schmal, um mit kleinen Wassertank-Fahrzeugen zu den Gräbern zu gelangen. Maximal vier gefüllte Kannen können die Mitarbeiter mithilfe eines Karrens ziehen. Oft sind sie nur mit zwei Kannen unterwegs - eine pro Hand. 'Da sind die Arme am Ende des Tages lang', sagt Heupel. Zwei Kräfte - eine im Betrieb und eine auf den Friedhöfen - seien folglich permanent damit beschäftigt, das Grün mit Wasser zu versorgen. Denn: 'Ab 30 Grad wachsen die Pflanzen rückwärts', meint Heupel. Dann könnten sie gar nicht so viel Wasser aufnehmen, wie sie verdunsteten.

"Den Leuten vertrocknet alles"

Die Gärtnerei Rußmeier in Osterholz-Scharmbeck hat aus eben diesem Grund nie damit angefangen, Gräber auf dem Friedhof zu wässern. 'Das rechnet sich nicht', sagt Inhaber Heino Rußmeier. Ständig volle Gießkannen zu den Grabstätten zu tragen, sei am Ende teurer als die dort gepflanzten Blumen. Auch in seinem Geschäft spürt er wenig von der Hitze. 'Wir haben keine Gärtnerei mehr', so Rußmeier. Die Gewächshäuser habe er abgerissen. Und die Pflanzen, die sie im Verkauf haben, würden die Angestellten während der Geschäftszeiten gießen. Allerdings hätten die hohen Temperaturen den Verkauf zum Erlahmen gebracht. 'Den Leuten vertrocknet alles', sagt er und rechnet erst zum Ende der Sommerferien damit, dass das Geschäft wieder anzieht.

Matthias Becker geht es dagegen ähnlich wie den Mitarbeitern der Hamberger Gärtnerei. Er ist Platzwart bei Blau-Weiß Bornreihe und verantwortlich für das perfekte Grün der Fußballfelder. Vor dem große Freundschaftsspiel - SV Werder Bremen gegen FC Hambergen am Sonnabend - sollte man meinen, hat er mehr als sonst zu tun. 'Nein, ich arbeite so wie sonst auch', widerspricht er. Heißt: 'Alle vier bis fünf Stunden stelle ich die Schläuche und Wassersprenger um.' Morgens - zwischen fünf und 5.30 Uhr stellt er die Pumpen, mit denen das Wasser aus dem Boden gezogen wird, an. Kurz nach 22 Uhr kappt er die Verbindung. 'Einige tausend Liter werden beim Sprengen der Flächen schon verbraucht', schätzt er. Aber dadurch seien die Vereinsplätze - vor allem der bei der Gastwirtschaft Postel, auf dem Sonnabend gekickt wird - gut zu bespielen. Das Geheimnis liegt nicht nur im 24-stündigen Bewässern. 'Bei Postels ist unter dem Platz Moor; das speichert die Feuchtigkeit.'

Ein solch verschwenderischer Umgang mit Wasser ist bei den 'Gartenfreunden am Teufelsmoor' in Osterholz-Scharmbeck per Satzung untersagt. 'Die Wasserleitung ist Gemeinschaftseigentum', erklärt der Schriftführer des Kleingärtnervereins, Friedrich-Wilhelm Söhner. Die Wasserkosten würden auf die Zahl der Parzellen umgelegt - und nicht nach dem individuellen Verbrauch der Mitglieder berechnet. Für Rasen, Blumenrabatten oder fürs Planschen dürfe die Leitung nicht angezapft werden, zitiert Söhner die Vereinsregeln: 'Dafür haben unsere Mitglieder ihre Regentonnen.' Nur das Gemüse, das dürfe im Frühjahr mit Leitungswasser versorgt werden. 'Zurzeit beträgt der Wasserbeitrag, der pro Parzelle im Jahr gezahlt wird, daher nur 40 Euro', bemerkt Söhner.

Höchster Wasserverbrauch am Abend

So sparsam gehen längst nicht alle Bürger mit dem Wasser um, weiß Wolfgang Heeger, Bereichsleiter Technik bei den Stadtwerken in Osterholz-Scharmbeck. Durchschnittlich würden die Stadtwerke am Tag 2900 Kubikmeter Trinkwasser in das Versorgungsnetz der Kreisstadt pumpen. 'Jetzt liegen wir allerdings bei 3700 bis 3800 Kubikmeter am Tag', so Heeger. Den höchsten Verbrauch verzeichnet der Versorger dabei in den Abendstunden. 'Wahrscheinlich weil die Leute dann ihre Blumen gießen', vermutet Heeger. Trotzdem empfehle sich die Installation einer seperaten Wasseruhr, um keine Abwasserkanalgebühren für das Garten-Wasser bezahlen zu müssen, für die wenigsten. 'Das rechnet sich erst ab einem Wasserverbrauch von 15 Kubikmeter in sechs Jahren', erklärt Heeger.

Mit einem Wasser-Engpass sei nicht zu rechnen, versichert Heeger. 'Als die US-Amerikaner noch hier stationiert waren, hatten wir ganz andere Verbräuche.' Und selbst im Sommer 2006 dokumentierten die Stadtwerke Spitzenwerte von 4500 Kubikmeter Wasser am Tag, erinnert Heeger.

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