Technik-Fossil aus der Hepstedter Mühle wird am Tag des offenen Denkmals am 8. September vorgeführt Oldtimerfreunde wecken ihren alten Deutz

Technikgeschichte wird am 8. September in Hepstedt lebendig: Oldtimerfreunde präsentieren einen Dieselmotor, der 1926 in der örtlichen Mühle eingebaut wurde.
28.08.2013, 00:00
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Von Johannes Heeg

Technikgeschichte wird am 8. September in Hepstedt lebendig: Oldtimerfreunde präsentieren einen Dieselmotor, der 1926 in der örtlichen Mühle eingebaut wurde.

Der stählerne Koloss hat nicht viel zu tun. Die meiste Zeit verbringt er praktisch im Tiefschlaf. Doch bald muss er wieder mal ran, der alte Deutz-Stationärmotor, der einst in der Hepstedter Mühle zwei Mahlwerke sowie Förderschächte und Rüttelsiebe angetrieben hat: Die Technik-Gemeinschaft Hepstedt hat das historische Schätzchen für den Tag des offenen Denkmals gemeldet, der am Sonntag, 8. September, stattfindet.

Den schlafenden Riesen zu wecken sei kein Problem, versichert Hans Hermann Sievers. Der Kfz-Meister gehört zu der Runde engagierter Oldtimer-Fans aus dem Ort, die den 50 PS starken Dieselmotor der Marke Deutz hegen und pflegen. Schließlich haben er und seine Freunde das Fossil komplett zerlegt und einige Teile ausgetauscht. „Bis auf Verschleißteile wie Lagerschalen ist der Motor im Originalzustand“, weiß Adolf Bahrenburg, ebenfalls Mitglied der agilen Rentnerrunde.

„Gestartet wird er mit Druckluft“, erklärt Hermann Vehring, ein weiterer Mitstreiter. „Zwei, drei Kesselfüllungen werden wir wohl brauchen, dann läuft er“, sagt Vehring. Die Druckluft holen sich die Technikfreunde per Schlauch von einer benachbarten Werkstatt, in der ein Kompressor steht.

Wenn sich der riesige Kolben des Einzylinders dann in Bewegung setzt, werden die Oldie-Freunde erst einmal andächtig lauschen, ob auch alles klingt, wie es soll. Laut ist das Triebwerk mit seinen 30 Litern Hubraum nicht: „Bei 60 bis 70 Umdrehungen pro Minute schnurrt der wie eine alte Nähmaschine mit Fußantrieb“, sagt Dieter Müller.

Der 7,5 Tonnen schwere Dieselmotor wurde 1926 in die Hepstedter Mühle eingebaut. In Kisten verpackt war er aus Deutz bei Köln per Eisenbahn über die Strecke Tostedt-Wilstedt in Einzelteilen zum Haltepunkt Hepstedt geliefert worden. Die Mühle war 1839 als Windmühle erbaut und 1913 auf Dampfbetrieb umgerüstet worden. Die Diesel-Ära währte auch nicht lange, denn in den 1930er-Jahren wurde Hepstedt ans Stromnetz angeschlossen, und der Mühlenbesitzer rüstete seinen Betrieb auf elektrisch um. Den Elektromotor haben die Oldtimerfreunde ebenfalls in ihre Obhut genommen, als der Bremer Wurstfabrikant Karl Könecke die Hepstedter Mühle kaufte und 2004 zu einem Wohnhaus umbaute.

Für den Deutz-Diesel hat die Technikgemeinschaft eigens ein Gebäude errichtet, an der Scheune ihres Mitglieds Adolf Bahrenburg. „Zuerst haben wir ein Fundament für den Motor gebaut, der dann zwei Jahre unter einer Plane im Freien stand“, berichtet Hermann Vehring. Als dann nach der Restaurierung feststand, dass der Motor läuft, sei das Maschinenhaus um den Motor herum errichtet worden. Das Gebäude hat zwei Türen, wobei die rückwärtige so angeordnet ist, dass der Motor per Transmissionsriemen gestartet werden kann, falls das mit der Druckluft nicht hinhaut.

Zu sehen und zu hören ist der alte Deutz-Motor am Tag des offenen Denkmals (8. September). Vorgeführt wird das Diesel-Triebwerk um 10, 14 und 16 Uhr in der Straße An der Schule. Kontakt: Hermann Vehring, Telefon 04283/8140.

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