Konzertreihe besteht seit zehn Jahren Orgelmusik im Dreierpack

Die Konzertreihe in der Zionskirche, ursprünglich als Spendenaktion zum Orgelneubau initiiert, besteht seit 2004. Der Geburtstag wird am Sonntag, 9. November, mit mehrstündigem Musik-Programm gefeiert.
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Von Michael Schön

Zehn Jahre Worpsweder Orgelmusik – ein Geburtstag, der gebührend gefeiert werden will. Aus diesem Anlass gibt es die sonst einmal wöchentlich zu Gehör gebrachte Veranstaltung am Sonntag, 9. November, sozusagen gleich im Dreierpack.

Mit vielen bekannten Künstlern aus dem In- und Ausland, die das Projekt, das zunächst vor allem der Finanzierung des 2012 abgeschlossenen Baus der Ahrend-Orgel diente, mit ihren Benefiz-Auftritten unterstützt hatten.

Es wird ein langer Konzertabend werden. Er beginnt um 17 Uhr in der Zionskirche, wo er um 20 Uhr voraussichtlich für eine weitere Stunde auch fortgesetzt wird. Zwischendurch – ab 18.45 Uhr – wird im Saal der Alten Schule musiziert. „Da es nicht möglich war, alle Künstler einzuladen, die das Worpsweder Orgelprojekt durch ihre Mitwirkung und den Verzicht aufs Honorar unterstützt haben, mussten wir uns auf einige beschränken, die sehr gerne zugesagt haben“, erklärte die Worpsweder Kantorin Ulrike Dehning, in Personalunion Projektentwicklerin und Konzertveranstalterin der Orgelmusiken sowie Solistin an der Ahrend-Orgel.

Zu Gast am Sonntag sind Musiker, die nicht weit entfernt von Worpswede wohnen. Unter den über 150, die bei den über 400 Konzerten seit 2004 mitgewirkt haben, sind dagegen auch welche, die aus Hannover, Köln, Berlin, Mainz, Genf und sogar Buenos Aires kamen.

Auf dem Geburtstagsprogramm stehen Kompositionen von Dieterich Buxtehude, Johann Sebastian Bach, Wilhelm Friedemann Bach, Domenico Gabrielli, György Ligeti, Antonín Dvorák, Max Bruch, Sergej Rachmaninov, George Gershwin, Arnold Schönberg, Carlos Gardel, Astor Piazzolla und Juan María Solare. Es handelt sich um Werke für Soloinstrumente und auch für verschiedene Kammermusikbesetzungen.

Ulrike Dehning kündigt an, dass der Arbeitskreis „Die neue Orgel“ in der Pause zwischen erstem und zweiten Konzert mit den Zuhörern auf den Geburtstag anstoßen wird. „Es werden auch Fotos vom Bau der Orgel gezeigt. Außerdem kann man einen Blick in zehn Ordner werfen, in denen alle Programme der bis jetzt 412 Orgelmusiken abgeheftet sind.“ In dieser Zahl nicht enthalten sind Sonderkonzerte, die fünf Musikfeste und die Orgelfestwochen.

Vor zehn Jahren zu dem erwähnten Benefiz-Zweck gegründet, kann sich die wöchentlichen Konzertreihe inzwischen rühmen, neben der kulturellen auch eine hohe touristische Bedeutung für den Künstlerort angenommen zu haben.

Etwa 70 Konzerte hat allein Ulrike Dehning für die Worpsweder Orgelmusik gegeben, als treibende Kraft bei der Finanzierung des 540 000 Euro teuren Nachbaus der 1762 von Dietrich Christoph Gloger fertig gestellten ersten Worpsweder Orgel. In den acht Jahren bis zur Einweihung wurde ein Spendenbetrag von 270 000 Euro gesammelt, durch den Verkauf von Orgelwein, kleinen und großen Spenden von Unterstützern des Projekts, Pfeifenpatenschaften, von denen auch Altkanzler Helmut Schmidt eine übernahm, und eben den Konzerteinnahmen

Die Besucher der Musikveranstaltungen zahlten und zahlen keinen Eintritt, sondern konnten mit Spenden zur Kostendeckung für den Orgelbau beitragen. Seit 2012 wird kein Geld mehr für das neue Instrument benötigt, doch der Benefizcharakter der Konzerte bleibt gewahrt. Die Beträge fließen dem Förderverein zur Pflege der Orgel- und Musikkultur zu. Bei einem Konzert im Oktober fanden sie ferner für die Unterstützung der in Worpswede angekommenen Kriegsflüchtlinge Verwendung.

Ulrike Dehning macht deutlich, dass es ein kühner Plan war, die reparaturanfällige Vorgänger-Orgel, 1959 erbaut, zu ersetzen. „Wir hatten das Glück, dass wir an vielen Stellen einflussreiche Sympathisanten hatten.“ Wie Harald Vogel, Orgel-Experte und unter anderem bis 2006 Landeskirchenmusikwart, oder der Worpsweder Kommunalpolitiker und Jurist Hans Ganten, der in einem Exposé die Chancen verdeutlichte, die sich durch die Konzerte für die touristische Entwicklung des Künstlerdorfes eröffnen würden.

Trotzdem waren die Anfänge schwer. „Manchmal kamen keine zehn Zuhörer. 2004 hatten wir nicht einmal Plakatwerbung, sondern nur einen Aushang im Schaukasten an der Kirche.“ Die Kantorin war als Konzertveranstalterin und Solo-Interpretin im Dauereinsatz.

Inzwischen bereitet die Besetzung der nicht nur kirchenmusikalisch angelegten Konzerte mit hochkarätigen Musikern keine Probleme mehr, was auch an der besonderen Eignung der Orgel für Kammermusik liegt. Die Studenten der Bremer Hochschule für Künste erproben ihr Können an der neuen Orgel unter der Regie der Professoren Harald Vogel und Roland Dopfer in regelmäßigen Abständen.

Namhafte Chöre aus der Region konzertierten in Worpswede, die Shakespeare-Company trat mit einem Hörspiel auf, und die Norddeutsche Orgelakademie war im vergangenen August bereits zum dritten Mal zu Gast in Worpswede. Seit vier Jahrzehnten kommen Teilnehmer aus Europa, Nordamerika und Ostasien zum Sommerkursus der Akademie, um die norddeutsche Orgelkunst zu studieren und auf den originalen Instrumenten zu spielen.

Die Worpsweder Zionskirche ist mithin dank ihrer Ahrend-Orgel zu einem für die Akademie wichtigen Konzertsaal geworden. Die Norddeutsche Orgelakademie, die von Harald Vogel im Jahr 1972 gegründet wurde und von ihm bis jetzt geleitet wird, ist die älteste und einflussreichste Einrichtung dieser Art in Deutschland.

Innerhalb der Konzertprogramme stehe die Choralbearbeitung immer im Mittelpunkt, betont Ulrike Dehning. Sie sei gewissermaßen das Endprodukt in der Arbeit von einer Kette kreativer Menschen, die sich am Evangelium begeisterten, vom Melodie- und Textdichter des Chorals bis zum Komponisten, dem der Choral als Thema seiner Komposition diente.

„Über das Spiel der Organisten gelangen diese Inspirationen durch Gottes Wort in das Ohr und Herz des Zuhörers und erheben das Konzert zur musikalischen Andacht“, so Dehning.

Programm des Geburtstagskonzerts: Am Sonntag, 9. November, ab 17 Uhr: Konzert in der Zionskirche mit Eva Overlack, Hans-Dieter Renken und Ulrike Dehning (Orgel), Wolfgang Jehn (Akkordeon), Viola Mönkemeyer (Violine) und Carsten Jaspert (Violoncello). Ab 18.45 Uhr: Konzert im Saal der Alten Schule mit Johannes Dehning, Juan María Solare, Ingeborg Hjort, Kathrin Mosler und Ulrike Dehning (Klavier), Thomas Lange (Querflöte), Ibrahim Gunbardhi (Klarinette), Frauke Gunbardhi-Dehning (Viola). Ab etwa 20 Uhr: Konzert in der Zionskirche mit Karl-Heinz Voßmeier und Ulrike Dehning (Orgel), Susanne Meier und Ricarda Streckel (Querflöte), Juliane Dehning (Cello continuo).

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