Archivtag in Platjenwerbe gut besucht Ortsgeschichte zum Anfassen

Von Helmut Meinerling
12.11.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Helmut Meinerling

Platjenwerbe. 'Wissen Sie etwas über die Geschichte unseres Grundstücks'? Natürlich wussten Uta Bothe, Ingo Paul und Rita Bömermann etwas. Sie hatten beim Archivtag jetzt alle Hände voll zu tun, um die vielen Besucher in der ehemaligen Verwaltungsstelle an der Schulstraße mit Unterlagen über 'ihre' Straße oder 'ihr' Grundstück zu versorgen.

Vor etwa 20 Jahren hatte Wilhelm Drawe mit der Sammlung von Dokumenten über die Entwicklung von Platjenwerbe und Stubben begonnen. Von Haus zu Haus ist er damals gegangen, um Schriftstücke, Bilder und sonstige Aufzeichnungen zu sammeln. Vor vier Jahren haben Ingo Paul, Peter Brandscheid (im März verstorben), Rita Bömermann und Uta Bothe aus der Archivgruppe des Heimatvereins damit begonnen, die Historie der Dörfer zu vervollständigen. Viele Informationen haben sie inzwischen hinzugefügt. Im Niedersächsischen Staatsarchiv und im Ritterschaftlichen Archiv in Stade wurden sie fündig. Dort haben sie digitale Kopien fertigen lassen, und mit viel Aufwand wurden alle Unterlagen in die moderne Zeit transportiert. So ist es jetzt möglich, auf der Internetseite des Heimatvereins (www.heimatverein-platjenwerbe.de) in den Archiven zu stöbern.

Liebevoll sind die Hofstellen aufgelistet, mit Fotos und Katasterauszügen zusammengestellt. Familiengeschichten können nachvollzogen werden. Originale wie ein 'Erbkauf-Contract' von 1769 oder ein Dokument 'Uebergabe - Contract und Ehestiftung' wurden eingescannt und führen den Betrachter in alte Zeiten zurück. Bereits 1595 wurde 'Platkenwerwe' übrigens in alten Dokumenten erwähnt.

Durch die in Stade gefundenen Steuerlisten, Einwohnerverzeichnisse und Landesmilizrollen können viele historische Begebenheiten nachvollzogen werden. Im Ortsfamilienbuch der Lesumer Kirche gab es ebenfalls Informationen. Und natürlich sind auch private Unterlagen mit einbezogen worden: Hier gibt es ein Bild von einer Hausschlachtung, dort findet sich das Foto einer Hochzeit - Geschichte zum Anfassen. Aus Datenschutzgründen werden lebende Personen nicht aufgenommen. Rita Bömermann erklärt: 'Wir erfassen Personen, die vor 1900 geboren wurden.'

Interessant auch, dass es in Platjenwerbe schon 1826 eine sogenannte Winkelschule (private Schule) gab. Viele Platjenwerber Kinder gingen in die Seefahrt, die Schulausbildung war Voraussetzung für eine Seemanns-Ausbildung.

Marlotte Schmidt, einst Lehrerin an der 1910 gebauten Platjenwerber Volksschule, war gekommen, sich Unterlagen zusammenzustellen. 'Ich soll in einer vierten Klasse einen Vortrag halten', erklärte sie. 'Wenn Kindern auf den heutigen Ortsplan schauen, wissen sie natürlich nicht, wie es damals aussah; das möchte ich ihnen zeigen'. Ein anderer Besucher stellte fest: 'Zwei Stunden reichen bei weitem nicht, um die vielen Dokumente durchzusehen.'

Der Heimatverein denkt darüber nach, häufiger einen Archivtag anzubieten. So hätten noch mehr Interessierte die Gelegenheit, in den umfangreichen Mappen, Ordnern und Karten zu blättern - oder auch den Kalender mit alten Hofansichten zu erwerben. Angeregt vom Platjenwerber Archiv, versucht auch Thomas Mester, eine Chronik über Wummensiede aufzustellen. Er und der Heimatverein würden sich freuen, alte Fotos und Dokumente zur Digitalisierung oder zum Kopieren zu erhalten.

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