Landkreis Osterholz

Osterholzer Biomüll hat eine 1 A-Qualität

Landkreis Osterholz. Firmenchefin Jutta Grube kann mit einem Blick erkennen, ob der Biomüll auf der Kompostierungsanlage in Sandstedt aus dem Landkreis Osterholz, der Wesermarsch oder Stade kommt. "Biomüll aus Osterholz hat eine 1 A-Qualität", sagt Grube.
12.05.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Lutz Rode
Osterholzer Biomüll hat eine 1 A-Qualität

Zur Mittagszeit schlägt die Stunde der Abfall-Service Osterholz GmbH im Kompostwerk: Der Biomüll, der vormittags im Land

LUTZ RODE

Landkreis Osterholz. Firmenchefin Jutta Grube kann mit einem Blick erkennen, ob der Biomüll auf der Kompostierungsanlage in Sandstedt aus dem Landkreis Osterholz, der Wesermarsch oder Stade kommt. Der Grad der Verunreinigung verrät ihr die Herkunft: 'Biomüll aus Osterholz hat eine 1 A-Qualität', sagt Grube. Sprich: Es finden sich so gut wie keine Plastiktüten oder andere Dinge darin, die nicht hineingehören. Das macht die Verarbeitung einfacher.

Seit Anfang des Jahres wird der Biomüll, der im Landkreis Osterholz eingesammelt wird, nach Sandstedt im Landkreis Cuxhaven gekarrt. Täglich steuern im Schnitt drei voll beladene Sammelfahrzeuge der Abfall-Service Osterholz GmbH (A.S.O.) das Kompostwerk am Sandstedter Moor nahe der Autobahnabfahrt an. Aus dem, was die Landkreis-Bewohner in den Tonnen mit den braunen Deckeln gesammelt haben, wird innerhalb von sechs Wochen Kompost gemacht, genauer gesagt Frischkompost, der anschließend in der Landwirtschaft eingesetzt wird, um die Qualität der Böden zu verbessern.

Für den heimischen Garten ist diese Kompost-Erde ungeeignet, weil die biologischen Prozesse noch nicht abgeschlossen sind. Im Garten kommt Fertigkompost zum Einsatz, der den 'Rottegrad V' erreicht hat, wie Fachleute sagen. Die Haufen, die in Sandstedt bei Temperaturen um die 60 Grad vor sich hin dampfen, haben gerade mal den Rottegrad II erreicht. Damit er seine positive Wirkung etwa beim Maisanbau entfalten kann, muss der Frischkompost gut in den Boden eingearbeitet werden. Alles weitere erledigt die Natur.

Drei Behälter blieben stehen

Bei unserem Besuch in Sandstedt läuft alles wie bestellt: Um kurz nach 13 Uhr mittags rollen die Biomüll-Transporte aus Osterholz an. Rückwärts fahren die schweren Fahrzeuge an die Plätze heran, an denen bereits jede Menge frischer Biomüll lagert. Dann öffnen sich die großen Klappen und die grüne Ladung kommt zum Vorschein. Keine fünf Minuten später sind die Biomüll-Fahrzeuge geleert.

Auf ihrer Sammeltour war die A.S.O. an diesem Tag unter anderem in Lilienthal unterwegs. Gut 520 Bio-Tonnen sind am Vormittag geleert worden, lediglich drei Behälter ließ der Fahrer am Straßenrand stehen, weil sie nicht richtig befüllt waren. Zur Erklärung hängt die rote Karte an den Behältern: 'Das Detektionsgerät hat angezeigt, dass sich leider auch andere als die zugelassenen Abfälle in Ihrer Biotonne befinden. Daher wurde Ihr Behälter nicht geleert', schreibt die A.S.0. ihren Kunden.

Dass es hier und da mal zu Beanstandungen kommt, damit können die Verantwortlichen der Abfall-Service-Osterholz GmbH leben. Insgesamt - das zeigt auch der Vergleich mit den Landkreisen Wesermarsch oder Stade - sind die Osterholzer ziemlich penible Biomüll-Sammler. Und so soll es auch bleiben, wenn es nach den Vorstellungen von A.S.O.-Geschäfstführer Frank Theilen geht.

Damit die Mikroorganismen in den Haufen ganze Arbeit leisten können, wird im Sandstedter Kompostwerk das Rohmaterial aus Osterholz mit bereits vorhandenen groben Kompost-Resten durchmengt - je nach Feuchtegrad müssen mal mehr oder mal weniger große Mengen hinzugemixt werden. Wie häufig im Leben gilt auch hier: Auf die richtige Mischung kommt es an. Diese dampfende Masse liegt etwa zwei Wochen lang unter einem Hallendach, von unten werden die Haufen über Rohre durchlüftet, was auch den Gestank beim Zersetzungsprozess minimiert. Von oben werden die Haufen mit fertigem Kompost abgedeckt. Danach beginnt die sogenannte Nachrotte, ehe das Material so weit zersetzt ist, dass es als Frischkompost eingesetzt werden kann. Angst davor, dass sich im Kompost noch Giersch und andere Pflanzenbestandteile befinden, die niemand auf den Feldern haben will, braucht man nicht zu haben. Die hohen Temperaturen bei der Kompostierung sorgen dafür, dass alles vergeht.

Firmenchefin Jutta Grube, die selbst einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 230 Hektar im Nebenerwerb führt, schwört auf den Einsatz dieser frischen Komposterde auf Äckern und Feldern. Sie enthalte wichtige Nährstoffe wie Phosphat, Kalium und Stickstoff, lockere schwere Kleiböden auf oder sorge dafür, dass Nässe auf trockenen Geestböden länger gehalten werde. Jutta Grube setzt aber auch auf Kompost als eine Antwort auf die Vorräte an Phosphat als künstlichem Dünger, die eines Tages durch den intensiven Abbau aufgebraucht sein werden. Wichtig sei es, die Stoffe aus dem biologischen Kreislauf zu gewinnen. Neben Biomüll seien in diesem Zusammenhang die Zersetzungsprodukte aus Kläranlagen von Interesse, sagt Grube.

Die Kompostierungsanlage in Sandstedt hat eine Jahreskapazität von 30000 Tonnen. Etwa 8500 Tonnen davon werden nach den Berechnungen der A.S.O. aus dem Landkreis kommen. Der Vertrag mit der Firma Grube ist befristet. Er läuft bis zum 31. Dezember 2011 mit der Option einer Verlängerung um ein Jahr.

Die Firma Grube befindet sich seit 1999 an ihrem Standort in Sandstedt. Davor war sie 40 Jahre lang in Brake angesiedelt, ursprünglich gegründet als landtechnisches Lohnunternehmen. Die Firma Grube Land- und Umwelttechnik GmbH & Co. KG hat derzeit sechs Mitarbeiter.

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