Gnadenhof für Papageien

Papageienstation Arche Noah in Not

Seit 40 Jahren versorgt Margrit Reinhard alte und kranke Papageien in ihrem staatlich anerkannten Tierheim. Zu tun gibt es immer und das nicht zu knapp. Doch die Helfer werden weniger.
22.02.2018, 18:05
Lesedauer: 3 Min
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Von Andrea Grotheer
Papageienstation Arche Noah in Not

In der Papageienstation „Arche Noah“ gibt es immer viel zu tun. Hier versorgt Margrit Reinhardt die Aras „Rote Zora“ und „Bonito“ mit Futter. Die Tiere gehen immer vor; da bleibt so manches Andere zwangsläufig liegen. Helfer werden dringend benötigt.

Andrea Grotheer

In der Papageienstation „Arche Noah“ versorgt Margrit Reinhardt seit 40 Jahren ehrenamtlich alte und kranke Papageien. Der Gnadenhof bietet den physisch und psychisch kranken Tieren eine lebenslange Zufluchtsstätte, in der sie gut versorgt werden. Die Pflege ist aufwendig und allein nicht zu schaffen. In den vergangenen Jahren wurde Margrit Reinhardt nicht nur von ihrer Familie, sondern auch von ehrenamtlichen Helfern unterstützt. Doch diese Hilfe ist nun weggebrochen und die Papageienstation gerät zunehmend in Personalnot.

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„Nachdem die Ein-Euro-Jobber wegfielen, haben wir Asylbewerber beschäftigt. 18 Männer aus verschiedenen Nationen haben uns seit 2011 bei der Versorgung der Papageien und Reinigung der Innen- und Außenvolieren unterstützt. Einer von ihnen war sogar vier Jahre lang hier“, erzählt Margrit Reinhardt. Solange ein Asylantrag laufe, dürften Asylbewerber für einen geringen Betrag nicht mehr als 25 Wochenstunden in einer gemeinnützigen Einrichtung arbeiten, erzählt sie. „Zu Anfang gab es 1,05 Euro pro Stunde, jetzt sind es noch 80 Cent.“ Der Verdienst werde nicht auf Sozialleistungen angerechnet, die Fahrtkosten würden übernommen. „Teilweise hatten wir vier bis fünf Helfer gleichzeitig, Arbeit gibt es genug. Wir haben ein Grundstück mit einer großen Außenvolierenanlage, die gepflegt werden muss“, so Margrit Reinhardt. Die Hilfe habe immer auf Gegenseitigkeit basiert: „Wir haben den Männern Deutsch-Unterricht und Hilfestellung im Alltag gegeben, sie zu Arzt- und Behördenterminen begleitet und ihnen unsere Kultur nahe gebracht“, so die Hooperin.

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Nun sorge nicht nur die rückläufige Zahl der Asylbewerber in der Gemeinde für Personalnot. „Sobald das Asyl schriftlich bestätigt ist, darf der Flüchtling nicht mehr gemeinnützig tätig sein und muss seine Arbeit sofort beenden, um mit einer Schulungsmaßnahme im Rahmen des Integrationsprogramms zu beginnen“, erklärt Margrit Reinhardt, der noch ein Asylbewerber aus dem Irak geblieben ist, dessen Asylantrag abgelehnt wurde. „Er hat Rechtsmittel eingelegt und wir wissen nicht, ob und wie lange er noch bleiben kann“, sagt Margrit Reinhardt.

Und nicht nur zahlreiche Asylbewerber standen der Tierfreundin über die Jahre tatkräftig zur Seite: Auch fünf Langzeitpraktikantinnen, die Zeit bis zum Ausbildungs- oder Studienbeginn überbrücken wollten, haben ehrenamtlich und gegen Fahrgelderstattung jeweils für ein Jahr in der Papageienstation gearbeitet. „Die Arbeit ist auf jeden Fall interessant für Menschen, die einen tierpflegerischen Beruf ergreifen oder Tiermedizin studieren möchten“, so die 66-Jährige. Mit falschen Vorstellungen dürfe man allerdings auch nicht kommen, einen ganz engen Kontakt zu den Tieren wie zu Hunden oder Katzen könne es nicht geben. „Die Papageien zu beobachten bereitet viel Freude, manche sind zahm und lassen sich aus der Hand füttern, einige sprechen auch“, sagt sie. Der Schwerpunkt der Arbeit liege auf Versorgung und Reinigung.

Reinhardt hat jetzt einen Aufruf auf Facebook gestartet und Stellenanzeigen aufgegeben. Bisher allerdings ohne Erfolg. „Es gab keine Resonanz“, sagt die Tierfreundin enttäuscht. Sie weiß noch nicht, wie sie weiter zurechtkommen soll. „Im Moment bleibt viel Verwaltungsarbeit liegen, die Buchhaltung und die Beratung müssen zurückstehen, die Versorgung der Tiere geht ja vor.“ Im Notfall hilft Ehemann Ralf Reinhardt. „Bei der medizinischen Behandlung und bei künstlicher Ernährung braucht man zwei Paar Hände, das kann man nicht allein“, erklärt Margrit Reinhardt. Auch die finanzielle Situation der Papageienstation habe sich verschlechtert. „Wir haben einige Tierpaten verloren, die verstorben sind“, erzählt sie. Eine erfreuliche Finanzspritze gab es aktuell durch eine Spende des Hagener Naturkostfachgeschäfts „Lebenswert“. Inhaberin Rita Hogrewe hatte zum zehnjährigen Bestehen ihres Geschäfts eine Tombola veranstaltet und den Erlös von 600 Euro jetzt an Margrit Reinhardt übergeben.

Info über die Papageienstation gibt es im Internet unter www.papageienstation.de und telefonisch unter 0 47 95 / 95 47 77. Die Station ist ein staatlich anerkanntes Tierheim für Großpapageien, erhält aber keine öffentlichen Gelder. Mit einem geringen monatlichen Beitrag kann eine Papageien-Patenschaft übernommen werden.

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