Experten prophezeien Robotern eine große Zukunft in der Landwirtschaft

Pfiffige Alleskönner

Tarmstedt. Boni-Rob rollt langsam über das Feld. Mit fünf Stundenkilometern ist er nicht gerade der schnellste.
14.07.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Irene Niehaus

Boni-Rob rollt langsam über das Feld. Mit fünf Stundenkilometern ist er nicht gerade der schnellste. Doch der Agrar-Roboter hat es in sich:

Er jätet Unkraut, züchtet Pflanzen und misst die Bodenqualität. Der 700 Kilogramm leichte Alleskönner aus der Nähe von Osnabrück gehört zu einer Reihe von intelligenten Geräten für die Landwirtschaft.

Ob beim Säen, beim Ernten und im Stall: Wunderwerke der Technik können Arbeit erleichtern – vor allem eintönige. Eine große Zukunft prophezeien Experten deshalb Robotern in der Landwirtschaft. Im Stall hat die Automatisierung schon seit längerem Einzug gehalten. Maschinelle Helfer melken, reinigen die Böden und füttern die Tiere.

Zu den faszinierenden Erfindungen, die die Arbeit auf dem Feld effizienter machen und die Erträge der Bauern optimieren sollen, gehört ein Agrar-Anzug mit Superkräften. Schwache Muskulatur? Schmerzende Gelenke? Mit einem japanischen Anzug ist das beim Pflücken und Rübenziehen kein Problem mehr. Forscher an der Tokioter Universität für Landwirtschaft und Technologie entwickelten einen Prototypen mit Motoren und Sensoren. Der Anzug soll das Ernten im höheren Lebensalter einfacher machen.

Eine US-Robotik-Firma hat spinnenartige Roboter entwickelt, die eigenständig Samen säen. Dabei kommunizieren sie untereinander, um so eine doppelte Aussaat zu vermeiden. Die 50 Zentimeter langen Metallkrabben spazieren mit Aluminium-Beinen übers Feld.

Drohne mit Infrarot

Militär und Geheimdienst nutzen Quadrokopter schon lange. Die Humboldt-Universität in Berlin hat die Drohnen für den Einsatz gegen die Überdüngung in der Landwirtschaft fit gemacht. Per Fernerkundungstechnologie dosieren sie Nährstoffe ganz exakt auf den Testäckern. Andere unbemannte Flugobjekte inspizieren Plantagen oder Grünflächen mit Infrarotkameras, um den Zeitpunkt der nächsten Bewässerung zu bestimmen oder vor dem Mähen Wildtiere ausfindig zu machen.

Mit den Aufnahmen aus der Luft lassen sich krankheitsbedingte Veränderungen bei den Pflanzen schon zu einem frühen Stadium erkennen. Wachsen sie auf dem Feld unterschiedlich schnell, können Dünge- oder Pflanzenschutzmittel gezielt zum Einsatz kommen.

Ein smarter Greifer eines spanischen Landmaschinenentwicklers könnte die Erdbeerernte revolutionieren. Das zwei Meter lange Gerät ist mit Kameras und Sensoren ausgestattet, die nicht nur die Früchte, sondern auch ihren Reifegrad erkennen. Erst wenn die Beere süß genug ist, greift einer der über 20 Arme zu und knipst sie vom Stängel ab. Im Cockpit sitzt nach wie vor ein Mensch.

Die Düngerspritze gegen Unkraut, die Lettuce Bot einer Firma aus dem Silicon Valley in den USA, zieht mit Kameras, Computer-Algorithmen und Düngemittelspritzen gegen das Unkraut zu Felde. Denn aus unmittelbarer Nähe auf die Pflanze gesprüht, wirkt eine Überdosis Dünger tödlich. Für weiter entfernte Nutzpflanzen dagegen sind Tropfen der Nährstoffdusche wertvolle Nahrung.

Wasserspione im Boden – mit dem AquaSpy einer in Australien gegründeten und heute in den USA ansässigen Firma „melden“ die Pflanzen dem Bauer via Smartphone oder Rechner, wann sie Durst haben oder hungrig sind. Quer verteilt über den Acker messen unterirdische Sensoren die Bodenqualität und helfen so, die Ernte zu steigern sowie den Einsatz von Düngemittel und Energie zu senken.

Der hypermoderne Sensor im Feldhäcksler eines US-amerikanischen Landmaschinenherstellers bestimmt den Zuckergehalt sowie den Stärke- oder Proteinanteil schon während der Ernte. Die Daten können den Landwirten als Grundlage für die Kundenrechnung dienen. Mit den Informationen lassen sich zudem die Futterrationen für die Kühe oder Schweine viel exakter dosieren.

Ein Team an Forschern der Lincoln Universität in Großbritannien hat einen Roboter entwickelt, der Brokkoli erntet. Der Leiter des Projekts hält die Maschine für eine Hauptinnovation im landwirtschaftlichen Robotersektor. Die Felder des grünen Gemüses sind riesig groß, bisher verlief die Ernte per Hand, was die Produktion sehr teuer machte. Der Roboter hat eine 3 D-Kamera, die es ermöglicht festzustellen, welcher Brokkoli-Kopf bereits reif für die Ernte ist

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