Verdienstkreuz für ein Zuhause

Pflegeeltern Monika und Wolfgang Mielke ausgezeichnet

Die kleine Gruppe hatte es sich im Besprechungsraum im Hamberger Rathaus gemütlich gemacht. Früher diente er auch als Trauzimmer. Jetzt erhielten dort Monika und Wolfgang Mielke das Bundesverdienstkreuz.
10.04.2015, 00:00
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Von Peter von Döllen
Pflegeeltern Monika und Wolfgang Mielke ausgezeichnet

Die Eheleute Monika und Wolfgang Mielke erhielten jetzt im Hamberger Rathaus die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Peter von Döllen

Die kleine Gruppe hatte es sich im Besprechungsraum im Hamberger Rathaus gemütlich gemacht. Früher diente er auch als Trauzimmer. An der Stirnseite der überschaubaren Tischrunde saßen damals die Ehepaare. Diese Woche war die Stimmung so ähnlich. Vor dem Paar Monika und Wolfgang Mielke standen Blumen und eine Kerze. Doch der Grund für das Treffen war ein ganz anderer: Landrat Bernd Lütjen überreichte ihnen das Bundesverdienstkreuz.

Die Geehrten hatten sich eine möglichst kleine Feier im Hamberger Rathaus erbeten. Ausdruck von Bescheidenheit, wie sich noch herausstellen sollte. „Viele Menschen nehmen sich zu wichtig“, findet Wolfgang Mielke.

Das soll ihnen nicht passieren. Das Paar stellt eher Kinder in den Vordergrund. Lange Zeit haben sie Kinder, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen konnten, ein Heim gegeben. Mehr noch: „Die Kinder haben bei ihnen Liebe erfahren und Selbstvertrauen aufgebaut“, bemerkt Brigitte Neuner-Krämer vom Jugendamt. Mielkes Pflegekinder mussten zudem mit zum Teil schweren Behinderungen leben. Für dieses ehrenamtliche Engagement hat der Bundespräsident Joachim Gauck die Eheleute jetzt mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, wie das Bundesverdienstkreuz offiziell heißt, ausgezeichnet.

„Die Auszeichnung ist in mehrfacher Sicht ungewöhnlich“, hat Landrat Bernd Lütjen erkannt. Zum einen gebe es nicht viele Eheleute, die gleichzeitig die Verdienstmedaille verliehen bekommen. Frauen würde die Ehrung ohnehin eher selten erwiesen. Zum anderen seien Monika und Wolfgang Mielke Akteure, die im Verborgenen wirkten– unbemerkt von der Öffentlichkeit. „Ich kannte sie nicht“, räumte auch Lütjen ein. Dabei sei er zwölf Jahre Samtgemeindebürgermeister der Samtgemeinde Hambergen gewesen, in der Mielkes leben. „Manchmal bekommen wir nicht mit, wenn sich Menschen für andere einsetzen und dafür persönlich auf vieles verzichten“, fügte der jetzige Samtgemeindebürgermeister Reinhard Kock an.

Die Geehrten sehen das anders. Sie hätten nicht das Gefühl gehabt auf etwas zu verzichten. „Wir haben auch viel zurückbekommen. Behinderte Menschen sind ehrlich und heucheln nicht“, meint Mielke. Eigentlich hätten sie nichts anders gemacht, als viele andere Pflegefamilien auch. Sie hätten sich deshalb gefragt: „Warum werden ausgerechnet wir geehrt?“ Für sie ist die Ordensverleihung deshalb stellvertretend für alle Familien, die Kinder aufnehmen.

Für Rita Horstmann ist sie verdient. Die gute Bekannte hatte Mielkes im April 2013 für den Orden vorgeschlagen. Nach mehreren Prüfungen und Verfahrensstufen hat der Bundespräsident die Urkunden im Dezember 2014 unterschrieben. Diese Woche konnte Lütjen die Urkunden überreichen.

Wolfgang Mielke nutzte die Gelegenheit, um anderen Paaren Mut für die Übernahme einer Pflegschaft zu machen. „Viele haben Angst, dass ihnen die Kinder wieder weggenommen werden können. Das ist nicht so“, versichert Mielke. Zudem sei man nicht allein. Das Jugendamt und andere Einrichtungen stünden Pflegeeltern zur Seite.

Sie selber hatten vor 40 Jahren nach einem Unfall in der Familie eine Nichte aufgenommen. Das war der Grundstein für ihren ehrenamtlichen Einsatz. Drei Pflegekinder gehören jetzt zur Familie.

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