Sreit um Schulangebot Plan B der CDU: Eine IGS ohne Lilienthal

Lilienthal·Grasberg·Worpswede. Die CDU-Fraktionsvorsitzenden in den Gemeinderäten von Worpswede und Grasberh fordern eine Integrierte Gesamtschule - notfalls ohne Lilienthaler Beteiligung. Das stößt Lilienthals Bürgermeister Willy Hollatz sauer auf.
02.06.2010, 19:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Wilke

Lilienthal·Grasberg·Worpswede. Stephan Kück-Lüers und Heinz Warnken sind sich einig: Worpswede und Grasberg brauchen eine Integrierte Gesamtschule (IGS) - so schnell wie möglich. Beide sind Fraktionsvorsitzende der CDU in den Gemeinderäten, Kück-Lüers in Worpswede, Warnken in Grasberg. Beide wissen, dass die Haupt- und Realschulen in ihren Dörfern immer mehr Schüler verlieren. Also plädieren sie für eine IGS - notfalls ohne Lilienthaler Beteiligung. Das stößt Lilienthals Bürgermeister Willy Hollatz sauer auf.

'Wir können nicht noch ein Jahr warten', sagt Kück-Lüers, und Warnken nickt. 'Unsere Befürchtung ist, dass uns die Schüler weglaufen und dass es dann gar keine Haupt- und Realschule mehr gibt.' Beide Schulzentren verlieren seit Jahren Schüler, weil Grasberger und Worpsweder Eltern ihre Kinder ins Lilienthaler Gymnasium oder in die Gesamtschulen der Nachbargemeinden schicken. 60 Prozent der Worpsweder Fünftklässler würden im Gymnasium angemeldet, betont Kück-Lüers. 26 Kinder verliere Worpswede an die Kooperative Gesamtschule (KGS) in Hambergen. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so prekär sei die Lage in Grasberg, sagt Warnken. Da schickten etliche Eltern ihre Sprösslinge zur KGS in Tarmstedt.

Axel Miesner, Ratsherr in Lilienthal und Landtagsabgeordneter in Hannover, hat die Initiative für eine IGS mit zwei Standorten zusammen mit Kück-Lüers und Warnken gestartet. Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann hat Miesner am 26. Mai per Brief bestätigt, dass 'eine Stammschule-Außenstelle-Variante' möglich ist. Denkbar sei, die Klassen fünf und sechs an einem Standort und die Klassen sieben bis zehn am anderen Ort zu unterrichten.

Elternbefragung soll Klareheit bringen

Ob die Haupt- und Realschule in Lilienthal neben einer IGS in Grasberg und Worpswede bestehen könne, hänge von einer Elternbefragung und der Prognose über die Schülerzahlen ab. 'Um zügig zu einer tragfähigen Lösung zu kommen', sollte der Landkreis als Schulträger 'umgehend das Gespräch mit der Landesschulbehörde suchen', empfahl der Minister. Miesner, Kück-Lüers und Warnken drücken aufs Tempo. Am 17. und 21. Juni sollen die Gemeinderäte in Worpswede und Grasberg das Signal für eine IGS mit zwei Standorten geben; das werden Kück-Lüers und Warnken beantragen. Dann müsste der Kreis einen Antrag ans Kultusministerium formulieren und erneut eine Elternbefragung starten. Der Antrag müsste bis zum 15. Oktober in Hannover sein; mit Schülerzahlen und fundierten Prognosen hätte der Landkreis zu belegen, dass eine IGS in Worpswede und Grasberg in den nächsten 14 Jahren mindestens fünfzügig sein könnte. Dabei liegt in Althusmanns Ministerium schon ein Antrag des Landkreises auf Einführung einer IGS im Ostkreis - mit drei Standorten in Lilienthal, Grasberg und Worpswede. Die neue Schule wäre zu Beginn sechs- oder siebenzügig.

Gegen IGS mit drei Standorten

Doch Althusmann hat den Antrag abgelehnt: Eine IGS mit drei gleichberechtigten Standorten komme nicht in Frage, erklärte er. Vor fünf Wochen hat der Kreis beim Verwaltungsgericht in Stade eine Klageschrift gegen den ablehnenden Bescheid des Ministers eingereicht. Kündigt die CDU mit ihrem Vorstoß diesen Schulterschluss auf? Nein, sagen Kück-Lüers und Warnken. 'Wir brauchen einen Plan B. Wir können nicht ein Jahr auf die Gerichtsentscheidung warten', erklärt der Worpsweder. 'Wenn wir unsere Schule verlieren, können wir einen Zaun ziehen und uns nicht mehr Künstlerdorf, sondern Rentnerdorf nennen.'

Für Miesner ist der Fall klar: Das Osterholzer Modell mit drei Standorten ist nicht genehmigungsfähig. Das hat ihm der Minister mehrmals gesagt. Es helfe nicht, sich etwas vorzumachen, findet Stephan Kück-Lüers, der zwei vier und sieben Jahre alte Kinder hat. Konkurrenz zwischen den Gemeinden gebe es längst, sagt der 34-Jährige: 'Das ist ein Wettbewerb um junge Familien.'

Natürlich sei es sinnvoll, sich Gedanken über Alternativen zu machen, sagt Landrat Jörg Mielke. Doch müssten alternative Konzepte 'Hand und Fuß haben'. Bei dem von den drei Christdemokraten präsentierten Modell werde es 'definitiv einen Verlierer geben: die Haupt- und Realschule Lilienthal', sagt Mielke. 'Da kann man die Uhr nach stellen, dass es diese Schule dann bald nicht mehr geben wird.'

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