Kirchengemeinden verlegten wegen Kälte Veranstaltungsort / Den Kaffee genossen viele dennoch im Freien

Plan B für den Freiluft-Gottesdienst

Die Fenster des Gemeindehauses in Ritterhude lenkten die Blicke der Kirchgänger auf das Blau des Himmels. Dabei hatten die Gemeinden des Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck an Christi Himmelfahrt eigentlich alle Wände hinter sich lassen und im Freien Gottesdienst feiern wollen.
18.05.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ilse Okken

Die Fenster des Gemeindehauses in Ritterhude lenkten die Blicke der Kirchgänger auf das Blau des Himmels. Dabei hatten die Gemeinden des Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck an Christi Himmelfahrt eigentlich alle Wände hinter sich lassen und im Freien Gottesdienst feiern wollen.

Landkreis Osterholz. Unter freiem Himmel finden in diesem Sommer zahlreiche Gottesdienste in der Region statt. Die ersten davon fanden an Christ Himmelfahrt statt.

Viele Gläubige nutzten den Feiertag zu einer Fahrt ins Blaue und kombinierten den Ausflug mit einem Gottesdienstbesuch. Die fünf Gemeinden des Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck (St. Marien, St. Willehadi, Friedenskirche Scharmbeckstotel, Emmausgemeinde Pennigbüttel und St. Johannes Ritterhude) wollten eigentlich im Garten des Gemeindehauses der evangelischen St. Johannesgemeinde in Ritterhude gemeinsam einen Gottesdienst unter freiem Himmel feiern. Auch andere Kirchengemeinden im Kreis planten Ähnliches. So die Kirchengemeinde Hambergen im Heimathaus Ströhe, die Wallhöfener Ansgarigemeinde auf dem Hof Monsees in Verlüßmoor und die Paulusgemeinde Gnarrenburg/Kuhstedt im historischen Moorhof Augustendorf.

Doch nicht überall trauten die Organisatoren den Wettervorhersagen. So etwa in Ritterhude: "Es ist zu kalt. Aber wie alle anderen haben auch wir einen Plan B. Denn im Zweifelsfall steht immer noch ein Gotteshaus bereit", sagte die Ritterhuder Pastorin Birgit Spörl, die die Veranstaltung kurzerhand ins Gemeindehaus verlegte und dort gut 80 Besucher begrüßte. Mit Pastor Gert Glaser, den Bläsern des Posaunenchores und dem Chor unter der Leitung von Caroline Schneider-Kuhn gestaltete sie den Gottesdienst unter dem Motto "über den Wolken" – währen die Fenster den Blick auf grüne Hainbuchen, blauen Himmel und weiße Wolken freigaben.

Auch in der heutigen aufgeklärten Zeit habe der Himmel seine Faszination nicht verloren, sagte Pastor Glaser in seiner Predigt. Das überwältigende Schauspiel von Morgenrot und Sonnenuntergang werfe unwillkürlich die Frage nach dem "Regisseur" auf. Er präsentierte ein Interview, in dem Konfirmanden die Menschen nach ihrer Definition von "Himmel" gefragt hatten. "Sehr weit oben und blau, Sonne, Regen und der liebe Gott, irgendetwas, das wir nicht wissen", lauteten die Antworten. "Der Himmel kann und darf nicht leer sein. Jeder verbindet etwas Positives mit dieser Metapher", sagte der Theologe. Dies komme auch in der Gebetszeile "wie im Himmel, so auf Erden" zum Ausdruck.

Nach dem Gottesdienst war im Foyer Gelegenheit zum Austausch bei Kaffee und Kuchen. Einige wenige wagten sich mit ihrem Heißgetränk auch im angrenzenden, kühlen Garten unter den freien Himmel.

Der kürzlich bereits in der fünften Auflage erschienene Gottesdienstkalender des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck im wander- und radtourfreundlichen Hosentaschenformat listet unter der Rubrik "Kirche im Grünen" insgesamt 49 Gottesdienste von 20 verschiedenen Gemeinden auf, die außerhalb von Kirchenmauern stattfinden. Die Freiluftkirchen für einen Tag befinden sich an den schönsten Orten der Region: auf Bauernhöfen, in Scheunen, Gärten, Zelten, Festplätzen, Heimathäusern und Museen, neben Brunnen und Windmühlen, an Teichen, auf Waldlichtungen und nicht zuletzt in Torfkähnen auf der Hamme. Sogar ein Freibad (Kirchtimke) und ein Stadion (Wallhöfen) gehören zu den Veranstaltungsorten. Für Ausflügler sind die Kirchen im Grünen willkommene Ziele. Einige kommen zu Fuß, viele per Fahrrad, andere finden sich zu Fahrgemeinschaften zusammen oder nutzen den Mitfahrservice ihrer Gemeinde. Dieses Angebot der offenen Kirche richte sich an alle Menschen, gleich welcher Generation und Glaubensrichtung, sagte Jutta Rühlemann. Die gute Resonanz zeige, dass die Menschen offen seien für neue Formen des Gottesdienstes. "Sie schätzen es, wenn die Kirche zu ihnen kommt, sie dort aufsucht, wo sie wohnen, arbeiten und gern ihre Freizeit verbringen", sagte die Superintendentin.

Der Kalender liegt er in den Büros der Kirchengemeinden, in Rathäusern, Banken und im Einzelhandel aus. Im Internet ist er unter www.kirchenkreis-osterholz.de zu finden.

Zitat:

"Es ist zu kalt. Aber wie alle anderen haben auch wir einen Plan B."

Birgit Spörl, Pastorin

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