Stiftungsdorf Hollergrund produziert eine CD mit Dieter Lükings Geschichten zum Schmunzeln Plattdeutsch als Lebensgefühl

Plattdeutsch verbindet – ältere Menschen, die es als Umgangssprache auf dem Lande kannten, aber auch Jüngere, die mit ihren Verwandten noch platt gesnackt haben. Liebhaber der Sprache können nun auf der CD "Miene langen korten Böxen" lustige Geschichten op platt hören. Musikalisch begleitet vom jungen Pianisten Konrad Roman Salwa hat der Ex-Lilienthaler Dieter Lüking, Mieter im Stiftungsdorf Hollergrund, eigene plattdeutsche Werke aufgenommen und lässt das alte Bremen und sein Umland lebendig werden.
05.03.2013, 05:00
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Von Gonhild Kunst

Plattdeutsch verbindet – ältere Menschen, die es als Umgangssprache auf dem Lande kannten, aber auch Jüngere, die mit ihren Verwandten noch platt gesnackt haben. Liebhaber der Sprache können nun auf der CD "Miene langen korten Böxen" lustige Geschichten op platt hören. Musikalisch begleitet vom jungen Pianisten Konrad Roman Salwa hat der Ex-Lilienthaler Dieter Lüking, Mieter im Stiftungsdorf Hollergrund, eigene plattdeutsche Werke aufgenommen und lässt das alte Bremen und sein Umland lebendig werden.

Lilienthal·Bremen. "De is so sinnig!", beschreibt der ehemalige Lehrer Dieter Lüking in kurzen Worten das Besondere der plattdeutschen Sprache. Die Freude an bildhaften Erinnerungen und der besondere Humor sind wichtige Gründe für ihn, für das Plattdeutsche zu werben.

Der 77-jährige Rentner, der seit zwei Jahren im Stiftungsdorf Hollergrund lebt, hat im Oktober zwölf plattdeutsche Geschichten aus seiner Kindheit und Jugend in Bremen und umzu in einem Aufnahmestudio erzählt. Daraus entstand die erste CD-Produktion des Stiftungsdorfs mit dem Titel "Miene langen korten Böxen".

Dieter Lüking schreibt bereits seit eineinhalb Jahren einmal monatlich plattdeutsche Kolumnen für die "Hollergrunder Nachrichten", die Hauszeitung des Stiftungsdorfes, und liest diese auf Veranstaltungen der Einrichtung treffend betont vor. Dabei begeistert er nicht nur "Plattdeutsch-Kenner" für die niederdeutsche Sprache. Annabell Karbe, Kulturpädagogin aus dem Steintor und Mitarbeiterin im Stiftungsdorf, erklärt: "Das Besondere dabei ist, wie Herr Lüking vorliest. Mit warmer Stimme vermittelt er das Originelle der plattdeutschen Sprache und bringt Zuhörer mit seinen Erinnerungen zum Schmunzeln."

Auch um zu zeigen, welche Talente die Mieter mitbringen, hatte das Team des Stiftungsdorfes Ende 2012 die Idee, eine CD mit ihm zu produzieren. Im Studio Nord in Oberneuland staunte der Tontechniker Oliver Sroweleit, der das Haus jüngst inklusive analoger Technik, Klavier und Originalbestuhlung aus den 50er-Jahren wiederbelebt hat, über den Vorleseprofi. Bereits nach wenigen Stunden stand die Aufnahme.

Und auch das Klavierspiel von Konrad Roman Salwa zwischen den Geschichten kam sehr gut an. "De Musik, de passt", lautete Dieter Lükings Kommentar. Seit Ende November liegt die fertig abgemischte CD vor, die das Team kurze Zeit später im Stiftungsdorf Hollergrund der Bremer Heimstiftung erstmalig vorstellte.

Das Cover der CD zeigt Lüking als fünfjährigen Pöks im Bürgerpark mit seinen langen kurzen Hosen, die der CD ihren Titel gab. Damals waren kurze Hosen modern, doch für Lükings Vater, der für ihn selbst schneiderte, waren diese "nicht schicklich". Also musste der Junge immer "lange kurze Hosen" bis zum Knie tragen.

Seine Mutter kam ihm schließlich zwei Zentimeter entgegen. Und um die Hose noch kürzer aussehen zu lassen, zog er sie mit den Händen in den Taschen noch höher, was auf dem Foto eindeutig zu sehen ist. Weitere Geschichten erzählen von seiner Konfirmation, bei der Putz von der Kirchendecke fiel, oder von einem Besuch bei Verwandten auf dem Land, bei dem er einen Scheunenbrand verhindern konnte.

Doch wie kam Dieter Lüking zu seiner Vorliebe für die plattdeutsche Sprache? In Findorff aufgewachsen, zog er mit acht Jahren nach Eystrup bei Nienburg. Auf dem Land hat er schnell Plattdeutsch gelernt, denn im Kreise seiner Mitschüler galt: "Wer Plattdeutsch kann, ist in. Wer nicht, kriegt Senge". "Dat lehrt!", meint Lüking schmunzelnd dazu.

Seine Mutter hatte ihm damals viel vorgelesen, auch von seinen heutigen plattdeutschen Lieblingsschriftstellern Fritz Reuter und dem Bremer Georg Droste, die ihn seit frühester Kindheit begleitet haben. Mit 15 Jahren zog er wieder nach Bremen, besuchte zunächst das Hermann-Böse-Gymnasium und absolvierte schließlich sein Wirtschaftsabitur.

Bereits als Jugendlicher wirkte er bei Aufnahmen von plattdeutschen Hörspielen bei Radio Bremen mit. Da er als gebürtiger Bremer wieder mit seinen Eltern in der Hansestadt lebte, sprachen diese mit ihm zu Hause hochdeutsch. "He schall dat mal lichter hebben", meinten sie. Um Lehrer zu werden, ging es für ihn auf die Pädagogische Hochschule, das heutige Schulzentrum Walle. Zunächst als Lehrer für Deutsch, Sachunterricht und Rechnen eingesetzt, wurde er Schulleiter in Tenever und wechselte schließlich zum Landesamt für Schulpraxis und Lehrerprüfung in der Humboldtstraße.

Schon als Student hatte sich Lüking im "Plattdütschen Kring", dem Zusammenschluss der plattdeutschen Vereine in Bremen mit damaligem Sitz in der Böttcherstraße, engagiert und lernte dort auch das Schreiben auf Platt. Aktiv blieb er dort bis zu seinem Umzug nach Lilienthal-Seebergen, wo er bis 2010 lebte.

Im Stiftungsdorf kann er nun wieder seiner Leidenschaft für die niederdeutsche Sprache in Form von Schreiben, Reimen und Vorlesen nachgehen. Außerdem geht er regelmäßig zu einer plattdeutschen Gruppe, die sich alle 14 Tage dienstags von 18 bis 19 Uhr im Dorfcafé des Stiftungsdorfes Hollergrund trifft. Einsteiger sind dort stets willkommen.

Die CD ist für sieben Euro plus Versandkosten zu erwerben, erhältlich über das Stiftungsdorf Hollergrund, Im Hollergrund 61. Der Erlös kommt der Arbeit mit Demenzkranken im Stiftungsdorf zugute. Näheres unter 0421/2785111. Eine Hörprobe gibt es unter www.lebens-weisen.de.

Plattdeutsch als Lebensgefühl

Stiftungsdorf Hollergrund produziert eine CD mit Dieter Lükings Geschichten zum Schmunzeln

Zitat:

"Mit warmer Stimme

vermittelt Dieter Lüking

das Originelle der

plattdeutschen Sprache."

Annabell Karbe, Kulturpädagogin

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